Prozession zu nächtlicher Stunde

Geträumt:

Dicht ist der Wald und dunkel wie die Nacht an ihrem tiefsten Punkt. Barfuss bin ich, aber kalt ist mir nicht. Zu dunkel ist es aber um zu erkennen, ob meine Füße auf Moos treten oder sich tief in die feuchte Erde graben. Es riecht nach Regen und sind es nicht auch dicke Tropfen, die von meinen Wimpern bis auf die Lippen tropfen? Erst sehe ich die Schildkröten nicht, die sich langsam aus dem Dunkel herausbewegen. Erste sehe ich eine und dann sehe ich viele. Zweihundert oder vielleicht auch dreihundert Schildkröten treten aus dem Dickicht hervor. Von Ferne gleichen sie einer religiösen Prozession, ein gewaltiger Leichenzug für einen lange schon verstorbenen Kaiser oder eine Prinzessin aus fernen Landen. In je einer Klaue tragen die Schildkröten eine lange, weiße Kerze, das flackernde Licht erhellt für Sekunden bloß, die Gesichter der Schildkröten, sie alle sehen einander sehr ähnlich, aber das sie alle gleich aussähen kann ich nicht sagen. Ernste und sehr alte Schildkrötengesichter sehen mich an. Ich stehe schweigend noch immer im tiefen Dunkel verborgen und sehe die Schildkröten an. Dann erst fällt mein Blick auf ihre Panzer. Die im Kerzenlicht flackernden Panzer der Schildkröten sind nämlich nicht grau oder grünlich gemustert sondern aus feinem Marmor gearbeitet. Bedeckt sind die Panzer mit Schriftzeichen und Wörtern. Hindi und Farsi, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, aber auch Hieroglyphen und lange Zahlenreihen kann ich erkennen. Dann bleiben die Schildkröten vor mir stehen. Die offenbar Älteste unter ihnen tritt vor und sieht mich an. „Lies“ befiehlt sie und sieht mich aus kleinen, schwarz und böse funkelnden Augen an. Dann heißt sie eine Schildkröte nach der anderen vortreten. „Lies“ sagt sie noch einmal. Ich lese. Ich mühe mich redlich mit Hindi, Farsi und all den anderen golden, glänzenden Schriften und Zeichen auf den Panzern der sich langsam nach vorn schiebenden Echsen. Aber so sehr ich mich auch mühe, die alte und erste der Schildkröten ist nicht zufrieden. „Zu langsam“ zischt sie, oder „falsch“ oder „ungenügend“ und „Gestümper“, „erbarmungswürdig“ gar als ich schließlich an den Hieroglyphen scheitere. Die anderen Schildkröten kichern leise und schwenken ihre Hälse langsam vor und zurück, das macht das Lesen aber nicht gerade einfacher. Dann aber fängt es heftiger an zu regnen und die alte Schildkröte ruft: „zurück in den Wald, na los macht schon der Regen verdirbt die Schrift und dann krächzen die Schildkröten in gemeinsamen, schauerlichen Chor: „bewahrt das Geheimnis, das Geheimnis seid“ ihr und ziehen zurück in den dunklen, schwarzen und unendlich dichten Wald. Ich will ihnen hinterher, aber als auch ich loslaufen will, wache ich auf.

Auf meinen Schultern sitzt die Katze und fährt mir mit ihrer Zunge über das Gesicht. Zehn Minuten später reiche ich der Katze ein Schälchen voll Milch und starre durch den Regen hinaus in die dunkle Nacht. Aber so sehr ich mich auch bemühe, nirgendwo kann ich auch nur den Umriss einer Schildkröte erahnen.

As an exception in German: Unsichtbar

So viele Jahre ziehen sie schon durch meine Träume. Immer sind es dieselben Frauen oder jedenfalls ist es das was ich glaube. Ein langer Zug von Frauen. Alle in Schwarz. Hochgeschlossen ihre Kleider und ihre Gesichter nur Schatten, verborgen hinter geklöppelten Spitzen. Von fern könnte man meinen es sei eine schwarze Wolke die stetig näherrücke. Kommt man aber näher, so hört man die Frauen. Schreien und Weinen, Klagen und Schreien. Sie schlagen sich hart und unnachgiebig gegen die Brust und in einem seltsamen Rhytmus, den ich noch nie zu entziffern vermochte, schlagen sie sich die Fingernägel tief in die Gesichter, die dennoch schemenhaft- schwach hinter den schwarzen Schleiern verborgen bleiben. Verborgen auch vor mir. Aber mich sehe ich nie. Vielleicht gehe ich ja auch in ihrer Mitte, schreiend, klagend und weinend. Aber ich sehe mich nicht. Wann sieht man sich eigentlich? Hier jedenfalls in der Menge der schwarzen Frauen, der klagenden, schreienden, schmerzerrissenen Frauen sehe ich micht nicht. Etwas Warmes läuft an meinem Arm herunter. Blut denke ich zuerst, aber dann sehe ich es ist Gold, flüssiges Gold, das sich wie ein langer, ein seidiger Schal um mich legt, bald aber läuft es weiter und weiter, uneinholbar schnell bis es auch die anderen Frauen erreicht und ihre langen schwarzen Kleider nicht schmückt , sondern befleckt. Kalt wird es dann und die Stimmen der Frauen versiegen, kalt sehen sie mich an, obwohl ich mich doch nicht sehen kann, aber die anderen Frauen sehen: Gefahr. Leicht metallisch schmeckt die Luft und schwer wiegt das Gold auf meinen Armen, welches ich weder aufhalten noch anhalten kann und auf einmal riecht es nach rostigem Blut und Metall. Dann wache ich auf und lange muss ich die Stirn an die kühle Fensterscheibe drücken, bevor ich mich erinnere, dass dies doch nur ein kleines irisches Dorf ist, in dem niemand schreit oder klagt außer den Möwen und ich mich doch sehen kann, wenn auch nur als blassen Schatten hinter dem kühlen Glas.

Quicksand

I dreamt of sand last night. First I was standing on the top of a dune, sand everywhere around me and sand I breathed and sand I ate, someone passed a glass over to me, it was filled with fine, nearly white sand, I drank it hastily and accepted firmly the sand offered to me on a plate and searched long for fork and knife in my bag. The sand soon began to rise, to twist and to twirl, around I lost sight of my glass and my plate, the sand became more and more grained, harder and of a darker color, it cut my fingers as sharp paper does sometimes and I looked for a handkerchief to stop the bleeding,but there was no handkerchief in my pocket just more and more sand followed, not being directed by a clear source but growing and growing, transforming the world into a land of sand, a sea of yellow-brown colors, of heat and dust, rinsing like water but more heavily, massively, overwhelming everything, till the world lost its shapes and soon I released that I would be buried soon enough under this sand rushing towards me neither fast nor slow but with intense certainty, assuring me that there exits no ground beneath quicksand.