Der große und der kleine Zeiger.

Die Sonne scheint. In Irland ist das immer ein Ereignis. Ich rufe also: „Tierarzt, Katze, Hund, die Sonne scheint.“ Die Katze dreht sich auf den Bauch, der Hund bringt mir einen Schuh, der Tierarzt gurgelt Unverständliches aus dem Badezimmer. Ich schleppe zwei Stühle nach draußen, reiße alle Fenster auf und reiche dem man of the house, eine dampfende Teetasse an und blinzle in die Sonne. Dann blinzeln wir gemeinsam in die Sonne und lesen die Zeitung nach. Bis auf leises Blätterrascheln hört man nichts. Dann aber fällt es mir ein: „Tierarzt, wir müssen die Uhr umstellen.“

Der Tierarzt sieht mich zögernd an: „Mädchen, müssen wir die Uhr jetzt umstellen?“

Ich sehe den Tierarzt an: „Es sind die kleinen Dinge, Tierarzt sage ich: „Stellt man die Uhr nicht mehr um, dann ist das nur die Spitze eines viel größeren Eisberges, der nicht aus gefrorenem Wasser, sondern der Nachlässigkeit besteht: gibt man erst nach, dann schraubt man die Zahnpastatube nicht mehr zu, am nächsten Tag putzt man sich die Zähne nicht mehr, am dritten Tag schiebt man ein gefrorenes Auftaugericht in die Mikrowelle, am vierten Tag kauft man gleich nur noch Zigaretten und drückt die Kippen in den Blechassietten aus, am sechsten Tag raucht man im Bademantel und nagt an kalten Pizzarinden und am siebten Tag stolpert man über die gestapelten Müllbeutel mit den Fertiggerichten in der Küchentür, die fauligen Essensreste laufen über die Fliesen, man glitscht aus und bricht sich das rechte Schienbein und die Sanitäter finden einen mit ungeputzten Zähnen und man hat ja auch die Uhr nicht umgestellt, schreiben Sie die falsche Uhrzeit in den Aufnahmebogen.

Der Tierarzt sieht mich lange an und sagt: Mädchen, warum hast du eigentlich keine Logikprofessur?“

„Lenk nicht ab“, sage ich und ziehe den Tierarzt in die Diele, wo die alte Standuhr steht. Tick-Tock macht die Standuhr und der Tierarzt seufzt: „Dieses störrische Biest.“ Leider hat der Tierarzt Recht. Die alte Standuhr ist wirklich sehr störrisch, das Glasfenster lässt sich nur schwer öffnen und man muss eine Feder an eine Vorrichtung klemmen, um die Zeiger zu bewegen, aber oft springt die Feder ab oder der Stundenzeiger klemmt, es gilt das Pendel zu justieren und so krempelt der Tierarzt die Ärmel hoch.

Tierarzt (T ): Auf geht’s . Der Tierarzt lehnt die Uhr nach vorn, ich halte die Uhr und der Tierarzt öffnet sehr vorsichtig das Uhrenkastel

Ich: YES.

T: Argh.

Ich: A little bit more left.

T: I can feel it.

Ich: You’re nearly there.

T: That’s so damn tight.

Ich: Your fingers are so…

T: Yes…..

Ich: Smooth. Elegant. Strong.

T: Don’t flatter me.

T: G*d I never got in so deep.

Ich: Just a tiny bit more. Can you feel it?

T: Ah. Ah. I don’t want to loose my grip.

Ich: I hold you down. You need to push a tiny bit harder.

T: That’s good. That’s so good.

Ich: You are so close.

T: I am coming closer still.

Ich: That must be it. One last tiny push.

T: Oh yes, yes, yeeeeeees. Here I go. Here I come. Oh yeah.

Ich: Hell yeah.

T: I can still hold it. Can you hold it?

Ich: I can.

T: I let go now. Oh, that’s so good. So damn good.

Ich: You nailed it.

T: I so do. That’s just the right spot. Oh my!

Ich: You do fantastic.

T: I never lasted for so long, didn’t I?

Ich: You really never did. Simply amazing. Yor fingers are so good.

T: G*d. I just did it. That feels so, so good.

Der Tierarzt verschließt das Gehäuse der alten Uhr und sehr vorsichtig kippen wir die Uhr gegen die Wand. Die Uhr macht Tick-Tack-Tock. Ich strahle den Tierarzt an. Der Tierarzt strahlt zurück. Die Uhr glitzert im Sonnenschein. Die Sonne scheint durch die weit geöffneten Fenster. Vor dem Fenster stehen die Frau des Krämers und ihre Tochter. Die beiden Damen kehren so eben vom Kirchgang zurück. Die Frau des Krämers ist kalkweiß. Ihre Tochter ist krebsrot. Sie starren uns an. Der Tierarzt rollt sich die Hemdärmel wieder herunter. „Morgen die Damen Krämer, ruft er herüber, haben Sie schon die Uhren umgestellt. Der Tierarzt zwinkert ihnen zu und hebt neckisch den Zeigefinger: „Nicht, dass Sie noch zu spät kommen.“

Die Damen Krämer eilen wortlos davon. „Die wissen auch nie was Sie wollen“, sagt der Tierarzt kopfschüttelnd. Mädchen, fährt er fort, die Sonne scheint, kommst du mit zu Kälbchen?“ „Klar“, sage ich.