In den Händen nicht nur Musik

Damals als ich mit meiner Großmutter zusammen lebte, da gehörten die Freitagabende der Musik. Am Freitagabend fuhren wir in die Philharmonie. Ich mit schlechtem Gewissen, weil doch der Shabbat begann, meine Großmutter mit spöttischem Lächeln: „Du musst immer daran denken, dass G*tt jetzt gerade sowohl Glenn Gould als auch Arthur Rubinstein zu sich zitieren kann.“ Ich liebte sie mehr und ich liebte die Musik und lief ihr hinterher. Dann kamen andere Jahre und meine Freitagabende gehörten anderen Verpflichtungen als zwei Stunden im Konzerthaus zu sitzen und noch immer sind die Verpflichtungen oft an Freitagabende gebunden, aber immer wieder habe ich doch einen Freitagabend vor mir liegen, der mir ganz allein gehört, denn seit meine Großmutter nicht mehr lebt, gehe ich am Liebsten allein ins Konzert und so lief ich auch gestern Abend durch den Regen in die National Concert Hall. Immer laufe ich ein bisschen freier, immer liegt auf dem Weg noch ihre Hand in meiner und vielleicht hört sie mich doch, summe ich die ersten Takte vor mich. Ich vergesse fast alles, nur die Musik, die ist immer bei mir geblieben und wenig Dinge vermisse ich so schmerzhaft in Irland wie mein Klavier.

1874, das Jahr ging schon zu Ende, da schrieb Tchaikovsky sein Klavier Konzert No.1 in B-moll und neigte es seinem Freund und Mentor Nikolai Rubinstein zu. Der fand es schrecklich, schüttelte sich und schüttelte wohl darauf hin auch seinen Freund Tchaikovsky. Rubinstein schrie Tchaikovsky nieder vulgär, stümperhaft, tapsig und eine Qual für die Ohren. Tchaikovsky allein ging zu der Weihnachtsfeier, die er mit Rubinstein gemeinsam besuchen wollte. Rubinstein schäumte allein weiter und Tchaikovsky stellte sich stur und seiner fernen Liebe Nadzheda von Meck schrieb er, dass er keine Note ändern würde, soll der Rubinstein doch nur schreien. Er, Tchaikovsky sei doch kein prinzipienloser Lump. Aber vielleicht ahnte Rubinstein doch, dass dieses Konzert oft, viel zu oft und viel zu oft sehr schlecht gespielt werden würde, als das es sich verwerfen ließe und niemand anders als er selbst würde es wieder und wieder spielen. Es war ein Konzert, dass um die ganze Welt lief, ein Konzert, das selbst diejenigen kennen, die maulen: klassische Musik ist ja voll blöd, ey, ich hör nur Kollegah oder so. Sie wissen es nur nicht und sie wissen auch nicht, dass selbst Kollegah oder so bei diesem Stück weinen wie die jungen Welpen. Es ist ein Konzert, das alles falsch macht, Motive verschwinden, Akkorde wiedersprechen sich, Tchaikovsky fügt ein Lied ein, was seine französische Geliebte trällerte, und das war was von ihr blieb, es ist ein Konzert, das sich nicht schert um Konventionen und Komponistenwürde und man verliebt sich sofort und unwiederbringlich. Und alle, alle Pianisten haben es gespielt. Gestern Abend setzt sich Boris Giltburg ans Klavier. Aber das ist schon falsch, denn das Klavier ist an diesem Abend kein Steinway Flügel, kein Instrument mit schwarzen und weißen Tasten und Pedalen, sondern es lebt wirklich, lebt für die ganze halbe Stunde des Klavierkonzerts von Tchaikovsky. Längst sind ja auch schon Konzerte professionalisiert und oftmals nur dazu da, dass technische Performance zur Schau zu stellen, um nicht zu sagen Fingerfertigkeit, aber an diesem Abend ist alles anders, denn da versinkt jemand im Klavier und nimmt uns mit, so tief hinein in die Musik, wie man sie nur selten findet. Da am Flügel sitzt ein Pianist, der sich nicht scheut uns mit hinein zuziehen, in dieses Stück, der Pianist dort am Flügel, der spielt kein Konzert, der macht Musik, der spricht mit Tchaikovsky, der lächelt mit der Geliebten, die jener im Konzert versteckte, der lächelt leise über das Unaufgelöste und zeigt uns warum im Widerspruch allein das Ganze liegt, und es ist als stünde Tchaikovsky in der Tür, rauchte eine Zigarette und nickte: so, Rubinstein, so kann es klingen, wenn man nur will. Es ist ein Pianist, dort am Klavier, der einer Katze gleich, die Töne hält, sie laufen lässt, der mit der Musik so vorsichtig, so acht, so einverstanden umgeht, der dem Flügel Aufmunterung zuflüstert, denn leicht, nein leicht ist es nicht, nein das ist kein Konzert zum Ausruhen, das ist ein wildes und freies Stück, ungezähmt und schnellen Fußes drängt es vorwärts und der Mann am Klavier, der Mann, der fast im Flügel verschwindet, der uns in der Annahme lässt, die Tasten bedürften der menschlichen Hand im Grunde gar nicht, und trügen die Musik alleine fort, aber es sind seine Hände und seine Hände sind Musik.

Man kann vieles beim Klavier spielen lernen, ein Irrtum ist man lernte Noten und spielte dann eben Musik, aber hier am Abend im Konzert, da kann man lernen, da sehen wir, in den Händen des Pianisten am Klavier was Annäherung, was Zuwendung, was Hingabe, was Verführung, was Zuhören, was Achtgeben, was Loslassen ist, und wie zerbrechlich wie schön Nähe ist, die immer auch in der Zurücknahme des Eigenen liegt, denn dieser Mann dort am Flügel, der malträtiert das Klavier nicht, der fährt dem Orchester nicht über dem Rücken, er bliebt in der Musik und sucht nach der richtigen Sprache und es ist die Sprache einer großen Liebe. Wir hören Musik und wir sehen, wer wir sein könnten, legten wir so viel Überlegung in unsere Hände wir der Mann am Flügel es tut.

Sehr selten wünschte ich mir, ich hätte unendlich viel Geld, aber gestern wünschte ich es mir wirklich sehr, denn dann würde ich Flugzeuge mieten, die jungen Männer aus der Aufklärungssprechstunde, die nicht wissen wie und all die Männer ob sie nun Weinstein heißen oder nicht, oder ganz anders, die im Vorbeigehen in Blumentöpfe ejakulieren und zudrücken, unter dem Tischtuch und anderswo und die überhaupt ihre Hände nur demonstrativ gebrauchen, hier kann man sehen, man braucht gar keine großen Worte machen, wie es sein kann, legt man nur Achtung in seine Hände, wie man sich rückversichert mit einem Partner, der so wird irrtümlich angenommen doch nur aus Holz und schwarzen und weißen Tasten besteht, hier bei Boris Giltburg kann mit den Händen zuhören lernen, hier mag man sich fragen ob es nicht gelte unseren Händen zu mehr Achtung zu verhelfen. Dann muss man die Augen schließen für einen Moment, denn dieser Mann am Klavier spielt überwältigend und es ist eine Überwältigung, in der die Freiheit liegt, nicht die Angst vor dem Ersticken. In nur sehr wenigen Konzerten habe ich den Dirigenten mit geschlossenen Augen neben dem Pult stehen sehen. Dieses Konzert gehörte dazu. Es wurde an diesem Abend auch noch Bach und Brahms gespielt, aber an diesem Abend hat Boris Giltburg, Tchaikovskys Klavier Konzert Nummer 1, in B-Moll gespielt und uns mehr als Musik in die Hände gelegt.

Ich weiß es sind Dreißig Minuten und niemand hat heute mehr Zeit, aber es sind auch dreißig Minuten, die man nicht vergisst. Das Klavierkonzert beginnt ab Minute 18:40.

Hören und Sehen.

Am Abend ins Konzert. Der Tierarzt geht mit einer Freundin ins Kino und ich laufe durch den eisigen Wind, fast einmal um St. Stephen’s Green herum zum Konzerthaus. Vorbei an stattlichen Häusern, Backstein von außen, doch von innen noch immer imperiale Pracht. Der Union Jack natürlich längst ausgetauscht gegen die irische Fahne, doch die schweren Lüster und goldenen Rahmen sind noch immer sichtbares Zeichen viktorianischer Jahre. Die Speisekarten, ich bin mir sicher, sind noch immer näher am Jahr 1850 als am Jahr 2017 gelegen. Wachteleier vielleicht oder ein ganzer Kapaun oder Rehrücken mit gedünsteten Pflaumen. Die Damen im Abendkleid und die Männer im Frack, selbst im Vorübergehen, Gelächter, Zigarrenrauch und das Klirren feiner, alter Gläser. Immer auf dem Weg ins Konzert erinnere ich mich, was ich sonst und vor allem auf dem Dorf vergesse: Dublin ist vielerorts eine reiche Stadt, wohlhabend und schwer in den Hüften, etwas matronenhaft zwar aber immerhin mit Austernbesteck aus elegant graviertem Silber. Dann aber biege ich um die Ecke und bin im Konzerthaus angelangt. Später hätte ich nicht kommen dürfen, schon gongt es und als ich auf meinen Platz eile, kommen schon die Geigen auf die Bühne, rascheln mit Notenpapier, der Cellist lacht munter und bevor der Dirigent die Bühne betritt, senkt sich diese einzigartige Konzerthausstille über den Saal. Immer bedauere ich, in diesem Moment keine Nadel zu haben, die bestimmt noch in der letzten Reihe zu hören wäre. Der Abend aber beginnt mit Gerald Barrys Vertonung eines Dostoyevsky Romans:„Humiliated and Insulted“ ( Das Stück beginnt ab Minute 7:10 und ich lege Ihnen die folgenden 18 Minuten, sehr ans Herz. )

Scharf und schnell fährt einem das Stück unter die Rippen und während der Chor in sich wiederholenden Schleifen, echogleich „Humiliating and Insulted“ wiederholt, denke ich an das Obdachlosenpaar zurück, an dem ich vorbeilief auf dem Weg zum Konzert. Sie hatten vom Blumenhändler riesige und längliche Pappkartons erhalten, die wohl ursprünglich zum Transport von Amaryllis gedacht nun zu ihren Betten wurden. Gerade als ich vorbei kam, rollten sie sich in den Kartons zusammen. Ein Pappsarg, aber keine Mumien mit Öl gesalbt, sondern lebendige Menschen mitten auf der belebten Straße. Dieses Stück aber von Gerald Barry aber ist nicht für den Konzertsaal gemacht, sondern ein Stück für die Straße. Einen Musikkantenzug wie anno dazumals, als man sich das Cello um den Bauch schlang und durch die Straßen zog, dafür ist dieses Stück wie gemacht. Ein langer, musikalischer Trauerzug, begleitet von einem Chor, der zum Dáil zieht, singend und klagend: „Humilitated and Insulted“ nicht nachlassend, in endlos anschwellenden Gesängen bis nicht einmal die hartnäckigsten Daíl Abgeordneten sich dem Gesang verweigern könnten und endlich einmal dem gewahr werden müssten, dass Menschen die in Pappkartonsärgen im Februarwind liegen erniedrigt und verletzt werden.

Ausatmen und aufatmen nach diesem Stück, aber nur kurz, denn es folgen schon Mahlers Rückert Lieder. Ausgerechnet als das Kunstlied schon längst milde geworden und nach höherer Töchter klang und gelangweilten Herren, die genug hatten vom ewigen Lindenbaum, da kommt Gustav Mahler und nimmt diese entrückten Rückert-Texte in die Hand, gerade als das 20. Jahrhundert begann als doch Schönberg schon Zemlinksy entdeckte und wohl schon von den Gurre-Liedern träumte, da kommt Gustav Mahler und vertont diese Lieder und an einem frostigen Februarabend, zieht er einen unter die Linde. Ausgerechnet zurück unter die Linde und ich sitze dort und schon singt Dietrich Henschel, singt so unaushaltbar schmerzhaft schön und man muss den Blick abwenden und obwohl man alles, alles hören will und hören muss, will man sich die Ohren zu halten, denn diese Lieder, diese Musik, diese fünf Lieder brechen einen sofort und vollständig entzwei. Eine Hand voll Glasscherben hält man in der Hand. Fünf Lieder bloß.

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Konzertpausentraditionspflege

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es folgen Strauss‘Metamorphosen, die ich fast nie höre, weinerlich und selbstgefällig sind sie mir und donnernd Bruckners Te Deum , ein Stück für Menschen, die gern kalt duschen und unter dem harten Wasserstrahl noch vergnügt pfeifen.

Das ganze und sehr lohnende Konzert zum Nachhören gibt es hier.

Dann anders als in Berlin, nicht Gerangel nach Mänteln und Taschen sondern gepflegtes Schlange stehen. Vor dem Konzerthaus sitzen drei obdachlose Frauen, und ich sehe wieder das Orchester als singenden Trauerzug vor mir. Aus Hilflosigkeit dreimal Münzen in drei Becher. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Tierarzt mit Auto. Der Tierarzt zeigt auf das Radio, das Konzert wurde übertragen und nickt, Bruckner sagt er und lächelt, ich habe ganz genau hingehört, aber dein Atem war nicht zu hören. Nächstes Mal verspreche ich, huste ich ganz leise und nur für deine Ohren. Der Tierarzt nickt und wir fahren in Schlangenlinien durch die Stadt, lauter betrunkene Mädchen und Buben taumeln vor uns über die Straßen. Auf der Autobahn endlich erzählt mir der Tierarzt vom Film. Eine Frau erschießt sich vor laufender Kamera, sagt er, aber eigentlich erzählt er vom Unbehagen des Voyeurs auch im Film. Die Dorfstraße still und wir gehen fast auf Zehenspitzen. Ich lege die Platte mit den Rückert-Liedern für den Tierarzt auf, da ist es schon weit nach Mitternacht. Der Tierarzt küsst die Glasscherben von meinen Händen.

Am nächsten Morgen durch das nebelgrau hinunter ans Meer zum Schwimmen. Der Tierarzt hält Handtuch und Bademantel und ich laufe in die grauen Wellen, und schon verschluckt das kalte Meer auch mich, legt sich als ein schwerer Mantel aus Blei um meine Schultern. Mit klappernden Zähnen und brennenden Beinen aus dem Wasser und in das Handtuch gewickelt, und dann in den Bademantel und die Wollsocken, immerhin ist die Kälte eine gute Ausrede dem Tierarzt so nah es nur geht unter die Haut und in die Rippen zu kriechen. Da muss man nicht lange suchen, selbst unter dem dicken Wollpullover nicht. Zurück ins Dorf. Auf den Fensterbänken liegen die alten Frauen auf einem dicken Federkissen und wissen auch nicht mehr so Recht weiter mit jemanden mit mir, der im Februar ins Wasser geht und die Hand in der Hosentasche des Tierarztes vergraben hält. Das Dorf ist wachsam und wenn es auch nur wenig mehr als eine Handvoll Einwohner hat, so hat es tausend Augen und viele, gut gefüllte Federkissen. Die Frau des Krämers schimpft: „Sie werden sich den Tod holen Fräulein Read On.“ Ich schüttle den Kopf: „Nein, Frau des Krämers, der Tod findet einen ohne Hilfe.“ Die Frau des Krämers ermahnt den Tierarzt mich doch zu Vernunft zu bringen. Wir gehen zurück ins Oberland und nicken den vielen Augen auf den Fensterbrettern zu. „Als ich ein Kind war, glaubte ich das Mittelalterbilderbuch müsste sich irren, eine Brustwehr, da war ich ganz sicher, war keine Festungsanlage, sondern die Donnerbusen auf den Fensterbrettern, hinter den Geranien, unbeweglich wie Beton und unerbittlich auf der Lauer, im perfekten 90 Grad Winkel in die Fensterbretter eingepasst. Der Tierarzt geht vor Lachen in die Knie. Das ganze Dorf lauscht und wir verstecken uns hinter der Tür.
Erst nach einer ganzen Weile Porridge mit sehr viel Himbeermarmelade, Zeitung und Licht, obwohl kaum da, schiebt sich für einen Moment nur durch Fenster und Tür, trifft nicht das Auge, hält kaum für einen Wimpernschlag, sondern sinkt schon wieder zurück in ein milchiges und müdes Grau.

As an exception in German- Martha

Vierzehn Jahre alt war ich und es ist als sei es gestern gewesen. Es waren die billigsten Karten. Stehplätze. Ich stand mit dem Rücken zur Wand und eigentlich sah ich sie nicht. Das Erste was ich von ihr sah war ihre Hand, die über ihren Kopf hinaus zeigte bevor sie vorsichtig und fest zugleich zurück auf den Flügel fand. Beethoven’s Drittes Klavierkonzert. Sofort gehört, vor ihr und selbst so stümperhaft gespielt. Dann kam ihre Hand und alles wurde anders. Mit dem Rücken an die Wand gelehnt stand ich damals, und ich weiß es noch als sei es gestern gewesen, höre noch immer die Harmlosigkeit des Orchesters, der alte, wohlbekannte Klang, Beethoven, meine erste musikalische Heimat. Nicht Bach, nein Beethoven war es, der für mich Musik wurde. Dann ihre Hand und schon nach den ersten verhaltenen Minuten des Stücks, war alles ganz anders, im Lauf ihrer Hand.  Bald schon musste ich die Augen schließen, und presste den Rücken fest an die Wand. anders war dieser Klang, waren diese Hände auf dem Klavier nicht auszuhalten. Die Schärfe die in der Luft lag, die nichts Harmloses hatte, sondern eine glänzende Kühle, wie die Spitze eines scharfen Messers, in uns fuhr. Uns hinein in die Knochen und weit, weit hinein unter die Haut, bis sie sich auflöste in alle Töne, bis über den Klang hinaus. Das dachte ich damals und denke es heute wieder, wo ich nicht an der Wand stehe, sondern sitze, das ist doch keine Musik, das ist doch kein Klavierkonzert, das sind doch keine Töne, das ist doch kein in Musik verwandeltes Notenpapier, dieses unter-die Haut-fahren und aus dem Sog gibt es kein Herausfinden mehr . Schumann spielen ihre Hände und wieder, werden mir die Knie so weich und ich muss die Augen schließen, vor diesen Händen auf diesem Klavier. Das ist doch keine Musik dachte ich damals und wieder müssen sich meine Hände an den Knien festhalten, so bricht erst ,mit Schumann und dann mit Debussy der Boden unter dieser Musik, unter diesen Händen hinweg. Schumann, der doch der ewige Träumer war, ist hier geradeheraus, und keineswegs harmlos, kein Filou, im Vorübergehen, sondern ein Geliebter der alles, alles will und es in ihren Händen findet.Und auch Debussy, ist kein leichter Faun, sondern unter ihren Händen erzittert seine Welt, und wieder muss man die Augen schließen vor dieser Intensität. Dass das Musik darf, dass das Musik sein soll, dass das Musik ist, konnte ich damals gegen die Wand gelehnt nicht fassen und bis heute ist diese Erschütterung, die in ihren Händen liegt in mir geblieben. Keiner, der vielen Pianisten, die ich hörte zwischen der Wand und dem gestrigen Abend, mögen sie so brilliant wie technisch versiert sein, haben mich so ergriffen, so erschüttert, so erregt wie sie und ihre Hände. Seit damals, immer wieder und es ist die Schonungslosigkeit ihrer Hände, der ich seit jenem ersten Mal nicht mehr entkommen bin. Das muss Musik sein, dachte ich damals und zum Glück lehnte ich gegen die Wand, bevor ihre Hand erneut die Töne anschlug.

Martha Argerich, 26. März 2016, Berliner Philharmonie

 

 

 

 

Whoever has ears, let them hear.

The sheep are gathering in the middle of street. In the village of mine there live many more sheep than men. The sheep here look proud and are very self-conscious. We are more humble and I am sure the sheep do not think much of us. When the sheep gather on the street, we wait patiently. Once, shortly after I moved here, a driver ( not from our village of course ) horned and the sheep did not move for hours, grinning at him bluntly. But sometimes when the sheep are in a good mood they form a circle and give a concert. A concert?, you might say and shake your head. But you hear quite right. It is not a too well known fact, but the sheep here form a formidable choir. Their conductor, the only black sheep in the flock supervises closely the set up of the stage. I know it has been known for a long time that a black sheep is the unwanted and not much liked cousin of the flock, but this could not be any more wrong. The black sheep, without exception splendid looking in their black suits form for centuries the conductors of the world-famous sheep orchestra you find from Ireland to Australia. Their dignified air and knowledge about the great pieces of sheep music make them experts of their very own kind. When the sheep all took in their position, the conductor sheep flicks twice with his left ear and unisono the concert is opened with the well- known hymn „Oh, praise all the fresh herbs“ A marvelous piece, a waving chorus of strong sheep throats. The hymn having ten verses praises the lush valleys, the fat green meadows, the wisdom of the ancestor sheep and the mother country of all sheep: Ireland. Then  the solist, the famous Susanna Sheep-anova, who performed on meadows all over the world and was trained by the Russian soprano Ljudmila Sheep-akovic ( you are quite right to assume, that she is a far away cousin of the well-known composer Schostakovic.) Susanna now steps forward, the conductor again flicks his ear back and forward and then she masterfully performs the aria “ The wolf took our youngest“ in c-minor. Truly a tear-moving piece that narrates in a most emotional way the century long struggle between the sheep and their attacker. Breathless we stand behind our open windows, clapping and trying to dry our misty eyes. Susanna Sheep-anova elegantly catches a bouquet of fresh clover thrown at her by own of her staunchest admirers. Even Queen Cat not too fond of sheep or music swings her tail in admiration. Now the not any less famous tenor Don Sheep-onso steps forward. Of Romanian origin, he has sung on the most important open air sheep music festivals between Bucharest and even performed a the Festival for Ancient Sheep Tunes in Bologna. His steps towards the middle of the street are powerful and elegant, the conductor has not even time enough to instruct the seagulls, playing the violins or to do his notorious ear-flick, when the strong, clear and crisp voice of the Don sets in with a masterful performance of “ Your sheepish eyes make me just wonder“, a dream-like floating piece, not unlike  Schubert’s song cycle, telling of a lost love and hope to see a certain pair of eyes again. The Don, who will give as well a duet with Susanna Sheep-anova later  of Traviata, bursts of energy and strength. It is not well-known, even in otherwise well- educated circles that La Traviata in its original version tells the story of a young sheep that lost its way. Today we are reminded of this much more powerful version and wish we could stop the time to let this concert last forever. But for a last time the conductor flicks his ear back and forward and the concert ends with  „May all the sheep live long and prosper, after a theme of Johann Sebastian Bach. We bent forward, clapping and cajoling, the sheep look quite contempt, the conductor a bit sweaty, the Sheep-anova and the Don take the lead and slowly as it is their nature the sheep leave the street to graze on the meadow quite opposite of the village pond.

Tempting

Oh don’t run so fast, says the moon and bends his head to get closer to me. Oh, come, come on says the lilac that grows white and velvet among the hedges and wants to draw me into his arms. From an wide open window an old Fado melody is to be heard. Dance, oh, dance sings a voice in my ear, come on take my hand and let’s disappear just the two of us and the voice of Joana Amendoeira will carry us away. Ours is the night and the summer leans just at the steps of the bookshop around the corner and silently smiles. A bicycle slowly passes by, but too fast he is anyway that I could ask him for a dance. The darkness takes my hand, seducingly soft and with the scent of the very first hay and throws blossoms in my hair. A golden summer the darkness promises, gentle hands and a firework here and then. And for moment I stop to look for the keys and take a deep breath before I walk upstairs into a flat that is rather cool and silent with its old wooden floors and the clock ticking a bit too slow for so many years.

The beautiful Magelone

When we were young, you and I, we spent whole afternoons on the ground of your massive, always a bit dark living room. Your chairs and tables were made of heavy wood. Oak I guess, but I might be wrong because some of the pieces were nearly black. In the left hand corner stood a massive and obviously very old palm tree, whose leaves shivered in the light breeze that came through the high windows. One was never sure if the windows were open or closed. Heavy curtains, made from red velvet hung in front of them. My grandfather brought them, you told me and shrug your shoulders as if you wanted to excuse the rather unusual sense of taste, but I loved the place, loved the slight dust everywhere, loved your scent that was inseparable from the room, loved the cushions with their Persian patterns, all of them faded but still a reminder of once more colorful days.Hour after hour we spent on the floor listening to music of the old record player, whose needle scratched noisily along and from time to time needed readjustment. And it was on the very same ground, next to your shoulders when we listened for the very first time to Johannes Brahms song cycle „The Beautiful Magelone.“ And I told you the old, the very old story that took place in the fifthteenth century, where the beautiful neapolitan princess Magelone fell in love with the duke Peter. But Magelone was meant to become someone’s else wife. They ran off together, but ran into a world were Peter was captured by Ottoman soldiers and their ways disrupted. Two centuries later it was Ludwig Tieck, who brought back the story into light till Johannes Brahms transformed it into music. The music follows a story, where feelings constantly change and Brahms constantly changes the nature of the songs, one finds everything in his music, from a lullaby to rhapsody. But again and again you asked for one song out of the twelve,“Geliebter wo zaudert“ where Peter lies on a boat, torn between his feelings for Magelone and the beautiful daughter of the sultan Sulima, who wants to fill the gap opened through their separation. In the end the daughter of the Sultan does not succeed, Peter and Magelone find their way back to each other and year after year they come back to the place where their love once begun to sing the very same song. And we on the floor listened again and again, you bent forward and kissed me with your featherlight and always a bit dry lips and never minded that I did not kiss you back. But one day, when I went up the stairs in the late light of the afternoon, under my arm a record my grandmother just had sent me, you did not open the door when I knocked. Not on this day, nor on any of the following days. One day, many months later, a new name appeared on the door. For many years I did not listen to Brahms anymore and nearly forgot the story of the „Beautiful Magelone“ and even today when sometimes in the radio they play a song or two of the cycle I do not listen too carefully. But I wonder if somewhere, you still lie on a floor, next to you a pile of nearly faded cushions, the old palm-tree just around the corner and if you tell someone again and again the old, the very old story of Peter and the beautiful Magelone, as once I did so many times.

Music in the air

The sheep look miserable. The crows on the big chestnut tree look miserable too. Then they start to sing. I don’t know because I am not well-informed in crow circles, but the songbook for dull days published somewhere around the late 1660s seems not to do much help in cheering the crow crowds up. That’s a pity. Unfortunately crow songs have many verses and crows possess staying power when it comes to singing. They are not impressed not even by the barking dog, who now himself starts to intone a hymn for a solo dog in the style of an old madrigal, written somewhere in south-eastern Spain in the times when the great dog-massacres took place somewhere around the expulsion of the Moors. And indeed, his barking remembers all the long-lost generations of dogs, never ever to be forgotten. The crows look slightly impressed but not enough to stop their own polyphony chorus. The seagulls now incited themselves are gathering on the two neighbored rooftops, discussing their contribution. And the the party of the Irish dance fraction wins, they start with a long and quite rhythmic piece inspired by Astor Piazolla, who is quite popular among seagulls. Don’t say you never heard of this! And they do with success. More and more seagulls are joining, Astor always promises great craic. In the first row, the „Society of Tap-Dancing Seagulls“ appears ( if you want to join, they meet every Wednesday at 5PM, fee: two piece of salmon ( cut ) or one tuna steak ( whole ), meeting point: Read On’s roof, and start their dance performance. Oh, how nicely and synchronously their claws bang on my rooftop, how elegant their plumage swings, and oh, how enthusiastic they become, truly set on fire by the beat of the band, dancing faster and faster. The crows look at them in pure disgust. Ridiculous you can hear, but some crows look jealous as well. Such a nice tutu you can hear them whisper, would suit us as well as them. And the seagulls know, that the crows know. The sheep think they should exercise more too, they sigh deeply, maybe a match of cricket later this week, would do good for their shape. But not hockey, no hockey, no definitely not, that’s for sure. We are modest creatures, with have a sense of pride and modesty, shouts grandmother sheep from far behind, don’t forget your modesty. Grandmother sheep tends to forget sometimes that she herself in her younger years possessed not one, not two, but three LP’s of Astor Piazolla herself. The Queen of the sheep-floor she was called, but who are we to judge her? We, live ourselves with a queen and are well aware of their habits. And so we’re not much impressed that Queen Cat just yawns, when told that she missed quite an extraordinary concert. Just for a few minutes she listens to the heartbreaking song of the old dog. Dog massacre, so, so, you can hear her thinking, while walking up and down the shelves, wasn’t there quite a good article in the recent volume of “ Cats. Rule the world without a word?“