Pariser Szenen: Ankunft

„Paris“, sage ich. Der Tierarzt seufzt tief. „Paris ist nicht Deutschland“, sagt er. Ich sage besser nichts. „Aber, sage ich wir fahren mit dem Zug und Du wirst so viel von Deutschland sehen als wanderten wir eine Woche durch den Harz. Der Tierarzt, meine liebe C. und ich wir packen also, ich backe einen Reisekuchen ( ein Reisekuchen ist ja essentiell für Unternehmungen wie diese, denn ich erinnere mich immer jener Nacht in der Bahnreisenden über Weihnachten im Schneesturm im ICE ausharren mussten und aus Verzweiflung über die Gesamtsituation, die mitgebrachten Stollen aufaßen. Meine liebe C. macht ihre hervorragenden Reisebrote, und natürlich liegt obenauf im luggage holdall des Tierarztes eine Flasche Sanddornsaft. Der Schaffner pfeift und wir fahren los. Ich wippe mit den Füßen, denn ich bin schrecklich gern in Paris und mit den Mitreisenden bin ich noch viel lieber in Paris und außerdem hat die Mali-Tant sich einverstanden erklärt, in Strasbourg zuzusteigen und die Mali-Tant liebe ich sehr. Lang ist die Zugfahrt und ich stelle mir vor, dass wir endlich Zeit haben für einen ausführlichen Schwatz. Irische Philosophen in Frankreich zum Beispiel. Die Sache mit dem Weltfrieden ist ja auch noch immer ungeklärt, wie macht man die perfekte Sauce Hollandaise und wer ist eigentlich dieser Herr Lindner. Erwartungsvoll sehe ich also die Reisegemeinschaft an. Der Tierarzt klebt mit der Nase am Fenster: „Oh sie mal Mädchen: ein deutscher Baum, ein deutsches Haus, eine deutsche Tankstelle, ein deutscher Baumarkt, eine deutsche Eiche, oh, oh,oh, ein deutscher Spatz. Ich seufze tief. Der Tierarzt kramt den Fotoapparat aus dem luggage holdall und am Ende der Reise werden wir 2000 Bilder verwischter Bäume, Häuser und Tankstellen haben und vor allem verwischte: Hundeopos, Katzenhintern und Kuhallerwerteste. Meine Versuche den Tierarzt von der Fensterscheibe wegzubekommen, verlaufen ins Leere: „Du siehst doch ich bin beschäftigt“, zischt er ohne auch nur eine einzige Wimper in meine Richtung zu drehen. Dann höre ich vom Tierarzt nur noch Click, Click, Click. In Frankfurt allerdings- wir müssen- umsteigen, springt der Tierarzt kurz über den Bahnhof und murmelt:“Frankfurter Luft“ und die „Alte deutsche Messestadt.“ Mir aber liegt vor allem daran den TGV zu erreichen und so ziehe ich den widerstrebenden Tierarzt hinter mir her.
Aber auch meine liebe C. will von einem Tratsch nichts wissen. Kurz nach dem wir abfahren, zieht sie einen Stapel Dokumente aus der Handtasche. Endlich Zeit etwas zu tun, verkündet sie strahlend und dann klappt sie ihr Notebook auf, nimmt ihre oh so ordentlichen Notizhefte zur Hand und vertieft sich in die Endfassung eines Aufsatzes zur Behandlung fortgeschrittener Diabetes II bei Risikopatienten in einer Allgemeinarztpraxis. Die liebe C., die ein systematischer, wie gründlicher Mensch ist, hakt Listen ab, prüft Bildmaterial dreifach, kontrolliert ihre Hervorhebungen dreifach und versinkt nach wenigen Minuten in eine Sphäre arbeitsamer Stille und wird in dieser bis Paris verharren. „Was schon in Frankfurt?“ sagt sie, als ich sie vorsichtig an unseren Umstieg erinnere: „es passt gerade gar nicht.“ „Wären wir nur in Deutschland geblieben“, pflichtet der Tierarzt ihr bei. Ich beschließe einmal „Kälberinternate“ zu googlen.

Die Fahrt aber verbringe ich still und über ein Buch gebeugt. Dann und wann verzehre ich ein Stück Reisekuchen und kaue missmutig auf einem Käsebrot. „Banausen“ murmele ich finster, und setze alle Hoffnungen auf die Mali-Tant. Und wirklich die Mali-Tant, steht in Strasbourg am Bahnsteig und schimpft über Österreich. Das stimmt mich hoffnungsvoll. Kaum sitzt die Mali-Tant aber und legt ihren Hut ab, greift sie in ihre gewaltige Handtasche und befördert ihr Strickzeug hervor. „Der Tierarzt,“ sagt sie hat sich ja einen Norwegerpullover bei mir gewünscht!“ „So, so“, murmle ich finster, denn ich besitze keinen Norwegerpullover von der Mali-Tant. „Ja, der arme Bub“, sagt die Mali-Tant und dann liegt das wollene Ungetüm auf dem Tisch. „Geh Mädi, ich muss mi scho halt konzentrieren“, sagt sie, hält mir Wollfäden hin, die ich ihr anzureichen habe und für die nächsten zwei Stunden murmelt sie nichts anderes als: „zwei links, zwei quer und Kruzifix, wos fia a Sauerei.“ Der Tierarzt indes ist hinter der Grenze eingeschlafen. Es gibt ja für ihn auch nichts mehr zu sehen. Nur einmal erwacht er als der Schaffer sagt man möge auf seine Wertsachen achtgeben. „Es seien Diebe an Bord.“ Da erhebt der Tierarzt das Haupt wie einstmals Medusa und knurrt: „Diese Franzosen.“ Die liebe C. tippt und die Mali-Tant strickt. In Paris angekommen, winke ich ein Taxi herbei, der Taxifahrer sieht aus wie in Deutschland, Philosophieprofessoren und ich sehe meine Chance gekommen, denn der Mann spricht nicht nur Französisch, sondern das gleiche Arabisch wie ich. Keiner der Mitreisenden aber spricht Arabisch. Der Taxifahrer und ich schwatzen über: Macron, die geplante Reform des Gesundheitswesens, das Wetter, die beste Art Huhn im Tontopf zuzubereiten, die Probleme der banlieues und die schwierigen Antworten darauf. Hinten im Fond sagt der Tierarzt:

„Ich glaube Sie erzählt über die vielen verwackelten Hundepopos auf den Bildern, mutmasst der Tierarzt.“

„Ich fürchte sie beklagt sich über die Hingabe zur Wissenschaft und den elenden Aufsatz, sagt die liebe C.“

Die Mali-Tant sagt: „Eh Mädi, aba bitteschön tu mi net verkaufen in a Karawanserei, ich moch di halt auch so eana Pullover.“

„Ist alles in Ordnung bei den Damen und dem dünnen Schatten auf der Rückbank?“, fragt der Taxifahrer. „Welche Rückbank?“, denke ich, aber ich sage: „In allerbester Ordnung.“

Im Anflug

Am Ende eines langen Tages, das Flugzeug doch noch bekommen. Über Dublin breitet sich feuchter Nebel aus. Der Leuchtturm hinter dem das kleine Dorf liegt, ist verschwunden und der Pilot sagt, dass mache nichts und dann erzählt er vom Nebel über Connemara und wir alle wünschten uns wohl, wir könnten hier einfach sitzen bleiben und er erinnerte sich weiter und weiter. Aber dann fliegen wir doch los, der Tierarzt späht nach Kälbchen, aber das ist aussichtslos. Der Tierarzt winkt trotzdem. Irgendwann gibt der Nebel nach und wir fliegen in ein seltsames, verschwommenes Blau hinein. Ein Blau als wäre das Wasserglas über dem Tuschkasten ausgekippt und jetzt liefe das Wasser über die blaue Farbe hinweg. Blau, blau, blau ist alles was ich lieb. Im Fenster des Flugzeuges sind wir dunkle Schatten. Ich bin zu müde, selbst wir für die Schatten und lehne mich gegen das Fenster, auf einen Moment noch dem Blau hinterher. Der Tierarzt lehnt sich nicht gegen das Fenster oder die Lehne oder mich. Der Tierarzt lehnt sich in meinen ipod hinein. Er hört sich durch die Element of Crime und Kettcar Platten. Ein Deutschlandvorbereitungskurs in siebzig Liedern oder so. Er hört mit konzentriertem Blick zu und vor ihm liegt ein Notizbuch. In das Notizbuch schreibt er deutsche Wörter, die er versteht. Mädchen, natürlich, es ist das deutsche Wort, sein deutsches Wort, im Englisch-Deutsch-Wörterbuch ist das Wort angekreuzt, die Seite eingekniffen und oft fährt der Tierarzt mit dem Finger über das Wort und nickt. Das Wort gibt es ja wirklich. Später einmal, werde ich gefragt, da bin ich mir sicher, was ich so gemacht habe im Leben und dann werde ich an das Englische-Deutsche Wörterbuch denken und das unterstrichene Mädchen darin. Das werde ich sagen, das habe ich gemacht, diese Tür habe einmal aufgeschlossen für jemanden und er nahm den Schlüssel gleich an sich und fiel in die vielen, wundersamen deutschen Wörter hinein. Vielleicht ist der Tierarzt dann lange schon verheiratet mit Sabine aus Braunschweig, ein brauner Labrador, ein Bild von Kälbchen in einer Schublade, das Wörterbuch braucht er dann schon lange nicht mehr, eine Praxis mit angeschlossenem Hundewägelchenverleih und zwei Kinder, die spielen im Garten. Der Tierarzt schreibt noch immer, aber ich lehne am Fenster und obwohl wir doch nach Berlin fliegen und der Tierarzt Michaela sagt schreibt, denke ich nicht an Deutschland, und einmal ist mir Michaela ganz egal, denn es ist Diwali und ich bin nicht in Delhi, sitze nicht an meinem Platz, es gibt keine Gulab Jamun für mich und kein Kardamomeis, eine Diwali Spezialität von Frau Rajasthani. Und ich wünschte, ich säße nicht im Flugzeug nach Berlin, sondern auf dem Dach und sähe auf Delhi herunter. Unten auf dem Balkon, da rauchte der Nachbar und der Nachbar sagte: „Endlich verbieten dieses ewige Feuerwerk an Diwali.“ Die Luftverschmutzung. Dann zündete er sich eine Zigarette an und paffte vergnügt weiter und Frau Rajasthani und ich wetteten, wer von uns als erster begönne laut zu lachen. Aunty, in jedem indischen Haus gibt es eine Aunty, eine der Frauen, die alles wissen, selbst Geheimnisse, die sie noch gar nicht kennen für Aunty sind sie längst schon kalter Kaffee. Auch bei den Rajasthanis gibt es eine Aunty, die an Fest und Feiertagen wie selbstverständlich einen Platz am Tisch hat. Ich also, füllte mir eine zweite Schüssel mit Kardamomeis, Herr Rajasthani brächte mir Tee, und während ich Eis löffelte, rückte Aunty näher zu mir heran uns sagte:

„Frau Dripivati hat Frau Shrivati eine Kiste mit Galub Jamun aus dem Jahr 2013 geschenkt. Frau Dripivati aber markiert seit Jahren ihre Präsentpralinen mit bunten Bändern und hat sofort gemerkt, was hier gespielt wurde. Nächstes Holi wird sie sich rächen.“

„Herr Bhatia hat seiner Frau einen goldbestickten Sari machen lassen, aber seiner Geliebten hat er Schmuck zukommen lassen und weil er nicht nur dreist, sondern ein Tölpel ist und ein eitler Pfau, ein baboons-ke hat er das Preisschild für den Schmuck in das Sari-Paket gelegt und in das Schmuckpaket den Sari Preis.“ Nun hat Herr Bhatia weder Frau noch Geliebte und ein trauriges Diwali zu erwarten. Ein dunkles Diwali keckerte Aunty und verlangte, ich hätte das Eis ja inzwischen auch ausgelöffelt, Lohn für ihre Erzählungen, legte die Füße in meinen Schoß und hieße mich ihre Waden zu massieren und dann erzählte sie wie die Familie Preevati ein Diwali-Schnäppchen machen wollte und dabei doch drei- und vierfach auf die Nase fiel und dann lachte Aunty, denn Herr Preevati hatte über Aunty die Nase gerümpft, als sie ihn fragte, warum er einen neuen Kühlschrank brauchte, wo seine Frau doch sieben G*tter in der Küche zu stehen habe.

Aunty erschöpft von so viel Tratsch und Klatsch, schliefe im Sessel ein und wenn es doch nur immer noch so sein würde, wie ich einmal hoffte, so stünde der A. neben mir auf dem Balkon und wir zündeten die Tonlampen an und der A. sänge für mich von der Rückkehr Ramas und der G*ttin Lakshmi und die Kinder von Frau Rajasthani würden sich hinter den Blumentöpfen verstecken und rufen: „Küsst euch.“ Aber alles ist anders und auch dieses Jahr bin ich zu Diwali nicht in Indien. Ich weiß nicht, wo der A. zur Puja geht und ob er nicht inzwischen längst einer Frau einen Sari geschenkt hat und Frau Rajasthani schilt mich, weil ich nicht komme und weil ich das Detektivbüro Rajasthani und Partners in Angelegenheiten des A. nicht in Anspruch nehmen will.

Der Tierarzt fragt mich: „Mädchen, what’s that Getränke Hoffmann?“ Frau Rajasthani sagt: „Du hast nie Zeit, das ist doch nicht neu, setz dich ins Flugzeug und komm.“ Ich sage ihr nicht, dass ich dann vielleicht nie mehr zurückkehrte oder schlimmer noch den A. suchte. Frau Rajasthani rächt sich in dem sie mir die schlimmsten aller Whatsapp Diwali Nachrichten schickt.

Dann aber landet das Flugzeug. „Delmenhorst“, sagt der Tierarzt. „Komm“, sage ich.

Woanders ist es auch schön.

Nahezu unbeachtet von den großen Nachrichtenhäusern, Fernsehanstalten und Betroffenheitsgesten starben über 300 Menschen bei einem Anschlag in Somalia. Aber auch Somalia ist ja kein Land für das man sich zu interessieren braucht. Dort gibt es ja ohnehin nur Piraten ( nur ohne Jonny Depp ) und damit ist doch alles gesagt. Aber in Somalia sterben die Menschen und ein Zahnarzt hielt es nicht mehr aus.

Miz Kitty hat ein altes Gemäuer gekauft und erzählt nicht über die Tücken ländlicher Gemeinden, sondern auch über die verschlungenen Wege der Restaurierung.

Es gilt das geschriebene Wort. Via Kiki

Es gibt sie diese Texte, die einem immer wieder neu den Atem nehmen.

Warum es sich sehr empfiehlt immer Zimtschnecken nah bei sich zu haben.

Warum Kreuzfahrten für viele homosexuelle Chinesen die die letzte Hoffnung sind.

In Indien beginnt Diwali und dieses Lied versetzt sie garantiert in festliche Schwingungen und ehe sie sich versehen, kaufen auch Sie Wunderkerzen und feuern das Büro zu einer Polonaise an.

Im Wind

Der Sturm kommt und die Universität schließt ihre Tore. Schließt die Universität ihre Tore, so gilt dies auch für das Institut. Die Universität verschickt mehr als eine E-Mail, es gibt das alles auch in kürzer auf Twitter und Facebook, ich schicke eine Email an das gesamte Institut, natürlich alles auch noch einmal in kürzer auf Twitter und Facebook und dann fange ich an die Emails der Fellows zu beantworten:

„Ist das Institut geschlossen?“ ( Ja ) , Ist das Institut WIRKLICH geschlossen. ( Ja). Warum ist das Institut verschlossen? ( Ein Sturm namens Ophelia zieht über Irland.) Bei mir vor dem Fenster weht gar kein Wind, kann ich ins Institut kommen? ( Nein.) Wann fängt das Yoga heute an? (Die Auszubildende).
Ich habe meine Lieblingstasse/ mein Schnuffeltuch / meinen Zettel mit der Weltformel im Institut vergessen, kann ich das abholen? ( Nein ). Kannst du mir die Dinge bringen? ( Nein ). Das ist ungerecht/ eine bodenlose Frechheit / ich bestehe auf dem freien Willen ( Kant !!!!!) wie komme ich ins Institut. ( Gar nicht. Die Universität und Institut sind vernagelt.) Ich werde mich beschweren. Ganz oben. Es ist mein gutes Recht ( Tausend Ausrufezeichen.) Dann fällt der Strom aus und ich finde, ich habe ohnehin genug Fragen beantwortet. Das Dach des kleinen windschiefen Hauses wackelt, aber es hält. Die Kirchglocken St Sylvesters aber schlagen laut und unermüdlich, der Priester kommt vom Meer zurück: „Fräulein Read On“, sagt er, da sind Leute mit Surfbrettern auf dem Wasser.

Die Stunde des Sturms aber ist die Stunde des großen Triumphes der Frau des Krämers. Die großen Supermärkte, erst Dunnes, dann aber auch Tesco schließen, aber ihr Laden trotzt allen Gewalten und der Krämer zurrt ein großes: „We are open“-Schild an einem Baum fest. Die Schlangen vor dem Geschäft werden immer länger und die Frau des Krämers hat gerötete Wangen vor Aufregung und deklariert den Laden zur Sturmversorgungsnotzentrale. Deswegen heißen die sausage rolls, dann auch emergency rolls und kosten 50 Cent mehr als sonst. Die Touristen sind begeistert und die Frau des Krämers herrscht ihre Tochter an, doch schneller zu sein mit dem Nachfüllen der Milchpackungen, der Kekstüten und belegten Brote. „Ich dachte der Laden sei schon zwanzig Jahren pleite“, sagt ein Mann und erntet einen Todesblick der Frau des Krämers, die finster knurrt: „nur über meine Leiche.“ Er bekommt die unverkäuflichen, steinharten Haferkekse, ein Experiment der Frau des Krämers, welches fehlschlug, aber nicht fehl genug, um es dem dreisten Städter nicht einmal so richtig zu zeigen. „Have a very good day“, schnalzt sie als der Mann mit den Haferkeksen und der Milch den Laden verlässt. Dann rüffelt sie ihre Tochter, die zu verschwenderisch mit dem Einwickelpapier für die “Emergency Rolls“ umgeht. Vor der Tür verkauft der Krämer Kaminholzscheite und Kohlenbriketts, dann wirft eine heftige Windböe den Tisch und die Frau des Krämers schilt auch ihn geschäftsschädigenden Verhaltens, kann aber mir ihrer Schimpftirade nicht fortfahren, denn der Sturm knickt den Baum mit dem „We’re open“ Schild einfach um.

Der Tierarzt indes erklärt einer Gruppe unverschämt gutaussehender, amerikanischer Touristinnen, die ihm an den Lippen kleben, auch er sei in einer Sturmnnacht geboren. Die wunderschönen, blondgelockten Frauen seufzen und der Tierarzt- wehendes Haar und wehender Mantel- fügt hinzu: in der Nacht also, in der ich geboren wurde, da schwammen die Fische auf den Straßen als sei es das Meer. Die blonden Sirenen sind der Ohnmacht nahe, nur leider komme eben auch ich die Straße hinunter und sage: „Na Heathcliffe, bist du soweit?“ Die Damen sehen fassungslos zu mir herüber: warum ein Beau sich wohl mit einem Shetlandpony abgibt, fragen sie sich und sie fragen ihn: „Heathcliffe, what an extraordinary name?“ Der Tierarzt schüttelt den Kopf: „Mädchenhumor.“ „There was no possibility of taking a walk that day“ , sage ich und rate den schönäugigen Damen ihre Dorf und Tierarztbetrachtung doch an einem anderen Tag fortzusetzen. Die Damen heben Stöcke und Äste auf. „We survived a hurricane.“ Es fängt an zu regnen.

Später, dann stehen der D. und ich im Wind und wir werden für viele Stundne im Wind stehen und Notversorgung organisieren, über Baumstämme schlittern und müsste ich mich nicht so konzentrieren, so streckte ich der Ballettlehrerin, die mich damals als aus dem Kurs warf: „Das ist Ballett kein Elefantenzirkus“ die Zunge heraus, denn die Bäume sind glitschig und dennoch irgendwie kommt man herüber auf die andere Seite und dann machen wir das, was wir eben machen, seit so vielen Jahren schon. Später, so viel später, als wir zurückfahren, nach langen Stunden, da denke ich an den B. Der B. war ein Mann für den Englisch das Wort hunk erfunden hat, ein Baumstamm von einem Mann, Mountain Rescue, einer von jenen, die nicht mehr zurückkamen, damals aber, in einer anderen Nacht, einem anderen Land, wir bauten Zelte auf, da sah er, zu mir herüber und sagte: Feuer bringt die Menschen näher zusammen, Wasser aber verdrängt, aber Wind, Wind Read On, der Wind zerrt an den Nerven der Menschen, lässt sie schneller die Nerven verlieren als sonst. „Wind Read On makes humans snappy“, nimm Dich in Acht vor dem Wind, über dem Wind verliert man den Verstand. Damals sah ich ihn verwundert an, denn dort wo wir Zelte aufbauten, da war doch der Krieg. Aber er sollte Recht behalten, und als ich spät am Abend wieder zurückkehre in das kleine Dorf, da ist das Dorf rastloser als sonst, und auch der Tierarzt, der Sturmgeboren, der niemals die Ruhe verliert, ist unruhiger als sonst, steht wartend am Fenster und endlich dann vergraben unter dicken Decken, der Sturm schüttelt noch immer an den Wänden des kleinen, windschiefen Hauses, ich ahne wie Recht der B. hatte, der Sturm zehrt an einem, fährt einem unter die Haut, versteckt sich in den Knochen und am Ende des Tages sind drei Menschen tot und am anderen Morgen noch immer 245, 000 Haushalte in Irland ohne Strom.

Sonntag

Nach der Nachtschicht gehe ich schwimmen und das Wasser ist schon winterkalt. Taube Zehen, aber auch das ganze Glück zwischen den klappernden Zähnen, dem Sand im Haar und dem Wind zwischen den Rippen. Erst ein warmer Bademantel- die Frau des Krämers- schreit: „Sie werden sich den sicheren Tod holen, Fräulein Read On- sie klingt nicht zu unglücklich über diesen Umstand. Ich winke ihr recht lebendig zu. Dann warmes Wasser, ein warmes Tierarzt T-Shirt, ein warmes Bett und fünf Stunden lang ist es ganz still. Nur der Tierarzt atmet leise, und der Wind der sich gegen die Fensterscheiben drückt, hält die Welt von uns fern. Fünf Stunden lang, ich bin nur noch halbmüde und habe fast wieder warme Füße. Der Tierarzt ist ganzwach und hat mir meine kalten Füße abgenommen. Die Glocken von St Sylvester läuten, der Teekessel pfeift, im Radio sagt die Nachrichtensprecherin, dass ein Sturm am Montag den Westen Irlands erreiche. Ich sehe hinauf auf das Dach, denn auch wenn wir nicht im Westen leben, so fürchte ich um den Verbleib des Daches. Aber der Tierarzt der zugegen war, als der Dachdecker das Dach auf Winterfestigkeit überprüfte, beruhigt mich: „wenn es zum Äußersten kommen würde“, sagt er „ dann flöge ja er davon“ und ich hätte endlich wieder mehr Zeit für mich. „ Tierarzt“, sage ich „mach dich nicht lächerlich“, die Katze liegt auf Dir, der Hund spränge bei dir, Kälbchen stemmte sich dem Wind entgegen und bevor der Wind sich auch nur umsehen könnte, setzte sich die Frau des Krämers, die nun in keiner Hinsicht ein Liechtgewicht ist auf deinen Brustkorb und der Wind sähe gleich ein, dass er hier nur verloren könne, packte mich bei den Schultern und spie mich über dem kalten Atlantik aus. Du aber hättest endlich wieder mehr Zeit für dich.“ Fragend sieht der Hund zu uns herüber und auch die Katze ansonsten nicht weiter interessiert am Leben von uns mere mortals, macht eine unegduldige Schwanzbewegung. Der Tierarzt aber triumphiert: Ha Mädchen, ich weiß was, wir stellen die beiden großen Regenschirme ins Schlafzimmer und wenn der Sturm das Dach abdeckt, und uns bei den Haaren packt, dann spannen wir die Schirme auf, halten uns gut fest und Du schreist dem Wind: „Aber bitte nach Deutschland“ ins Ohr. „Soll sein, Tierarzt, soll sein, sage ich und der Tierarzt nickt zufrieden. Der Hund rollt sich auf meinen Füßen zusammen, die Katze springt zum Tierarzt herüber und obwohl sich Hund und Katze nicht wirklich viel zu sagen haben, nickt man sich einander zu. Dann löffeln wir einträchtig Porridge, schlürfen Tee ( Tierarzt ) und Milchkaffee ( Fräulein Read On ) und lesen die Zeitung nach, ich ratsche mit der lieben C. und schiebe dem Tierarzt warmen Sanddornsaft herüber. Der Tierarzt stellt meine Milchkaffeemilch auf das Stövchen, gelbe Blätter fliegen vorbei, ich begutachte den Stapel Feuerholz, der Tierarzt schnuppert vorsichtig einer aus Berlin mitgebrachten Quitte und so sind wir sonntäglich beisammen.

Der Priester nämlich, unser sonntäglicher Gast, ist zu missgestimmt zu einem Priesterseminar nach Clonmel entschwunden, nicht ohen zu murmeln: „48 Stunden unter Idioten“. Für den Priester, dem das Fluchen ja quasi beruflich untersagt ist, war das ein so unerhört starker Ausdruck, dass ich ihm Äpfel und Kekse aufnötigte, um ihn milder zu stimmen. So aber spazieren der Tierarzt und ich zu Kälbchen herüber. Vorher aber viertele ich Äpfel und Karotten scharf beäugt vom Tierarzt, der Kälbchen ja nur das Beste vom Besten zugesteht. Sollten Sie in der Annahme leben, Kälbchen bekäme Fallobst angereicht, so irren Sie, Fallobst schneide nur ich mir in den Obstsalat. Unser Verhältnis zu Kälbchen entspricht in etwas dem alter Eltern, die noch den dreißigjährigen Kindern die Wohnung putzen, denn es ist ja ein Liebesdienst und die Kinder freuen sich ja auch so. Dann stehen wir an der Weide und Kälbchen kommt blökend angerannt und rammt seinen schweren Kalbsschädel in den dünnen Tierarzt, der sich zwar an mir und einem Zaunpfahl festklammern muss, um nicht umzufallen, aber der Liebe ist bekanntlich nichts zu schwer. Kälbchen blökt und verschlingt Äpfel und Möhren. Der Tierarzt strahlt: „Kälbchen hat sich so gebessert, sagt er.“ Denn diese Woche hat Kälbchen den Esel nur zweimal verhauen und heuer darf ich ihm sogar unter der Hand eine Mohrrübe und ein halbes Äpfeli zustecken. ( So muss sich Schweigegeld anfühlen. ). Der Tierarzt schwärmt von Sozialkompetenz und der Möglichkeit einer langen und erfüllten Freundschaft zwischen Kälbchen und dem Esel. „Du klingst wie ein Vater, der sich freut, dass sein Sohn nur Drogendealer und nicht auch bewaffneter Raubmörder geworden ist, lieber Tierarzt“, sage ich. „Still so young, but so cynical, world-weary and bitter“, sagt der Tierarzt zu Kälbchen und würdigt mich keines weiteren Blickes mehr. Dann laufen wir zurück und laufen der Frau des Krämers in die Arme: „Na Tierarzt waren Sie bei Kälbchen“, fragt sie. Wir nicken. Die Frau des Krämers verdreht schmachtend die Augen: „Sie sind ja ein richtiger Kuhflüsterer“ kräht sie und fügt hinzu wir lieben den Robert Redford ja alle, aber sie Tierarzt, sind ja auch ein richtiges Schnuckelchen.“ Dann eilt sie kichernd davon. Der Tierarzt schwört, dass er die Frau des Krämers eines Tages mit ins Affenhaus nähme.“ Durch den Nieselregen stapfen wir zurück nach Haus. „Hoffentlich holt Kälbchen sich keinen Schnupfen“ sagt der Tierarzt.“

Dann klingelt die Kinofreundin des Tierarztes. „Robert Redford“ rufe ich die D. ist daaaaa.“ Die D. sieht mich verwundert an. „Was für einen Film seht ihr denn?, frage ich die D. „Bladerunner 2049“ antwortet sie und mein Gesicht muss besonders ahnungslos aussehen, denn sie fügt etwas von einem Replikanten hinzu. „Replikant?“, frage ich den Tierarzt, der sich die Schuhe zubindet, ist das eine Art Auszubildender im Weltraum?“ Die Kinofreundin sieht mich entsetzt an und zieht den Tierarzt hinter sich her.
Dann gähne ich zweimal, ziehe mir das warme Plaid über die Schultern und schlafe wieder ein.

 

In den Händen nicht nur Musik

Damals als ich mit meiner Großmutter zusammen lebte, da gehörten die Freitagabende der Musik. Am Freitagabend fuhren wir in die Philharmonie. Ich mit schlechtem Gewissen, weil doch der Shabbat begann, meine Großmutter mit spöttischem Lächeln: „Du musst immer daran denken, dass G*tt jetzt gerade sowohl Glenn Gould als auch Arthur Rubinstein zu sich zitieren kann.“ Ich liebte sie mehr und ich liebte die Musik und lief ihr hinterher. Dann kamen andere Jahre und meine Freitagabende gehörten anderen Verpflichtungen als zwei Stunden im Konzerthaus zu sitzen und noch immer sind die Verpflichtungen oft an Freitagabende gebunden, aber immer wieder habe ich doch einen Freitagabend vor mir liegen, der mir ganz allein gehört, denn seit meine Großmutter nicht mehr lebt, gehe ich am Liebsten allein ins Konzert und so lief ich auch gestern Abend durch den Regen in die National Concert Hall. Immer laufe ich ein bisschen freier, immer liegt auf dem Weg noch ihre Hand in meiner und vielleicht hört sie mich doch, summe ich die ersten Takte vor mich. Ich vergesse fast alles, nur die Musik, die ist immer bei mir geblieben und wenig Dinge vermisse ich so schmerzhaft in Irland wie mein Klavier.

1874, das Jahr ging schon zu Ende, da schrieb Tchaikovsky sein Klavier Konzert No.1 in B-moll und neigte es seinem Freund und Mentor Nikolai Rubinstein zu. Der fand es schrecklich, schüttelte sich und schüttelte wohl darauf hin auch seinen Freund Tchaikovsky. Rubinstein schrie Tchaikovsky nieder vulgär, stümperhaft, tapsig und eine Qual für die Ohren. Tchaikovsky allein ging zu der Weihnachtsfeier, die er mit Rubinstein gemeinsam besuchen wollte. Rubinstein schäumte allein weiter und Tchaikovsky stellte sich stur und seiner fernen Liebe Nadzheda von Meck schrieb er, dass er keine Note ändern würde, soll der Rubinstein doch nur schreien. Er, Tchaikovsky sei doch kein prinzipienloser Lump. Aber vielleicht ahnte Rubinstein doch, dass dieses Konzert oft, viel zu oft und viel zu oft sehr schlecht gespielt werden würde, als das es sich verwerfen ließe und niemand anders als er selbst würde es wieder und wieder spielen. Es war ein Konzert, dass um die ganze Welt lief, ein Konzert, das selbst diejenigen kennen, die maulen: klassische Musik ist ja voll blöd, ey, ich hör nur Kollegah oder so. Sie wissen es nur nicht und sie wissen auch nicht, dass selbst Kollegah oder so bei diesem Stück weinen wie die jungen Welpen. Es ist ein Konzert, das alles falsch macht, Motive verschwinden, Akkorde wiedersprechen sich, Tchaikovsky fügt ein Lied ein, was seine französische Geliebte trällerte, und das war was von ihr blieb, es ist ein Konzert, das sich nicht schert um Konventionen und Komponistenwürde und man verliebt sich sofort und unwiederbringlich. Und alle, alle Pianisten haben es gespielt. Gestern Abend setzt sich Boris Giltburg ans Klavier. Aber das ist schon falsch, denn das Klavier ist an diesem Abend kein Steinway Flügel, kein Instrument mit schwarzen und weißen Tasten und Pedalen, sondern es lebt wirklich, lebt für die ganze halbe Stunde des Klavierkonzerts von Tchaikovsky. Längst sind ja auch schon Konzerte professionalisiert und oftmals nur dazu da, dass technische Performance zur Schau zu stellen, um nicht zu sagen Fingerfertigkeit, aber an diesem Abend ist alles anders, denn da versinkt jemand im Klavier und nimmt uns mit, so tief hinein in die Musik, wie man sie nur selten findet. Da am Flügel sitzt ein Pianist, der sich nicht scheut uns mit hinein zuziehen, in dieses Stück, der Pianist dort am Flügel, der spielt kein Konzert, der macht Musik, der spricht mit Tchaikovsky, der lächelt mit der Geliebten, die jener im Konzert versteckte, der lächelt leise über das Unaufgelöste und zeigt uns warum im Widerspruch allein das Ganze liegt, und es ist als stünde Tchaikovsky in der Tür, rauchte eine Zigarette und nickte: so, Rubinstein, so kann es klingen, wenn man nur will. Es ist ein Pianist, dort am Klavier, der einer Katze gleich, die Töne hält, sie laufen lässt, der mit der Musik so vorsichtig, so acht, so einverstanden umgeht, der dem Flügel Aufmunterung zuflüstert, denn leicht, nein leicht ist es nicht, nein das ist kein Konzert zum Ausruhen, das ist ein wildes und freies Stück, ungezähmt und schnellen Fußes drängt es vorwärts und der Mann am Klavier, der Mann, der fast im Flügel verschwindet, der uns in der Annahme lässt, die Tasten bedürften der menschlichen Hand im Grunde gar nicht, und trügen die Musik alleine fort, aber es sind seine Hände und seine Hände sind Musik.

Man kann vieles beim Klavier spielen lernen, ein Irrtum ist man lernte Noten und spielte dann eben Musik, aber hier am Abend im Konzert, da kann man lernen, da sehen wir, in den Händen des Pianisten am Klavier was Annäherung, was Zuwendung, was Hingabe, was Verführung, was Zuhören, was Achtgeben, was Loslassen ist, und wie zerbrechlich wie schön Nähe ist, die immer auch in der Zurücknahme des Eigenen liegt, denn dieser Mann dort am Flügel, der malträtiert das Klavier nicht, der fährt dem Orchester nicht über dem Rücken, er bliebt in der Musik und sucht nach der richtigen Sprache und es ist die Sprache einer großen Liebe. Wir hören Musik und wir sehen, wer wir sein könnten, legten wir so viel Überlegung in unsere Hände wir der Mann am Flügel es tut.

Sehr selten wünschte ich mir, ich hätte unendlich viel Geld, aber gestern wünschte ich es mir wirklich sehr, denn dann würde ich Flugzeuge mieten, die jungen Männer aus der Aufklärungssprechstunde, die nicht wissen wie und all die Männer ob sie nun Weinstein heißen oder nicht, oder ganz anders, die im Vorbeigehen in Blumentöpfe ejakulieren und zudrücken, unter dem Tischtuch und anderswo und die überhaupt ihre Hände nur demonstrativ gebrauchen, hier kann man sehen, man braucht gar keine großen Worte machen, wie es sein kann, legt man nur Achtung in seine Hände, wie man sich rückversichert mit einem Partner, der so wird irrtümlich angenommen doch nur aus Holz und schwarzen und weißen Tasten besteht, hier bei Boris Giltburg kann mit den Händen zuhören lernen, hier mag man sich fragen ob es nicht gelte unseren Händen zu mehr Achtung zu verhelfen. Dann muss man die Augen schließen für einen Moment, denn dieser Mann am Klavier spielt überwältigend und es ist eine Überwältigung, in der die Freiheit liegt, nicht die Angst vor dem Ersticken. In nur sehr wenigen Konzerten habe ich den Dirigenten mit geschlossenen Augen neben dem Pult stehen sehen. Dieses Konzert gehörte dazu. Es wurde an diesem Abend auch noch Bach und Brahms gespielt, aber an diesem Abend hat Boris Giltburg, Tchaikovskys Klavier Konzert Nummer 1, in B-Moll gespielt und uns mehr als Musik in die Hände gelegt.

Ich weiß es sind Dreißig Minuten und niemand hat heute mehr Zeit, aber es sind auch dreißig Minuten, die man nicht vergisst. Das Klavierkonzert beginnt ab Minute 18:40.

12 Bilder, ein Tag. Die Irland-Ausgabe.

Gestern war es wieder so weit. Ganz Bloggersdorf sammelte 12 Bilder und da will auch die Außenstelle: Kleinst-Gälisch-Bloggersdorf nicht fehlen.
Ganz Bloggersdorf zeigt seine zwölf Bilder schon immer bei Draußen nur Kännchen.

Porridge it is. #1v12 #12von12 #porridge #porridgeforthepeople

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Hier beginnt der Tag mit Porridge. Auf dem Porridge sollten sie sich wundern, ist nicht getrocknetes Blut zu sehen, sondern Beerenkompott, denn wir die wir im außertropischen Monsun ( auch bekannt als irischer Regen ) unser karges Dasein fristen, versuchen den Sommer wenigstens in Kompottform zu konservieren.

Klabautermann. Ähm. Klabauterfräulein. #2v12 #12von12 #klabautermänner

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Im Oktober aber verwandelt sich das Fräulein Read On in einen Klabautermann. Sie wickelt sich in einen gelben Wetterfleck, der ungefähr fünfmal so groß ist wie sie selbst, zwei Strickjacken trägt sie unter dem Wetterfleck und erschrickt so sehr zuverlässig, Möwen, Menschen und auch Katzen. Sollte Ihnen einmal ein Michelin Männchen mit Shetlandponyhaaren begegnen, der den Klabautermann alt aussehen lässt, das bin dann sehr wahrscheinlich ich.

The morning is still sound asleep. #3v12 #12von12 #dublin #dailycommute

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Meine Großmutter sagte, die Dinge, die man vor zehn Uhr schafft,sind das Siebenfache dessen, was man nach zehn Uhr schafft. Mit diesen Worten im Ohr eile ich vom Zug in die Stadt und vom Bahnhof ins Institut, seit Jahr und Tag komme ich nie später als 6.30 Uhr und wenn ich wild lebe gegen sieben Uhr zur Tür herein.Lachen Sie nur, ich kann nicht aus meiner Haut.

Suppenkasper. #4v12 #12von12 #spoonitup #blackeyedpeas

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Am Donnerstag ist der Tierarzt im Zoo und so trifft man sich zur Mittagsstunde in der Stadt und macht sich schöne Augen. Nebenbei schlürft man eine Suppe. Gestern gab es eine Tomatensuppe in der Black Eyed Peas schwammen, aber die Augen des Tierarztes sind doch schöner. Die Suppe nicht den Tierarzt können Sie in der Chocolate Factory selbst probieren.

At the crossroads. #5v12 #12von12 #crossroads #dublin

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Der Tierarzt fährt links zurück in den Zoo und ich laufe geradeaus ins Institut zurück. Das ist manchmal auch ein Zoo.

„Halt durch Mädchen“, sagt der Tierarzt. ( Die Auszubildende )

„Lass Dich nicht beißen“, sage ich. ( Der Löwe, das Krokodil, der missgelaunte Orang-Utan.

Gegen die Wand aus Stille.( Karte Nummer 106 ) für Mesale und Kitty für ihren Sohn. #freemesale #schreibmeşale #6v12 #12von12

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Jeden Tag eine neue Karte und jeden Tag fällt die Karte schwerer. Die fortgesetzte Untersuchungshaft für Mesale Tolu und ihren Sohn macht mir sehr zu schaffen und ich wünschte mir fiele etwas Besseres ein, als eine Karte. Eine Papierfliegerkette. Ein Luftballonsbefreiungskommando. Ein Brieftaubengeschwader, dass Sie dort endlich herausholte aus dieser Hölle.

Karte Nummer 210. Manchmal sehe ich auf die Zahlen und wie bei Mesale Tolu überfällt mich auch hier die gleiche rasende Hilflosigkeit. So weit ich es weiß, erreicht Deniz Yücel keine der Karten. Es gibt viele verschiedene Wege einen Menschen zum Verschwinden zu bringen, die Türkei zeigt gerade Wie.

Waiting, reading, eating. #8von12 #12von12

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Warterei mit sehr guter Zimtschnecke und einem Buch, über das mich auf Seite Drei schon sehr geärgert habe, das es nichts mehr werden wird mit uns beiden.

Just in case you wonder how dark our village truly is. It is that dark. #9v12 #12von12 #dark #thisisireland

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Wenn Sie sich fragen, wie dunkel es eigentlich ist in einem kleinen, irischen Dorf. So dunkel ist es. Seit Jahren schon sind die Straßenlaternen abgestellt oder kaputt.

Ich muss noch eine Birne wechseln. #10von12 #12von12 #hahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahahaha

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Im Schlafzimmer muss eine Glühbirne gewechselt werden und ja, ich kann darüber wirklich sehr lachen. Immer noch. Schon wieder. Noch viel mehr als Sie glauben. Hihihihihihihihih.Hahahahahahahahaha.

Clean teeth. #11von12 #12von12

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Zähne putzen nicht vergessen. Wieder einmal ein Bild von bestechender Aussagekraft und dem wiederholten Beweis: ich mache die schlechtesten Bilder der Welt.

Book and bed. Nite-Nite. #12von12 #book #vikramseth #nowreading #asuitableboy

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Dieses Buch ist mir ein heimatlicher Hafen. Meine alte Ausgabe war so zerlesen, dass ich mir eine Neue anschaffen musste. Lesen Sie Vikram Seth. Sie werden es nicht bereuen.