Sonntag

In der Nacht zieht der Sturm vorüber, am Morgen ist der Himmel klar. Der Himmel ist blau und kalt ist die Welt früh am Morgen, die Möwen sitzen auf dem Gartenzaun, die Katze liegt auf der Fensterbank. Der Tierarzt schläft, der Tierarzt schläft viel in diesen Tagen, das sagte ich schon, ich wiederhole mich oft. Der Hund will mit ans Meer. Die Katze interessiert sich nicht für nasse Pfoten. Der Hund ist zu alt für den Weg an den Klippen hinunter, wir gehen ins Unterland. Die Frau des Krämers steht schon im Laden: „Sie sind vom Wahnsinn gebissen“ schreit sie Fräulein Read On, „Sie holen sich den Tod.“ Die Frau des Krämers hat Lockenwickler im Haar, ihre Schwester feiert Geburtstag im Golf-Hotel. Es darf getanzt werden, die Frau des Krämers schüttelt den Kopf, Fräulein Read On, was soll nur aus ihnen werden. Ich trage keine Lockenwickler sondern einen alten Schafswollpullover des Tierarztes, der mir bis zu den Knien reicht, Kniestrümpfe und alte Pantinen, über allem trage ich einen Wetterfleck. „Was macht der Tierarzt?“ fragt mich die Frau des Krämers. „Der Tierarzt schläft viel, wiederhole ich in diesen Tagen.“ Die Frau des Krämers schüttelt den Kopf. Wenn Sie doch nicht ins Dorf gekommen wären, sagt die Frau des Krämers, dann hätte der Tierarzt schon längst meine Tochter geheiratet , wir hätten einen Studierten in der Familie, wir hätten ihn uns schon groß gefüttert.“ Ich sehe die Frau des Krämers müde an, „der Tierarzt, Frau des Krämers heiratet niemanden mehr.“

Dann stehen wir im Laden und sehen dem schmalen Sonnenstreifen zu der durch das Fenster fällt, so schmal wie der Tierarzt, lehnt er im Rahmen der Tür. Dann gehen der Hund und ich zum Meer herunter, das Meer ist spiegelglatt und himmelblau, das Meer ist so kalt. Der Hund taucht seine Pfoten ins Wasser schüttelt den Kopf und legt sich in den Sand. Ich aber renne ins Wasser, findet man erst den Atem wieder, wird es schön, ich schwimme gemeinsam mit hier überwinternden Vögeln zur roten Boje hinaus, auf der roten Boje frühstückt eine Möwe und nickt mir kurz zu. Das Wasser schlägt über meinem Kopf zusammen, für einen Moment ist die Freiheit grenzenlos. Blaue Lippen, blaue Zehen, den Kopf im Handtuch, der Hund schüttelt den Kopf. Später wird er trotzdem mit den feuchten Pfoten vor der Katze promenieren, man kennt das ja.

Ich wickle mich wieder in den Schafwollpullover, in Strümpfe, Schuhe und Wetterfleck, die Sonne steigt höher, der Wind nimmt zu, grün bemoost sind die Steine. Vorsicht sage ich zum Hund, das sind schlafende Riesen, weck sie nicht auf. Der Hund und ich wandern mit äußerster Vorsicht an den Zehen der Riesen entlang. Der Schiefer ist rutschig und glatt, in einem Priel finde ich eine rosa Muschel. Perlmuttglanz denke ich und lasse sie vorsichtig in den Wetterfleck gleiten. Der Hund und ich teilen geschwisterlich einen warmen Himbeerscone, kaufen zwei weitere, winken dem alten Joe Reilly, der repariert die Taue, damit es kein Unglück gibt, Fräulein Read On, wärmen sie sich gut auf.

Zurück im Oberland bekommt die Katze Milch, der Hund Wasser, dann zieht der Tee und ich steige die knarrende Treppe hinauf. „Bist Du wach?“, flüstere ich dem Tierarzt ins Ohr? Salzwasser tropft mir aus den Haaren. Der Tierarzt lacht: seit wann kommen die Meermmsellen ans Land. Seitdem die Meermamsellen nur mehr Beine habe, sage ich und reiche dem Tierarzt: T-Shirt, Pullover, Hose und Socken an. „Komm in die Sonne“, sage ich und wir ziehen die Stühle an die Mauer, die das Haus von der Kirche St. Sylvester trennt, der Rasenfleck vor der Mauer konserviert den Sommer selbst im Februar. Der Tierarzt schlürft Tee und schweigt sich aus über den kleinen Zuckerberg auf dem Grund der Tasse. Ich lege ihm die rosa Muschel aufs Knie. Sie Tierarzt, wer weiß vielleicht hat diese Muschel Eltern aus der Südsee gehabt, vielleicht lag die Muschel einmal in der Hand einer schönen Frau auf einem Ausflugsdampfer irgendwo im milden Süden.
„Liebling sagte sie: Diese Muschel will ich haben. Diese oder keine. Einen Ohrring lass mir daraus machen. Einen Ohrring ganz allein für mich. Einen Ohrring um dem mich alle Frauen beneiden. Aber dann schwankte das Boot, von einer heftigen Welle getroffen, der Mann dessen Namen von der Geschichte lang schon vergessen ist, hielt sich in seiner Not an einer ganz anderen Frau fest und alles kam anders, als einmal gedacht, die Muschel aber ging über Bord und so viele Jahre später fiel sie mir ausgerechnet unten am Strand in die Hand.“

Der Tierarzt lacht: Mädchen sagt er, Mädchen , versprich mir, hör niemals auf die Dinge nach ihren Geschichten zu befragen.

Ich schüttle den Kopf. „Tierarzt sage ich nur Du und ich sind so sentimental, der Welt verlangt es nach anderen Dingen.“ „Eigentlich wollte ich Dir etwas ganz anderes erzählen.“ Der Tierarzt schweigt über den nächsten Löffel Zucker, der in seiner Teetasse verschwindet und sagt: „Erzähl.“ Die Katze stolziert über die Steine und hopst auf seinen Schoß, der Hund schleppt verbotenerweise einen Pantoffel heran und legt mir den Kopf auf das Knie.

„Ich war doch vorhin bei der Frau des Krämers, die heute auf einen Geburtstag im Golfhotel geht, ich bezahle Scones, ich ratsche mit ihr, ich wende mich schon zum Gehen, da sehe ich ein Schild im Schaufenster kleben: „Final Blitz“ steht auf dem Schild. Die Frau des Krämer sagt: „Nehmen Sie es mir nicht übel Fräulein Read On, nichts gegen Sie, aber am Montag kommt eine deutsche Touristengruppe und das verstehen die Deutschen sofort.“

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„Oh Dear“ ruft der Tierarzt und lacht sein Sommerlachen, die Katze grinst, der Hund hechelt, ich lächle mit und die Sonne hoch über dem Kirchturm St Sylvester schüttelt den Kopf. „Derartige Albereien an der Kirchhofmauer“, sagt sie.

Bestimmt.

Aus südlicher Richtung

Drei Tage schon kommt der Wind aus Süden, sagt der Tierarzt, er lehnt gegen den Volvo, der Wind fährt ihm durch das Haar und ich lege das luggage holdall in den Kofferraum. „Wirklich, schon seit drei Tagen?“ sage ich und der Tierarzt nickt. „Du hast dafür eine goldene Nasenspitze bekommen“, sagt er und ich stecke die Nase schnell so tief ich kann in den Schal. Der Tierarzt sagt: „Ich habe es dir gleich gesagt Mädchen, im Dezember, erinnerst Du Dich kurz bevor wir nach Deutschland fuhren, da hatte Kälbchen auf einmal drei goldene Haare im Fell
(Ich erinnere mich nicht, wohl aber erinnere ich wie Kälbchen sich im Dezember in einer Matschpfütze suhlte und als großer grauer Wolf vor mir stand, einen Weidepflock umriss und noch hämisch blökte und es war auch ein milder Dezembermorgen an dem Kälbchen den Esel zu einem Ringkampf herausforderte, der dem Esel schlecht bekam. Aber der Tierarzt beharrt auf den drei goldenen Haaren und überhaupt dem guten Einfluss den Kälbchen auf Dorf, Land, Welt, Blog und überhaupt hätte. Ich schweige lieber in meinen Schal hinein und hoffe, dass die Esel sich niemals an die UN wenden werden, denn dann sind wir geliefert.

„Wind aus dem Süden also“, sage ich und der Tierarzt nickt und schon liegt der Flughafen hinter uns,“ schon seit drei Tagen. Im Dorf glaubt man, mit dem Wind aus dem Süden käme auch das Unheil zur Tür herein. „Der Wind aus dem Süden kommt auch aus der Fremde“, sagte die Frau des Krämers zu mir, als ich damals vor Jahr und Tag den Schlüssel zum windschiefen Haus von ihr abholte.

Kommt der Wind aus dem Süden überfällt die Frau des Krämers eine Migräne, die sie mit starkem Kaffee und Branntwein behandelt. „Weht der Wind aus dem Süden, sagt der Krämer dann träumt er des Nachts von fliegenden Katzen und einmal hat er den alten Hofhund und der Krämer schwört beim Leben seiner Frau Gemahlin dabei ertappt wie dieser mit gelb glühenden Augen vor dem Spiegel im Flur die Zähne fletschte. „Wenn der Wind aus Süden weht, dann liegen die Haare der Tochter der Frau des Krämers nicht, sondern stehen störrisch zu Berge und die Tochter, die wenn der Wind aus Norden, Osten oder Westen kommt, jedwedes Gemüse links liegen lässt, beißt wenn nur der Südwind gegen die Fenster drückt herzhaft in eine Tomate und ist zum Schrecken ihrer Mutter an jenen Tagen schon mit Bambussprossen in der Hand gesehen worden. Das macht der Südwind mit den Bewohnern des Dorfes und damit noch nicht genug, sagen die Leute im Unterland, wird man schon bei Krämers nervös, die doch Wohl und Wehe des Dorfes in den Händen halten, so sieht man selbst mit Sorge, wie der Südwind die Ordnung des Dorfes, wenn auch nur um wenige Millimeter verändert.

Ein Nachbar berichtet, seine Standuhr begönne seit drei Tagen exakt sechs Sekunden zu spät zu schlagen und ist die sechs nicht die südlichste Zahl des Ziffernblatts?

Eine Nachbarin wiederum, so erzählt der Tierarzt, habe am zweiten Tag der südlichen Winde geschworen, dass sämtliche Wellenspitzen der wogenden See in südliche Richtung wiesen.

Weitere Vorkommnisse, die das Dorf aufmerksam beobachtet habe und die die Frau des Krämers in einer Kladde festhielte, verzeichneten, so der Tierarzt, in den letzten Tagen: ungewöhnliche große Regentropfen, zwei Katzen auf der Quaimauer, die noch niemals im Dorf gesehen wurden, dafür aber über Stunden unentwegt auf die Strandpromenade starrten, nur um dann unauffindbar zu verschwinden. Ein Glas Milch sei vor den Augen der Frau des Krämers sauer geworden, die stille Helene, die den Krämersladen wischt und seit Jahren nicht mehr spricht, habe auf einmal angefangen von Dingen zu reden, über die aus gutem Grund niemals nicht einmal bei Südwind gesprochen werde, Dinge, über die für viele Jahre hat Gras wachsen müssen, Dinge von solcher Ungeheuerlichkeit, dass darüber niemals genug Gras wachsen könne und dann so etwas. Der Tierarzt sagt, die Frau des Krämers sei erschüttert gewesen und habe die stille Helene fortgeschickt. Das sei in all den Jahren noch niemals vorgekommen, aber auch der südliche Wind habe noch niemals so lange das Dorf fest im Griff gehabt.

Nur als die Frau des Krämers angefangen habe zu behaupten, dass auch Kälbchen schon ganz wirr im Kopf sei und irgendwie fremdländisch blöke, habe er sich gegen diesen Unsinn verwehrt, „Kälbchen sei schließlich hochbegabt und Hochbegabte Seelen seien per se erratisch, unabhängig und habe nicht auch die Renaissance im Süden begonnen?“ Die Frau des Krämers aber habe finstere Dinge gemurmelt von Versüdlichung, vom dahergelaufenen Fräulein mit den südlichen Augen, aber dann doch geschwiegen, ein Mann habe den Krämersladen betreten fremd auch er und noch dazu in gelben Hosen, verdächtig ähnlich jener Wüstenregionen mit ihren unheilvollen Winden. Der Tierarzt aber erklärt, er hätte die Ankunft des Fremden zur Flucht genutzt und auch wir biegen schon in die Dorfstraße ein und so flüstere ich lieber zum Tierarzt herüber, dass der Priester mir einmal eine Karte des Dorfes gezeigt habe, eine alte Karte schon fleckig und reichlich zerknittert, doch ganz deutlich sei zu erkennen gewesen, das ausgerechnet das Haus der Frau des Krämers am südlichsten Punkt des Dorfes stünde. Der Tierarzt aber kichert so wie der südliche Wind, der gegen die Fensterläden scheppert, kichert noch immer da sitze ich schon im alten grünen Sessel und sehe zum dunklen Pfarrhaus herüber. „Sie werden schon sehen Fräulein Read On“, sagte der Priester als wir zum letzten Mal im Garten standen, „ich will ihnen den Süden schon vor die Füße legen“ und dann lächelte der Priester ein anderes Lächeln, das Lächeln des Südens und seiner Winde.

Verschiebungen

In der Nacht seltsame und verrätselte Träume. Ein Schwanenpaar fährt langsam rudernd über den See. Das Boot aber liegt schief, ist leck und schließlich verschwinden die Schwäne unter einer großen Wolke von Tauben, die sich erst über die Schwäne, das Boot und den See legen. Die Zukunft des Bootes, der Schwäne, ja selbst die des Sees erschien mir ungewiss. Mit Schüttelfrost aufgewacht.

Auch im Büro klebte noch immer die seltsame Nacht an mir. Ein Maler mit Leiter, Farbeimern und Folie, klopfte an meine Tür.

„Ich soll hier die Wand streichen“, sagt er.
 
„Wir haben keinen Maler bestellt“, sage ich.

„Die Wand hier soll ich streichen“, wiederholt er.

„Hier soll nirgendwo eine Wand gestrichen werden“, wiederhole ich.

Er beginnt in ein Telefon zu schreien. Ich sehe durch alle Kalender befrage die Auszubildende und rufe die J. an. Niemand hat einen Maler bestellt, niemand weiß etwas von einem Maler, keine Wand soll neue Farbe bekommen.

Der Maler steht breitbeinig vor mir und wiederholt sein Anliegen auf grobe und gröbere Weise, die Packung mit der Folie fällt um. Ich beharre darauf keinen Maler bestellt zu haben, der Maler spuckt mir vor die Füße. „Verschwinden Soe“, sage ich und der Maler geht fluchend zur Tür heraus. Aus seinen Schuhen fallen grobe Mörtelbrocken. „Müssen Maler nicht saubere Schuhe haben?“, frage ich mich und denke dabei doch: was für eine dumme Frage das ist. Die Auszubildende heiße ich einen Kehrbesen holen und einmal tut sie etwas ganz ohne Gemaul.

„Ob es wohl wirklich falsche Maler gibt?“, frage ich mich, frage es die J., frage es schließlich die Polizei, der Beamte mahct sich unablässig Notizen.“ Man werde den Fall prüfen“, sagt er. Ich nicke und gehe davon. Wieder ist mir als gurrten die Tauben spöttischer als sonst. Ein Mann spricht vertieft mit einem Ahornbaum.

Das Institut riecht noch immer nach dem Maler, der Farbe und seinem sauren Atem. Ich mache die Fenster auf. Sofort frieren die Auszubildende, die Fellows, nur der Schriftsteller macht Atemübungen am Fenster.

Früher nach Haus als gewöhnlich. Erleichtert endlich einmal das Dorf wenigstens im letzten Tageslicht zu sehen. Sonst gehe ich vor der Dämmerung und komme mit der Dunkelheit heim. Ich setzte mich auf das Fensterbrett, sehe auf das Meer hinaus und als der Tee fast trinkbar ist, klingelt das Telefon.

„Mädchen?“, sagt der Tierarzt bist du daheim?“

„Ja“, sage ich und lege den Kopf auf meine Knie. Den Tierarzt kann ich kaum verstehen, es rauscht und gurgelt am anderen Ende des Telefons. Aber dann höre ich ihn doch, oder anders ich höre, dass ich kommen soll. Warum verstehe ich nicht. Ich borge mir das Auto des Priesters, ziehe mir Gummistiefel an und fahre um Kurven und Ecken, durch andere Dörfer, tiefer in das Land hinein, lasse das Meer hinter mir, eine Tannenschonung, Koppeln, Weiden, auf einem Hof steht der alte Volvo des Tierarztes. Neben dem Tierarzt steht ein alter Mann: „Ich habe sie geliebt“, sagt er und ich frage den Tierarzt: „Was ist passiert?“ Ein Kuh habe sich erschrocken, sagt er und zeigt auf den Weiher, ausgegeglitten sei die Kuh auf der in der Nacht überfrorenen Weide schließlich eingebrochen im dunklen Teich und käme nicht mehr heraus. Er und der Bauer seinen zu schwach und zu alt, um die Kuh aus dem Teich heraus zu befördern. Der Tierarzt schämt sich seiner Schwäche, der alte Bauer sieht auf seine müden Hände, ich wundere mich, ob nicht zwei Schwäne über dem Teich aufsteigen, dann verwerfe ich das Bild und wir gehen hinüber zur brüllenden Kuh. Die Kuh erscheint mir größer als gewöhnliche Kühe, so als hätte das Wasser die Kuh aufgeschwemmt, ein groteskes verzogenes Spiegelbild und ich fürchte mich vor der Kuh und dem dunklen Teich. Der Bauer redet auf die Kuh ein und der Tierarzt und ich überlegen wie wir wohl eine Arte Seilwinde um die Kuh bekämen, der Tierarzt steigt in den Teich hinein und vor meinen Augen verwandelt sich die Kuh in den lecken Kahn meiner Träume. Der Tierarzt kehrt mit blutigen Händen zurück. Irgendwann muss einmal ein Pflug im Teich versenkt worden sein, jetzt aber ist das rostige Metall zum Verhängnis der Kuh geworden. Die Kuh hat aufgehört zu brüllen und die Kuh ist tot. Wir steigen zu dritt in den schlammigen Weiher und schleifen die Kuh ans Ufer. Blutgetränkt und Schlammverschmiert. Die Kuh nicht mehr zu unterscheiden vom dunklen Ufer, wir nicht mehr zu unterscheiden von der Kuh. Der Bauer ruft den Abdecker, der Abdecker ist eigentlich ein Tierkörperverwertungs-Unternehmen. Ich fürchte mich vor unseren Spiegelbildern. Der Bauer gibt mir Sachen seiner toten Frau. Die Sachen riechen nach Mottenpulver, Tieren und der toten Frau. Der Bauer umarmt den Tierarzt, mich und nach vielen Papieren fahren wir endlich nach Hause, ich fahre dem roten Volvo hinterher. „Danke Priester“, sage ich und dann lege ich die Sachen der toten Frau sorgfältig zusammen. Warmes Wasser, kaltes Wasser, ich krieche in einen Tierarztpullover, der Tierarzt wickelt sich in meinen Schal. Der Tierarztpullover ist dunkelblau, der Schal ist gelb, der Tierarzt schiebt seine Finger zwischen meine Rippen. Der Tee ist lange schon kalt, das Haus ist kalt und ich stelle die Heizung an. Leises Gluckern, ein Kahn der leck schlägt denke ich, sehe noch einmal die Schwäne, die Tauben und den dunklen See. Dann schlafe ich ein.

Der große und der kleine Zeiger.

Die Sonne scheint. In Irland ist das immer ein Ereignis. Ich rufe also: „Tierarzt, Katze, Hund, die Sonne scheint.“ Die Katze dreht sich auf den Bauch, der Hund bringt mir einen Schuh, der Tierarzt gurgelt Unverständliches aus dem Badezimmer. Ich schleppe zwei Stühle nach draußen, reiße alle Fenster auf und reiche dem man of the house, eine dampfende Teetasse an und blinzle in die Sonne. Dann blinzeln wir gemeinsam in die Sonne und lesen die Zeitung nach. Bis auf leises Blätterrascheln hört man nichts. Dann aber fällt es mir ein: „Tierarzt, wir müssen die Uhr umstellen.“

Der Tierarzt sieht mich zögernd an: „Mädchen, müssen wir die Uhr jetzt umstellen?“

Ich sehe den Tierarzt an: „Es sind die kleinen Dinge, Tierarzt sage ich: „Stellt man die Uhr nicht mehr um, dann ist das nur die Spitze eines viel größeren Eisberges, der nicht aus gefrorenem Wasser, sondern der Nachlässigkeit besteht: gibt man erst nach, dann schraubt man die Zahnpastatube nicht mehr zu, am nächsten Tag putzt man sich die Zähne nicht mehr, am dritten Tag schiebt man ein gefrorenes Auftaugericht in die Mikrowelle, am vierten Tag kauft man gleich nur noch Zigaretten und drückt die Kippen in den Blechassietten aus, am sechsten Tag raucht man im Bademantel und nagt an kalten Pizzarinden und am siebten Tag stolpert man über die gestapelten Müllbeutel mit den Fertiggerichten in der Küchentür, die fauligen Essensreste laufen über die Fliesen, man glitscht aus und bricht sich das rechte Schienbein und die Sanitäter finden einen mit ungeputzten Zähnen und man hat ja auch die Uhr nicht umgestellt, schreiben Sie die falsche Uhrzeit in den Aufnahmebogen.

Der Tierarzt sieht mich lange an und sagt: Mädchen, warum hast du eigentlich keine Logikprofessur?“

„Lenk nicht ab“, sage ich und ziehe den Tierarzt in die Diele, wo die alte Standuhr steht. Tick-Tock macht die Standuhr und der Tierarzt seufzt: „Dieses störrische Biest.“ Leider hat der Tierarzt Recht. Die alte Standuhr ist wirklich sehr störrisch, das Glasfenster lässt sich nur schwer öffnen und man muss eine Feder an eine Vorrichtung klemmen, um die Zeiger zu bewegen, aber oft springt die Feder ab oder der Stundenzeiger klemmt, es gilt das Pendel zu justieren und so krempelt der Tierarzt die Ärmel hoch.

Tierarzt (T ): Auf geht’s . Der Tierarzt lehnt die Uhr nach vorn, ich halte die Uhr und der Tierarzt öffnet sehr vorsichtig das Uhrenkastel

Ich: YES.

T: Argh.

Ich: A little bit more left.

T: I can feel it.

Ich: You’re nearly there.

T: That’s so damn tight.

Ich: Your fingers are so…

T: Yes…..

Ich: Smooth. Elegant. Strong.

T: Don’t flatter me.

T: G*d I never got in so deep.

Ich: Just a tiny bit more. Can you feel it?

T: Ah. Ah. I don’t want to loose my grip.

Ich: I hold you down. You need to push a tiny bit harder.

T: That’s good. That’s so good.

Ich: You are so close.

T: I am coming closer still.

Ich: That must be it. One last tiny push.

T: Oh yes, yes, yeeeeeees. Here I go. Here I come. Oh yeah.

Ich: Hell yeah.

T: I can still hold it. Can you hold it?

Ich: I can.

T: I let go now. Oh, that’s so good. So damn good.

Ich: You nailed it.

T: I so do. That’s just the right spot. Oh my!

Ich: You do fantastic.

T: I never lasted for so long, didn’t I?

Ich: You really never did. Simply amazing. Yor fingers are so good.

T: G*d. I just did it. That feels so, so good.

Der Tierarzt verschließt das Gehäuse der alten Uhr und sehr vorsichtig kippen wir die Uhr gegen die Wand. Die Uhr macht Tick-Tack-Tock. Ich strahle den Tierarzt an. Der Tierarzt strahlt zurück. Die Uhr glitzert im Sonnenschein. Die Sonne scheint durch die weit geöffneten Fenster. Vor dem Fenster stehen die Frau des Krämers und ihre Tochter. Die beiden Damen kehren so eben vom Kirchgang zurück. Die Frau des Krämers ist kalkweiß. Ihre Tochter ist krebsrot. Sie starren uns an. Der Tierarzt rollt sich die Hemdärmel wieder herunter. „Morgen die Damen Krämer, ruft er herüber, haben Sie schon die Uhren umgestellt. Der Tierarzt zwinkert ihnen zu und hebt neckisch den Zeigefinger: „Nicht, dass Sie noch zu spät kommen.“

Die Damen Krämer eilen wortlos davon. „Die wissen auch nie was Sie wollen“, sagt der Tierarzt kopfschüttelnd. Mädchen, fährt er fort, die Sonne scheint, kommst du mit zu Kälbchen?“ „Klar“, sage ich.

 

Im Wind

Der Sturm kommt und die Universität schließt ihre Tore. Schließt die Universität ihre Tore, so gilt dies auch für das Institut. Die Universität verschickt mehr als eine E-Mail, es gibt das alles auch in kürzer auf Twitter und Facebook, ich schicke eine Email an das gesamte Institut, natürlich alles auch noch einmal in kürzer auf Twitter und Facebook und dann fange ich an die Emails der Fellows zu beantworten:

„Ist das Institut geschlossen?“ ( Ja ) , Ist das Institut WIRKLICH geschlossen. ( Ja). Warum ist das Institut verschlossen? ( Ein Sturm namens Ophelia zieht über Irland.) Bei mir vor dem Fenster weht gar kein Wind, kann ich ins Institut kommen? ( Nein.) Wann fängt das Yoga heute an? (Die Auszubildende).
Ich habe meine Lieblingstasse/ mein Schnuffeltuch / meinen Zettel mit der Weltformel im Institut vergessen, kann ich das abholen? ( Nein ). Kannst du mir die Dinge bringen? ( Nein ). Das ist ungerecht/ eine bodenlose Frechheit / ich bestehe auf dem freien Willen ( Kant !!!!!) wie komme ich ins Institut. ( Gar nicht. Die Universität und Institut sind vernagelt.) Ich werde mich beschweren. Ganz oben. Es ist mein gutes Recht ( Tausend Ausrufezeichen.) Dann fällt der Strom aus und ich finde, ich habe ohnehin genug Fragen beantwortet. Das Dach des kleinen windschiefen Hauses wackelt, aber es hält. Die Kirchglocken St Sylvesters aber schlagen laut und unermüdlich, der Priester kommt vom Meer zurück: „Fräulein Read On“, sagt er, da sind Leute mit Surfbrettern auf dem Wasser.

Die Stunde des Sturms aber ist die Stunde des großen Triumphes der Frau des Krämers. Die großen Supermärkte, erst Dunnes, dann aber auch Tesco schließen, aber ihr Laden trotzt allen Gewalten und der Krämer zurrt ein großes: „We are open“-Schild an einem Baum fest. Die Schlangen vor dem Geschäft werden immer länger und die Frau des Krämers hat gerötete Wangen vor Aufregung und deklariert den Laden zur Sturmversorgungsnotzentrale. Deswegen heißen die sausage rolls, dann auch emergency rolls und kosten 50 Cent mehr als sonst. Die Touristen sind begeistert und die Frau des Krämers herrscht ihre Tochter an, doch schneller zu sein mit dem Nachfüllen der Milchpackungen, der Kekstüten und belegten Brote. „Ich dachte der Laden sei schon zwanzig Jahren pleite“, sagt ein Mann und erntet einen Todesblick der Frau des Krämers, die finster knurrt: „nur über meine Leiche.“ Er bekommt die unverkäuflichen, steinharten Haferkekse, ein Experiment der Frau des Krämers, welches fehlschlug, aber nicht fehl genug, um es dem dreisten Städter nicht einmal so richtig zu zeigen. „Have a very good day“, schnalzt sie als der Mann mit den Haferkeksen und der Milch den Laden verlässt. Dann rüffelt sie ihre Tochter, die zu verschwenderisch mit dem Einwickelpapier für die “Emergency Rolls“ umgeht. Vor der Tür verkauft der Krämer Kaminholzscheite und Kohlenbriketts, dann wirft eine heftige Windböe den Tisch und die Frau des Krämers schilt auch ihn geschäftsschädigenden Verhaltens, kann aber mir ihrer Schimpftirade nicht fortfahren, denn der Sturm knickt den Baum mit dem „We’re open“ Schild einfach um.

Der Tierarzt indes erklärt einer Gruppe unverschämt gutaussehender, amerikanischer Touristinnen, die ihm an den Lippen kleben, auch er sei in einer Sturmnnacht geboren. Die wunderschönen, blondgelockten Frauen seufzen und der Tierarzt- wehendes Haar und wehender Mantel- fügt hinzu: in der Nacht also, in der ich geboren wurde, da schwammen die Fische auf den Straßen als sei es das Meer. Die blonden Sirenen sind der Ohnmacht nahe, nur leider komme eben auch ich die Straße hinunter und sage: „Na Heathcliffe, bist du soweit?“ Die Damen sehen fassungslos zu mir herüber: warum ein Beau sich wohl mit einem Shetlandpony abgibt, fragen sie sich und sie fragen ihn: „Heathcliffe, what an extraordinary name?“ Der Tierarzt schüttelt den Kopf: „Mädchenhumor.“ „There was no possibility of taking a walk that day“ , sage ich und rate den schönäugigen Damen ihre Dorf und Tierarztbetrachtung doch an einem anderen Tag fortzusetzen. Die Damen heben Stöcke und Äste auf. „We survived a hurricane.“ Es fängt an zu regnen.

Später, dann stehen der D. und ich im Wind und wir werden für viele Stundne im Wind stehen und Notversorgung organisieren, über Baumstämme schlittern und müsste ich mich nicht so konzentrieren, so streckte ich der Ballettlehrerin, die mich damals als aus dem Kurs warf: „Das ist Ballett kein Elefantenzirkus“ die Zunge heraus, denn die Bäume sind glitschig und dennoch irgendwie kommt man herüber auf die andere Seite und dann machen wir das, was wir eben machen, seit so vielen Jahren schon. Später, so viel später, als wir zurückfahren, nach langen Stunden, da denke ich an den B. Der B. war ein Mann für den Englisch das Wort hunk erfunden hat, ein Baumstamm von einem Mann, Mountain Rescue, einer von jenen, die nicht mehr zurückkamen, damals aber, in einer anderen Nacht, einem anderen Land, wir bauten Zelte auf, da sah er, zu mir herüber und sagte: Feuer bringt die Menschen näher zusammen, Wasser aber verdrängt, aber Wind, Wind Read On, der Wind zerrt an den Nerven der Menschen, lässt sie schneller die Nerven verlieren als sonst. „Wind Read On makes humans snappy“, nimm Dich in Acht vor dem Wind, über dem Wind verliert man den Verstand. Damals sah ich ihn verwundert an, denn dort wo wir Zelte aufbauten, da war doch der Krieg. Aber er sollte Recht behalten, und als ich spät am Abend wieder zurückkehre in das kleine Dorf, da ist das Dorf rastloser als sonst, und auch der Tierarzt, der Sturmgeboren, der niemals die Ruhe verliert, ist unruhiger als sonst, steht wartend am Fenster und endlich dann vergraben unter dicken Decken, der Sturm schüttelt noch immer an den Wänden des kleinen, windschiefen Hauses, ich ahne wie Recht der B. hatte, der Sturm zehrt an einem, fährt einem unter die Haut, versteckt sich in den Knochen und am Ende des Tages sind drei Menschen tot und am anderen Morgen noch immer 245, 000 Haushalte in Irland ohne Strom.

Ausreißer

Es regnet. Es regnet sogar sehr. Der Wind klappert gegen die Fensterläden und ich mache mir ein Marmeladenbrot. Der Hund jaunelt, weil er kein Marmeladenbrot abbekommt und die Katze lacht über den Hund, denn wenn die Katze ein Marmeladenbrot will, dann würde sie sich eines machen, nur sie will eben keines. Sie hat ja Prinzipien. Die Uhr zeigt 9.05 Uhr und dann klopft es an der Tür. „Fräulein Read On, Fräulein Read On“, ruft der Nachbar atemlos auf dessen Weide Kälbchen Obdach gefunden hat: „Kälbchen ist ausgerissen.“ Ich verfluche den Tag an dem der Tierarzt Kälbchen anschleppte, dann springe ich in Gummistiefel, und stopfe mir die Jackentaschen voller Karotten und renne los. Der Tierarzt, ist aushäusig und ich verfluche einen Orang-Utan mit Zahnweh, der für diesen Zustand verantwortlich ist. Kälbchen hat zwar feuchte Kälbchenaugen und tut als sei es die Unschuld selbst, aber vor allem hat Kälbchen herausgefunden, wie man das Weidegatter öffnet und wenn der Tierarzt nicht so kommt, wie Kälbchen sich das vorstellt, dann macht Kälbchen sich eben selbst auf die Suche und geht spazieren. Nur spaziert eben nicht nur Kälbchen auf der Straße entlang, sondern es biegen Autos um die Ecke, Rennradfahrer heizen die Straße entlang und dann und wann tuckert ein Traktor vorbei und man kann sich alles mögliche vorstellen, nur ein zerdrücktes, zerquetschtes, überfahrenes Kälbchen, dass möchte man sich wirklich nicht vorstellen. Ich renne zur Weide herunter und schreie die anderen Kühe an: „Welche Richtung, los sagt mir  schon welche Richtung!“ Die Kühe sehen mich langsam wiederkäuend an, drei Kühe wedeln mit dem Schwanz: eine nach links, zwei nach rechts.  Dann starren sie wie ich finde impertinent und verschlagen zu mir herüber und kauen stumm weiter. „Sehr hilfreich, vielen Dank auch“, murre ich und renne den vermatschten Weg hinter der Weide entlang, ich rufe: „Käääääääälbchen“ und „Kälbchen, komm zu Read On“. Zwei Spaziergänger starren mich an als sei ich einer Anstalt entlaufen, aber es hilft ja nichts. Ich renne und rufe und renne und rufe und renne, immer weiter in Richtung Wasser, denn Kälbchen weiß nicht nur, wie man das Gatter aufbekommt, sondern auch, dass von dort ein Weg Richtung Oberland, sprich zum Tierarzt führt. Und tatsächlich Kälbchen steht vor einer Pfütze und schlürft Wasser und patscht mit den Hufen im Schlamm. Ich atme durch. Ich habe Seitenstechen und meine Stiefel sind schlammbedeckt. Es regnet ja auch schon seit gestern Abend. „Kälbchen“, rufe ich! Kälbchen dreht mir sein Hinterteil zu. „Hör mal Kälbchen“ rufe ich und dann sage ich jenen Satz, den ich als Kind gehasst habe: „sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede.“ ( Funktioniert aber ). Vielleicht hat aber Kälbchen auch nur die Karotten in meiner Jacke erspäht und jetzt gilt es taktisch klug vorzugehen, ich halte also eine Mohrrübe in Richtung Kälbchen und gehe rückwärts in Richtung Heimatweide davon. Für 500 Meter glaube ich zu triumphieren: Kälbchen läuft willig der Mohrrüber hinterher. Dann verfängt sich mein Gummistiefel in einer Schlingpflanze und ich knalle rückwärts in eine Pfütze: „PLATSCH“. Als Moorleiche richte ich mich wieder auf. Kälbchen grinst und knuspert eine Möhre, die mir aus der Tasche fiel. Ich mache Kalbsschnitzel aus dir, rufe ich und Kälbchen grinst, marschiert an mir vorbei, verfällt in einen leichten Trab und die Spaziergänger rufen: „Oh ein Kälbchen, wie süüüüüß.“ Dann fällt ihr Blick auf die hinter Kälbchen herhetzende Moorleiche. Ihre Blicke sprechen Bände. Ich starre finster zurück. Kälbchen blökt und die Spaziergänger rufen: „Geben Sie gut auf Kälbchen acht.“ Ich unterdrücke mühsam den Ruf nach Kalbsgulasch und renne weiter. Vor der Weide lässt Kälbchen sich eine weitere Mohrrübe reichen und dann schnappt es mit dem Maul nach dem Torriegel und stolziert zurück zu den anderen Kühen. Ich zisches Böses und der Nachbar sichert das Tor mit einem Fahrradschloss. Dann wanke ich zurück nach Hause. Dort ist inzwischen auch der Tierarzt eingetroffen.

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Von wegen Idylle

„Mädchen, sagt er, warum bist du so schlammbedeckt?

„Tierarzt, warum hast Du Kälbchen nicht besser erzogen?“, knurre ich.

„Mädchen, Kälbchen so jung verwaist, so anhänglich, so zart, und so klug, braucht eben besonders viel Liebe und Nachsicht. Der Tierarzt hat feuchte Augen.

„Tierarzt rufe ich und ziehe vergeblich an einem verschlammten Stiefel: Kälbchen braucht klare Regeln, eine strenge Hand, Konsequenz, klassische Musik zur Beruhigung, eine Aufgabe und KONSEQUENZ, KONSEQUENZ UND NOCHMAL KONSEQUENZ.“ Dann endlich ist der Stiefel vom Fuß.

Der Tierarzt lacht schallend: KONSEQUENZ, KONSEQUENZ, KONSEQUENZ und das ausgerechnet von Dir Mädchen?“ Weißt Du noch als Du Moos gesammelt hast, damit die Igel im Garten wohler ruhen und dass Su deine alte Freundin Wildtaube mit Rosinen aus dem Bioladen fütterst? Der Tierarzt quietscht vor Lachen und japst nach Luft.

„Ungeschwefelte Rosinen“, sind halt besser und gesünder“, schnarre ich und reiße am anderen Stiefel und außerdem hat mich die alte Freundin Wildatube noch niemals in Schlammbäder verwickelt.

Der Tierarzt lachtkreischt wie eine Hyäne: U-N-G-E-S-C-H-W-E-F-E-L-T-E Rosinen. Ich schleudere den zweiten Stiefel in den Flur und mache ein vertrotztes Gesicht:

„Sehr witzig, Tierarzt.“  Du bist so witzig“. Der Tierarzt schnappt nach Luft. Ich werfe die verschlammten Hosen, das nasse T-Schirt und die eingesaute Jacke in die Waschmaschine, der Tierarzt kichert wie wildgeworden, hinter ihm hopst die Katze auf den Küchentisch und beißt herzhaft in das Marmeladenbrot. Der Hund jaunelt, ich stapfe die Treppe hinauf und schließe vor dem Badezimmerspiegel die Augen. In meinen Haaren kleben Schlammbrocken, ich drehe das Wasser auf und eine braune Brühe läuft an meinen Beinen herunter. Selbst durch das rauschende Wasser hindurch kann ich das wiehernde Gelächter des Tierarztes hören: Konsequenz, kichert er, Konsequenz. Kalbskotelett murmele ich, ganz bestimmt, schon bald, wenn ich wieder trocken bin.

Woanders ist es auch schön

 

Der Tierarzt und ich gondeln heute mit dem Oldsmobile zurück nach Berlin. Wenn Sie aber noch in einem rot-weiß gestreiften Liegestuhl in die Sonne blinzeln und alle Bücher schon ausgelesen sind, ist vielleicht Phileas Empfehlung etwas für Sie? 

Ein lesenswertes Gespräch mit Emilia Smichowski über das Selbst, die Anderen und Integration als etwas sehr Privates.

Der Titel ist mindestens so großartig wie der Text und überhaupt das ganze Blog ist eine Schatzkiste. 1. FC Huhn.

Frau Brüllen ist einer jener Menschen mit denen sich auch die Apokalypse noch als ein heiterer Spaziergang gestalten ließe. Große Liebe auch für den Bettenwechsel.

Julia rettet die Bienen. Gar nicht so einfach.

Die Nachrichten sind voll davon, dass China erfolgreich Apple und Co. dazu gebracht hat VPN Player aus ihren Angeboten zu nehmen, weniger hört man darüber, dass in Vietnam kritische Bloggerinnen zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. 

Wasser auf meine Mühlen.

Musik gibt es auch im Oldsmobile und so fahren wir singend auf das Festland zurück.