Goldene Bananen

Liebes Internet, liebe Freunde, verehrte Feinde,

heute Abend legt Berlin sich ein goldenes Mäntelchen um und verleiht die goldenen Blogger. Ich habe noch nicht einmal auf dem Jahrmarkt eine Papierrose gewonnen und dafür habe ich schon Schlüssel verloren, von denen man gar nicht wusste, dass es sie eigentlich gibt. Ich bin und bleibe auch heute Abend das seltsame und reichlich katastrophale Fräulein Read On. Aber ich freue mich, wenn Sie mir winken und winke zurück. Die mit der Banane, die bin ich und wenn Sie die Banane nicht sehen, aber dafür ein Shetlandpony, dann bin das auch ich.

Zusehen kann man hier ab 19 Uhr kontinentaler Zeit. ( Kälbchen, Hund, Katze und Tierarzt, bitte ab 6 Uhr einfinden!)
Wer gewinnt weiß keiner, aber verlassen Sie sich drauf, verlieren kann ich wie kein Zweiter. Abstimmen kann man wohl hier wohl hier und nominiert ist das seltsame Fräulein Read On für diesen für diesen Text und für dieses Blog als solches. Sprich, Sie alle, die dieses Blog mit Leben füllen, sind heute nominiert und ich freue mich sehr, dass Sie alle hier sind.

Mehr Bananen und immer mehr Liebe und von Herzen Dank dafür, dass Sie hier sind. Sie sind aus gold und ich Immer Ihr

Fräulein Read On

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Dunkle Briefe

Dies ihr ist ein kleines und persönliches Blog. Dieses Blog will niemanden etwas verkaufen, es hat keine politische Agenda, es gehört keiner Partei an, kein Verlag schreibt diesem Blog etwas vor, keine Agentur bewirbt hier Saftkartons, Knöpfe oder Kaugummis mit Einhorngeschmack.
Dieses Blog gibt es weil ich meist ziemlich spät am Abend ein Word-Dokument auf einem alten Notebook tippe, dann gähne, mir die Zähne putze und ins Bett gehe. Ich sollte natürlich die Kommata überprüfen oder die Rechtschreibung oder endlich anfangen Absätze in die Texte einzubauen. Aber fast immer bin ich schon zu müde. Dieses Blog hat keinen Redaktionsplan. Manchmal hat dieses Blog einen gelben Klebzettel: „Kälbchen wieder sehr frech“, Schwesterchen-Maske-Hochzeit D., aber dann schreibe ich doch wieder etwas ganz anderes auf. Dieses Blog will nichts, ich sehe alle halbe Jahre in die Statistik und habe anderntags die Zahlen schon wieder vergessen. Sie, die Sie hier lesen sind eingeladen zum Lesen, zum Lachen und Weinen, Sie können sich hier ärgern oder freuen. Sie können sagen: „Oh, dieses Fräulein Read On wieder“, Sie können den Text ausdrucken und die Kommafehler korrigieren oder aus den Texten ein Papierboot falten. Wenn es ihnen hier nicht gefällt, das Internet ist ein großer Ort, sie können lange Aufsätze über die Kanari-Zucht oder Maschinenbau lesen. Ich habe nachgesehen: dieses Blog hat seit seinem Beginn genau 5,878 Kommentare erhalten ( Danke für jeden Einzelnen ), 23 Kommentare habe ich nicht freigeschaltet.

Der Grund ist einfach: es sind Morddrohungen und ein langer Brief einer Organisation, die sich Schwarze Sonne nennt. Ich schätze alle, die hier kommentieren sehr. Viele Kommentare erlauben neue Blickwinkel, machen mich lachen und über viele Kommentare denke ich lange nach. Nicht immer schaffe ich es allen zu antworten. Das ärgert mich, manchmal kommen sie miteinander ins Gespräch, das freut mich besonders. Wenn einer von Ihnen lange nicht kommentiert, dann mache ich mir- denn ich kann nicht anders- Sorgen, aber niemals käme ich auf die Idee, die Email-Adressen, die Sie hier angeben, aufzuspüren, nachzuprüfen oder das zu tun, was man auf gut Deutsch als zu nahe treten bezeichnet. Das Blog gehört seinen Lesern, es verändert sich mit ihnen wächst, verwächst, schlängelt sich in eine andere Richtung, wie auch mein Leben, denn dies ist ja noch immer ein persönlicher Blog sich verändert mit den Jahren. Es oszilliert zwischen Ländern und Menschen, packt aus, zieht um, kauft ein paar neue Schuh, die Haare werden länger oder kürzer, nur die Abneigung gegen Sellerie wird wohl immer bleiben. Ich erzähle hier persönliche Geschichten, das ist ein Risiko, denn wer Persönliches preisgibt ist angreifbar, muss sich anfragen lassen, riskiert sogar, dass der Verein der Selleriefreunde, Protestnoten schreibt, Fräulein Read On ist nicht mein Passfoto, aber im Spiegelbild würden wir uns immer erkennen, das Fräulein und ich. Nicht zuletzt, weil wir immer ein Stück Nussschokolade in der Rocktasche tragen.

Die Geschichten, die Sie hier lesen können, aber nicht lesen müssen, sind meine persönliche Sicht auf die Welt, manchmal ein Ausschnitt, manchmal ein Versuch Gedanken zu ordnen, aber das was dieses Blog wirklich ist, ist der Versuch das Gespräch mit meiner Großmutter nicht abreißen zu lassen, denn Deutsch ist meine Großmuttersprache. Vier Jahre lang habe ich so geschrieben und heute erreichte mich dieser Brief. Der Brief kommt, aber wer weiß das schon von einer Frau, die im Brustton der Überzeugung befindet, hier würde gelogen, das sich die Balken biegen und sie würde mich nun enttarnen- zu meinem eigenen Schutz wohlgemerkt, denn Indien, die Aufklärunsgsprechstunde, die jüdische Großmutter sei alles Lüge, nichts als Lüge, und sie die edle Rittern und Retterin auf hohem Schimmel, besorgt um die Wahrheit selbst. Deswegen hätte sie diesen Blog auch gleich bei den „Goldenen Bloggern“ als nicht authentisch gemeldet und wünsche mir, denn die Dame ist von großzügiger Gesinnung: „Alles Gute.“

So sitzt man dann da mit dem Schreiben der Lügnerin, die einen selber Lügnerin heißt und das ist das perfide an den Lügnern in allen Formen und Farben: ihr schleichendes Gift, ihre stolz vorgetragenen Behauptungen, ihre Schamlosigkeit über ein fremdes Leben herzufallen, sich als Retter der Wahrheit zu inszenieren, denn die Lügner wissen schon was sie tun und wissen auch: immer bliebt irgendetwas kleben. Perfide Erzählfiguren beschwört sie da herauf: den Deutschen, der vom Jude-Sein träumt, die Rassistin, die arabische Männer untenrum erzieht, die eiskalte Geschichtenklauerin, die psychisch gestörte Bloggerin, der man doch helfen müsste und sich selbst inszeniert sie als „Schlimmeres“ Verhindern, eine beliebte, eine bequeme Figur und fühlt sich sich sicher stolz und stark, hier so erfolgreich als Detektivin tätig geworden zu sein und ein kleines Blog enttarnt zu haben, um sich nun selbst wichtig zu machen und groß zu tun. Lügner aber haben ein schlechtes Gedächtnis, denn ich habe natürlich einen Kommentar von ihr veröffentlicht.

Der Lügner hat kein Gedächtnis und auch kein Gewissen, für ihn gelten keine Grenzen, er schnüffelt und stöbert, er fragt nicht, er platzt hinein, er macht auch wohlmeinend und ist doch bösartig, er ist süßlich und klebrig aber niemals offen. Der Lügner ist hochmütig, sieht sich der Kritik enthoben und klopft sich noch auf die Schultern, der Lügner zweifelt nicht, er liebt Gerüchte und hat sich eingeschlossen in einem Zimmer, in dem nur er selbst sich Antworten auf falsche Fragen gibt.

Wer sich dann fragt, warum das Internet kein Ort mehr ist, um persönliche Geschichten zu erzählen, um zu erinnern, um zwecklos ein Thema anzustoßen, um zu plaudern, um Leser auf einen Tee zu bitten, um ohne langes Zögern die eigene Adresse herauszugeben, um manchmal Bilder und manchmal Töne hier hineinzulegen, der findet dann hier die Antwort. Weil die Angriffe, die Verschwörungstheorien, die Verleumdungen und das Geschmähe nicht länger mehr nur professionelle Journalisten trifft, oder große Verlagshäuser, sondern ein kleines, privates Blog mit Geschichten, die eben auch mein Leben sind. Das Leben anderer Menschen anzugreifen, zu verhöhnen und zu verleumden, ist nämlich keine Spielerei, kein Tändeln und die jüdische Erfahrung sagt: die Lüge und die Verleumdung ist niemals Spaß, sondern immer bitterer Ernst.

Wie man angesichts solcher Briefe weiterschreibt, das ist wie so vieles, eine schwierige und keineswegs leicht zu beantwortende Frage.

Da die Dame- so Sie denn eine ist- bitter beklagt, dass Ihre mich entlarvenden und bloßstellenden, kritischen Kommentare nicht freigeschaltet sind, so sei dieser ihr Brief hier unverändert abgebildet.

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Mutter Indien

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Frau Rajasthani hat jetzt Whatsapp. Das heißt um 3.45 irischer Zeit scheppert mein Telefon, ich fahre hoch, wische auf dem treuen, alten iphone herum und sehe schlaftrunken in die Gesichter der versammelten Familie Rajasthani. Alle sind in orange-grün-weiß gekleidet und machen festliche Gesichter. Dann schreien Sie: HAPPY INDEPENDENCE DAY, LIEBE READ ON! Ich versuche noch meine Haare aus dem Kopfkissen heraus zuheddern und vor allem an meine Brille zu gelangen, denn so sehe ich nur verschwommene Schatten. Herr Rajasthani hat in der Zwischenzeit aber schon den Fernseher angedreht und in ohrenbetäubender Lautstärke schallt aus Delhi: Vande Mataram ins Schlafzimmer herüber und wieder schreit Familie Rajasthani geschlossen: „HAPPY INDEPENDENCE DAY, LIEBE READ ON. Auch der Tierarzt, dessen Schlaf durch wenig zu erschüttern ist, fährt aus den Federn und weil Familie Rajasthani gerade in Schwung ist, tönt es: HAPPY INDEPENDENCE DAY, LIEBER TIERARZT, alles unterlegt mit Fernsehgesang. RADHE-RADHE, sage ich und habe endlich die Brille auf. Schlaft weiter ihr Lieben ruft Frau Rajasthani und ihre Schwiegermutter schwenkt ein indisches Papierfähnchen. „Ich rufe nachher an“, sage ich und falle zurück ins Kissen. Der Tierarzt sagt: Mädchen, was war das für ein Gesang im Hause deiner verehrten Rajasthanis?
Oh, Tierarzt sage ich, dass Vande Mataram ist eines der zentralen Lieder der indischen Unabhängigkeitsbewegung und war unter den Briten verboten, eigentlich aber ist es ein Loblied auf Bahat Mater, auf Mutter Indien.
Der Tierarzt so viel Patriotismus um 3. 45 Uhr nicht gewohnt, sieht mich verwundert an und ich singe natürlich inbrünstig, wenn auch a-capalla das Vande Mataram für ihn. Tierarzt und Hund starren mich an. Dann falle ich zurück ins Kissen.

Als ich aufstehe, schläft der Tierarzt selig weiter, und nur der Hund schlappt mir hinterher. In der Küche rufe ich Frau Rajasthani zurück. „Read On, sagt sie, ich glaube der Tierarzt ist Punjabi. Das Haar!!!“ Nur Punjabis haben solches Haar. „Frau Rajasthani, sage ich, der Tierarzt aus dem County Kerry und so irisch, wie Gandhi-ji niemals indisch war.“ Frau Rajasthani klingt nicht überzeugt. Sie seufzt: „Wir müssen zum Schulspiel.“ Am Unabhängigkeitstag, der in Indien zwar Feiertag ist, veranstalten die Schulen Theaterstücke, die den glorreichen Kampf gegen die Engländer nachahmen, alle schwitzen und schwenken Papierfähnchen und der Direktor hält eine Rede. Sohn Rajasthani spielt einen englischen Offizier und zeigt mir stolz die blaue Spielzeugpistole. „He drives me crazy with that blasted gun“ schreit Frau Rajasthani. „Wer spielt Gandhi-ji, frage ich?“ Frau Rajasthani knurrt böse: der Franzose. Ich muss kichern. „Der Direktor dieser Bandit, schnauft sie weiter, ist in die Französischlehrerin verliebt und schanzt dem Sohn, natürlich Gandhi-ji zu. Ich muss lauter kichern. Der Direktor der Schule nämlich ist ein Mann mit betelschwarzen Zähnen und einem Talent zu überlangen Reden über die süße Pflicht zum Tod für das Vaterland und dass ihn nun die Französischlehrerin aus Annecy um den Verstand bringt, ist eine zu schöne Vorstellung. „Süße, sagt Frau Rajasthani, dank Dir hat Töchterchen den Essaypreis gewonnen.“ Ich muss sehr lachen, denn jedes Jahr schreiben Tochter Rajasthani ein Essay über „I am proud to be an Indian“, und immer gewinnt Töchterchen Rajasthani und der Direktor liest den Text vor und Frau Rajasthani und Töchterchen Rajasthani husten in ihre Taschentücher, denn es ist doch zu komisch, dass ein heimatloser Jude über die Verpflichtung zu den Werten Gandhi-ji’s schreibt und der Narendra Modi-Direktor- Patriot über die Sanskrit Zitate stolpert. „Ich muss laufen“, sage ich und werfe Küsse ins Telefon. „Radhe-Radhe ruft Frau Rajasthani.

Dem Tierarzt stelle ich Porridge mit Zimt, Heidelbeeren und Orangenfilets hin. Der Tee kommt auf das Stövchen, neben dem Tee steht eine große Flasche Heidelbeer-Joghurt Smoothie als Mitgebsel für den tierärztlichen Tag und neben dem Smoothie steht ein Glas Sanddornsaft. Ein bisschen verstimmt richtet das Fräulein diese Dinge, denn gestern trank der Tierarzt weder Tee noch aß er den Porridge, der Smoothie blieb unberührt und am Sanddornsaft ward nur genippt. Das alles erfreut das Frühstücksfräulein nicht und noch weniger gern lässt sich das Fräulein als „verstockter Essenserpresser von gnadenloser Härte“ beschimpfen. So greift das Fräulein also zu Zettel und Stift und schreibt: „The best way to find yourself ist to have brekafast first.“ ( Read Ons Interpretation der berühmten Worte Gandhi-jis. Dann verlasse ich das Haus und für viele Stunden denke ich an andere Dinge als an Gandhi-ji und den indischen Unabhängigkeitstag.

Aber dann denke ich doch an A. Frau Rajasthani hat ja jetzt Whatsapp und schickt mir erst ein Bild des Direktors, dann dreißig Modi-Karikaturen und dann ein Video von A. A. spricht über die Tränen der Soldaten und Fahnen. A. bleibt meine große Wunde. A. mit dem ich nächtelang stritt und jahrelang verging kein Tag an dem ich nicht mit A. sprach. A., der mir nicht auswich, auch nicht wenn wir uns über die Häuserdächer hinweg stritten, über Indien und über das Indien Narendra Modis. Wir waren im Slum immer Kino und die Leute wetteten wer wohl wo nachgeben würde und irgendwann lachten wir und A. küsste mich oder ich küsste A. und dann küsste A. mich nicht mehr, sprach nicht mehr mit mir, und die letzte Email habe ich nicht zu Ende lesen können. A. glaubte, dass Indien starke Soldaten brauche und ich glaube, dass Indien starke Frauen braucht. A. glaubte an die Fahne in der Hand der Soldaten und ich sagte: „ich habe Soldaten nach ihrer Mutter schreien hören.“ A. verschloss sich die Ohren.
Ich starre auf A.’s Gesicht und noch immer möchte ich A. sagen, dass Bahat Mater und auch Narendra Modi ihn nicht lieben. Aber ich habe dich geliebt, möchte ich sagen, ich habe dich geliebt A., aber dann lege ich das Telefon aus der Hand.

Zuhause ist außer Hund und Katze noch niemand da und ich krame im Schuhkarton, auf dem Bild auf dem ich suche, ist die Slumklinik noch ein Resopaltisch und das Mädchen auf dem Bild, das bin wohl ich. Fremd bin ich mir geworden, wie ich da gegen eine Wand lehne und um mich herum stehen die Frauen und Kinder, deren Namen ich damals noch kaum kenne, ich kann zwei Wörter Hindi und auf dem Bild sehe ich aus, wie jemand der so schnell weglaufen will, wie er kann. Aber das Mädchen da auf dem Bild ist geblieben und wer weiß vielleicht sitzt sie ja auch heute gar nicht vor dem Bett, sondern steigt mit den Rajasthanis hinauf aufs Dach und sieht den Kindern beim Drachen steigen zu. Danke Bahat Mater, flüstert die Frau auf dem Fußboden, dass ich mit dir wachsen darf.“ Dann rapple ich mich hoch, und schneide Okkra. „Trinkst Du einen Chai?“ mit, frage ich den Tierarzt?“ Der Tierarzt nickt. „There is no god higher than chai“, sagt der Tierarzt und ich nicke. „Fast Gandhi-ji“ sagt er. „Mit Ingwer oder ohne, frage ich? „Lieber mit, sagt der Tierarzt“. „ Ich denke, vielleicht hat Frau Rajasthani doch Recht und der Tierarzt ist in Wirklichkeit Punjabi. Die Punjabis wollen immer Ingwer in den Tee. Radhe-Radhe.

Der Tierarzt, die Frau des Krämers und die Sache mit Deutschland.

Die Ladenglocke klingelt noch schriller als sonst. „Ha, sagt die Frau des Krämers. Fräulein Read On, ich dachte sie hätten den Tierarzt nun endgültig entführt.“ Die Frau des Krämers wirft mir einen Blick zu, der schon stärkere Fräuleins aus den Schuhen geworfen hätte, aber die Frau des Krämers weiß nicht, dass es da einmal einen Oberarzt gab, der mit Skalpellen warf und so laut brüllte, dass unten in der Pathologie Tote nach ihren Schlüsseln suchten. Ich wünsche der Frau des Krämers also auch einen guten Abend.

Schon aber schellt die Glocke erneut und Tierarzt steht auch im Geschäft. Die Frau des Krämers streicht sich die Haare hinter ihr Ohr und hätte sie eine Puderdose, jetzt käme sie zum Einsatz und flötete: „Ach Tierarzt, ihr Kälbchen hat sie ja sooooo vermisst, und wir Sie natürlich auch.
Der Tierarzt hat feuchte Augen, denn natürlich hat er den ganzen Nachmittag ( das Fräulein arbeitete ) mit Kälbchen im Heu gelegen und ihm Karottenblumen geschnitzt.

„Na Tierarzt, nun erzählen Sie doch mal, sagt die Frau des Krämers, wie ist es Ihnen den ergangen in Deutschland?“ und ich suche derweil nach Vanille und Backpulver

„Deutschland ist schön!“, sagt der Tierarzt und Rügen noch schöner.“

„Aber Irland ist auch schön“, sagt die Frau des Krämers und holt tief Luft.

„Irland ist anders“, sagt der Tierarzt und schaut die Frau des Krämers trotzig an.

„Aber das Wetter muss fürchterlich gewesen sein, überall Wolken und Regen!“ schnarrt die Frau des Krämers, sie habe das alles im Internet nachgesehen.

 Der Tierarzt aber schüttelt den Kopf: „Man muss selbst dort gewesen sein“, sagt er: „In Deutschland, Frau des Krämers ist selbst der Regen warm“ und der Tierarzt zwinkert mir zu, denn zwei kleine Nichtenkinder haben mehr als einmal einen Eimer sonnenwarmen Wassers über ihm ausgegossen. „Die Wolken in Deutschland müssen Sie wissen, sind alle Schäfchenwolken und sehen Sie doch nur das Mädchen ist ganz braun.“

Die Frau des Krämers rümpft ihre Nase. „Die Bäuerinnen waren früher auch immer alle ganz braun, knurrt sie und lobt die blasse Eleganz ihrer Tochter und zeigt dem Tierarzt auch ihre fast perlweißen Arme. Der Tierarzt aber schüttelt den Kopf: „Je dunkler, je besser.“ Ich versuche nicht zu kichern und staple, Milch, Eier und saure Gurken auf die Ladentheke.

„Aber, und nun ist die Frau des Krämers wieder siegesgewiss, das Essen in Deutschland muss schauderhaft sein: Sauerkraut und Sausages und dicke Kuchen und sie rudert mit den Armen: Kartoffelsalat.“ Der Tierarzt aber schüttelt wieder und deutlich energisch den Kopf: „Aber Frau des Krämers, die Deutschen lenken den Rest der Welt nur ab mit Wurst und Kraut. Die Deutschen haben Sanddorn. Die Frau des Krämers versucht das Wort zu wiederholen. S-A-N-D-D-O-R-N wiederholt der Tierarzt noch einmal. The best in the whole wide world. „Wir haben eine ganze Kiste Sanddornsaft mitgebracht“, sage ich und lege Äpfel und ein Stück Parmesan zu den restlichen Dingen. Die Frau des Krämers starrt den Tierarzt fassungslos an- Sanddorn krächzt sie und der Tierarzt sagt: Am Besten ist Sanddornsaft lauwarm. Der Tierarzt aber ist schon weiter und fügt hinzu, was er noch alles gegegssen hat: Matjes in Buttermilch, ein Viertel Stück Geburtstagskuchen, Pfannkuchen mit Johannisbeeren frisch vom Strauch, eine Marzipankartoffel, ein halbes Samosa, grüne Haribo Frösche und Spinat mit Ei ( singen Sie an dieser Stelle bitte ein Loblied auf meine liebe C. die Kinder und den Tierarzt ) mit ihrer Sanftmütigkeit aus Eisenstahl an den Tisch bekommt. Die Frau des Krämers aber stößt noch einmal Sanddorn hervor wie ein Stoßgebet und der Tierarzt ist gleich dabei ein neues Loblied auf den Wundersaft anzustimmen. „So gesund,Frau des Krämers.“ Ich bringe Senf und Schokolade an und der Tierarzt strahlt die Frau des Krämers an, die ganz gegen ihren Willen natürlich doch weiche Knie bekommt, denn nicht umsonst sind die Damen Krämer ja dem Tierarzt und seinem 200 Watt Lächeln verfallen und man sagt zwischen Dublin und Dingle sind selbst Hühner von der Stange gefallen, nur weil der Tierarzt sie anstrahlte und sagte: Mesdames, Sie hatten eine Wurmkur bestellt?

Die Frau des Krämers aber hält sich mit beiden Händen am Ladentisch fest und holt zu einem letzten Schlag aus: „Aber Tierarzt, Deutsch muss doch eine schreckliche und schrecklich schwere Sprache sein und dann äfft sie ein kläffendes Gebell nach, dass sie sich bei deutschen Touristen abgeschaut hat. Aber der Tierarzt ist nun ernstlich empört und baut sich vor ihr auf und rattert alle seine Vokabeln herunter: Hallöchen-Moin-Mädchen-Sanddorn- Eis- nech-Hund-Katze-Maus-Mädchen-bittedankegerne-Bötchen-Kälbchen-Mädchen-Kreidefelsen-ihrMäuseEssenSchlafenBaden-Hier Mädchen-Dort Mädchen, Küsschen-JonnyguterJunge-Halt-Mädchen weiß Deutsch- herunter und die Frau des Krämers ist indessen zu einer Salzsäule erstarrt. Aber der Tierarzt ist noch nicht fertig und zieht mich zu sich heran und sagt: Listen: „Deutsch ist Mädchensprache.“ Dann küsst der Tierarzt mich ziemlich eindeutig und mir fällt fast die Milchflasche aus der Hand. Die Frau des Krämers atmet schwer. Aber der Tierarzt strahlt und dann fällt dem Tierarzt noch ein Wort ein: Leuchtturm und als die Frau des Krämers wenigstens den 2. Weltkrieg ins Feld führen will, erklärt der Tierarzt der Frau des Krämers, dass die Deutschen ihre Hunde in Wägelchen und gepolsterten Körben spazieren fahren und fährt sich durch das Haar. Wenn der Tierarzt sich durch das Haar fährt, sieht er immer ein bisschen so aus wie der Mann aus der Davidoff Cool Werbung nur eben sehr, sehr viel dünner und die Frau des Krämers wird immer sehr rot, wenn der Tierarzt sich durch die Haare fährt, wie auch die Hühner, Schafe und Kälber zwischen Dublin und Dingle, nur das Fräulein kramt nach Haferflocken und versäumt das Spektakel, als die Haferflocken auf der Theke liegen, sagt der Tierarzt mit Dustin Hoffmann Lächeln noch einmal: Germany is so sexy.

Die Frau des Krämers ist kurz vor der Ohnmacht, ich krame nach dem Geldbörsel und das letzte was wir von der Krämersfrau für heute hören ist: 28, 93 Euro, bitte.

„Germany is so sexy?“, sage ich zum Tierarzt als wir wieder auf der Straße stehen. Der Tierarzt fährt sich noch einmal durch sein Haar und nickt: „so sexy Mädchen.“ Zwei Frauen mit Kinderwagen bleiben stehen und starren dem Tierarzt unverhohlen hinterher. Die Frau des Krämers steht noch immer unbewegt hinter dem Tresen und hebt matt die Hand und wir kichern erst als die Haustür im Oberland sich knarrend hinter uns schließt.

 

 

Die Sache mit den Zahnbürsten

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Zahnbürsten mit Kappen für den Slum 

Neulich las ich einem jener Magazine in denen sehr gut aussehende Menschen davon berichten, wie Fehler sie zu stärkeren, besseren und immer erfolgreicheren Menschen gemacht hätten. Die Frauen, die da berichteten waren alle blond, trugen Perlenketten und sind heute CEO von irgendeiner Tech Company im Silicon Valley und die schlimmsten Fehler vermeidet wahrscheinlich ein Personal Assistant aus Harvard. Ich bin natürlich neidisch, denn ich bin nicht blond, Perlen sehen an mir selten gut aus und ich bin kein CEO von irgendwas, Fehler habe ich dafür schon so viel gemacht, dass selbst ein Harvard Graduate die Finger davon ließe und schöner, glücklicher und gelassener hat mich keiner der vielen Fehler gemacht. Angestrengt, und ausgelaugt haben mich die Fehler, die Fehler haben mich ängstlicher, verdrießlicher und verzagter gemacht, und oft war ich kurz davor alles hinzuwerfen. Ich Versager, ich ewiger. Einer dieser Fehler war die Sache mit den Zahnbürsten.

Damals als der S. und ich die kleine Slumklinik in einem sehr großen Slum in Indien gründeten fiels uns auf, dass nahezu alle Kinder nur noch verfaulte Zähne im Mund hatten und wenn dann auch die bleibenden Zähne nur noch schwarze Stümpfe waren, bekamen die Kinder, wenn sie Glück hatten eine Prothese, ein schauderhaftes, schweres Ding, das weder an den kindlichen Kiefer noch an die Lebensrealität der Kinder ( kein sauberes Wasser um die Prothese zu reinigen ) angepasst war. Wenn Sie Pech hatten, dann kauten sie eben auf verfaulten Zahnstümpfen. Der erste Fehler, den wir machten, war zu glauben, wir könnten die Kinder ohne die Eltern erreichen. Sprich, wir verteilten Zahnbürsten an die Kinder und erklärten wie man die Zähne putzt. Die Kinder waren stolz auf die in Cellophan eingeschweißten Zahnbürsten und wie Sonntagsschuhe bewahrten die Familien, die Zahnbürsten auf. Zähne geputzt wurden damit nicht. Nicht ein einziges Mal. Wir schlugen die Hände über dem Kopf zusammen. Dann wandten wir uns doch an die Eltern. In jeder einzelnen Sprechstunde führten wir vor, wie man sich die Zähne putzt. Die Eltern waren begeistert und nahmen die Zahnbürsten mit. Wir dachten, die Dinge würden schon ihren Gang nehmen. Die Dinge bewegten sich nicht.

Die Zahnbürsten waren Sonntagsschuhe: sorgsam gelagert und wann immer die Familien uns sahen oder wir Hausbesuche machten, führte man uns stolz die originalverpackten Zahnbürsten vor. Der S. und ich starrten verzweifelt an die Wand. Vor unseren Augen, vor Kartons voller Zahnbürsten, verfaulten also die Zähne der Kinder. Ich rief verzweifelt meine Großmutter an. Ich glaube 30 Sekunden für 7 Euro ( 14 DM!!):“Zahnbürsten wie Sonntagschuhe“ rief ich und sie antwortete: „Mach aus Sonntagsschuhen alte Latschen.“ Der S. und ich sahen auf die Berge voller Zahnbürsten vor uns auf dem Tisch. Dann endlich verstanden wir was der Fehler war. Wir hatten nicht begriffen, dass man Sonntagsschuhe eben nicht im Alltag benutzt und dann begannen der S. und ich allerlei Dinge im Slum einzusammeln, die den Menschen vertraut waren, angebrochene Kämme, Holzreste, all das was in Europa unter dem Wort Müll gefasst wird, aber dort im Slum sind es gebrauchte und benutzte Alltagsgegenstände. Am Küchentisch von Frau Rajasthani sägten wir die nagelneuen Zahnbürsten entzwei bohren eine Schraube unter den Zahnbürstenkopf und schraubten und leimten die Zahnbürstenköpfe auf die Holzstiele und Plastikkammenden. Frau Rajasthani schlug die Hände über den Kopf zusammen. Herr Rajasthani verzog das Gesicht und schämte sich der primitiven Armen im Slum. Aber vor allem schämten sich S. und ich, dass wir geglaubt hatten, es reiche schon etwas zu verteilen und schon sei alles erklärt. Immer erst, wenn etwas nicht funktioniert, realisiert man wie spezifisch Kulturtechniken einfach sind und wenn mir jemand ein Neem-Blatt hinhielte, wüsste ich noch lange nicht, wie ich mir damit die Zähne reinigte. Wir verteilten diesmal an Eltern und Kinder, die umgerüsteten Zahnbürsten, die jetzt nach Alltag und nicht mehr niegelnagelneu aussahen. Schließlich hatten wir auch verstanden, dass Zähne putzen nur mit sauberem Wasser Sinn macht und seitdem putzen die Kinder in der kleinen Klinik die Zähne. Wenn die Zahnbürsten dann lange genug in Gebrauch waren, begannen wir eine nach der anderen gegen die neuen Zahnbürsten aus den Kartons auszutauschen und schließlich wurden die Zahnbürsten so normal wie andere Alltagsgegenstände im Slum.

Eines Tages, als ich frühmorgens in die Klinik kam, fiel mir auf, dass in den Zahnbürsten lauter, kleine schwarze Insekten saßen und das die Zahnbürsten alsbald nachdem sie in Benutzung waren, unschöne, braune Stockflecken bekamen, die keineswegs gut für Kindermünder sein konnten und wieder hatten wir einen Fehler gemacht, denn in einem ohnehin extrem humiden Klima, Zahnbürsten offen stehen zu lassen, ist dem Erhalt von Zahnbürsten kaum zuträglich. Aber unser Budget reichte und reicht nicht aus, um für jedes der vielen Kinder, eine eigene Schachtel anzuschaffen. Wieder saßen wir mit über dem Kopf zusammengeschlagenen Armen da und wussten nicht weiter. Über den vielen Fehlern, waren viele Zahnbürsten und mehrere Jahre ins Land gegangen, da putzte ich mir auf einer Flughafentoilette in Rom die Zähne und neben mir stand eine Frau, die ebenso ihrer Zähne polierte und die nachdem sie sich den Mund ausspülte, auf den Kopf ihrer Zahnbürste ein formidables Plastikkästchen schnappen ließ. Ich schluckte grünen Colgate Schaum herunter und die Frau schrieb mir auf, wo sie eine solche Zahnbürste erstanden hatte. Ich tanzte über den römischen Flughafen und der S., der tanzte mit. Seitdem also bestellen wir Zahnbürsten mit Plastikkappen und weil Kinder auch in einem Slum in Neu-Delhi genau so Dinge verlieren wie ihre Altersgenossen in Darmstadt oder Berlin, beauftragten wir eine Frau, die seitdem für uns die Plastikkappen so an die Zahnbürsten anbringt, das sie nicht sogleich wieder verloren gehen. Seitdem putzen die Kinder im Slum morgens wie abends mal mehr oder weniger murrend, die Zähne. Seit Jahren schon haben die Kinder nicht mehr schwarze Löcher dort wo eigentlich Zähne sind und die Kinder können genauso herzhaft in einen Apfel beißen, wie anderswo.

Es hat fast drei Jahre gedauert, uns an den Rand der Verzweiflung getrieben, wir haben uns so oft vor Eltern wie Kindern die Zähen geputzt, das uns vom Geruch von Zahnpasta fast übel wurde und wir haben sehr viel Geld ( selbstverdient ) in verfaulende oder niemals verwendete Zahnbürsten gesteckt, bis wir verstanden hab wo der Fehler lag. Versager, ewiger dachte ich immer wenn ich vorführte, wie das geht mit der Zahnbürste und die Zahnbürsten, doch immer weiter nur Sonntagsschuhe blieben. Gelernt haben der S. und ich vor allem, das wir uns auch in der größten Verzweiflung nicht gegenseitig erwürgen wollen, sondern irgendwie gemeinsam weitermachen. Manchmal fragen uns Leute, ob wir nicht endlich einmal fertig seien mit unserer Slum-Klinik, dann schütteln wir den Kopf. „ Wir fangen gerade erst an, sagen wir dann, inklusive aller, unserer Fehler.“ Die Leute gehen dann lieber schnell weiter. Außerhalb des Silicon Valley’s nämlich sind Fehler nicht sexy, tragen keine Perlenketten und CEO wird man mit Zahnbürsten auch nicht.

Dafür lächeln sehr viele Kinder, sehr breit, sehr frei und mit lauter , gesunden Zähnen im Mund.Ich ärgere mich nur manchmal, an einem Sonntag im Mai zum Beispiel über den Fehler mit den Zahnbürsten

In die Dunkelheit

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Nein, eine Geste ist niemals angemessen. Eine Geste reicht niemals aus. Immer liegt in der Geste schon die zitternde Hand der Hilflosigkeit und des unaussprechlich großen Unvermögens sich angemessen zu verhalten. Immer ist die Geste der Versuch etwas zum Ausdruck bringen, was unaushaltbar ist. Davon erzählen die roten Stoffherzen, die Plüschtiere, die Zellophanrosen, die letzten Briefe, deren Tinte bald verläuft, die Kränze mit ihren Schleifen und den gemalten Bildern. Keine Geste kann das Entsetzen mildern, den Schreck verringern und gegen die große, unendliche, schwarze Wolke Traurigkeit die so viele Menschen nicht nur heute, aber besonders heute überfällt, wiegt eine Geste nicht viel. Die Geste hat der Einsamkeit des Verlustes nichts entgegenzusetzen. Nein, die Geste ändert nichts, nein es geht nicht alles so weiter, nein nichts wird wieder gut für die Väter und Mütter, Schwestern, Brüder, Onkel und Tanten, die Großmütter und Großväter, Geliebten, die Freunde und den Hund der wartet. Der wartet ja auch. Nein, nichts wird gut und besser, nicht morgen, nicht übermorgen und auch nicht in zwanzig oder vielen Jahrzehnten. Es gibt keine, keine einzige Geste, die darüber hinwegtäuschen könnte, es gibt keine Rede, keine Wörter, deswegen bleiben immer nur Worthülsen übrig und rote Plüschherzen, die nie aufhören wehzutun, ausgerechnet ein Herz, ein Herz für das eines Anderen. Es gibt nichts was hilft, diese entsetzlichen Lücken vernarben nie. Die Geste ist eine Zumutung. Die Geste muss eine Zumutung sein. Die Geste tritt auf der Stelle und will, dass was nicht geht: die Schatten zurück holen aus dem Dunkel, die Zeiger zurückdrehen, die Geste will an der Unmöglichkeit festhalten. Die Geste muss es tun. Die Geste tritt auf der Stelle und die Geste bleibt stumm. Die Geste gesteht sich ein, dass Wörter ebenso wenig adäquat wie ausreichend ist. Die Geste hat zitternde Hände, ein bleischweres Herz und da steht sie die Geste, es ist ihr unmöglich umzukehren und das Schweigen wiegt schwer. Nein, es gibt keine Geste, die der Einsamkeit der Trauer begegnen könnte, nichts ist gesagt und nichts ist erklärt, eine Geste soll nicht als Trostpflaster, als festes Klopfen auf den Rücken, als Burschikoses „Halt durch“ gelten, sondern als ein Moment in der die Dinge aus der Zeit fallen dürfen, ohne etwas sein und symbolisieren zu müssen, was niemand begreifen kann. Eine Geste erhebt keinen Anspruch.

Ich weiß nicht ob man ein Licht in der Dunkelheit sehen kann, ich weiß nicht wie viele Lichter es braucht bis zum nächsten Morgen, ich weiß nicht wie viele Lichter es braucht bis zum Morgen danach. Heute Abend aber will ich trotz allem eine Kerze ins Fenster stellen. Ein Licht in die Nacht hineinstellen, also. Es kann nicht mehr, es soll nicht mehr, es darf nicht mehr als ein Licht sein. Es ist eine kleine Geste.

Woanders ist es auch schön.

Frau Coco war auf Malta und nimmt uns mit aufs Boot und zieht uns durch die Straßen. Neben einem Becher warmen Tee hilft das ganz wunderbar gegen den Winter, der hämisch lacht und dem April eine Nase dreht. In Irland dazu noch Regen und Wind von allen Seiten.

Die verehrte Kiki stellt ihre Lieblingsblogs vor und Frau Kelef ist eine grandiose Entdeckung und überhaupt Wien, ach Wien!

Rassisten sind immer nur die Anderen, das ist doch klar.

In Irland geht so schnell nichts verloren.

Andernorts.

Der Tierarzt bringt Lämmer auf die Welt und singt im Moment für Schafe, Hühner, Kälbchen und Mädchen dieses Lied.