Bitterkeit

Am Morgen schwappt die Bitterkeit über mich hinweg. Eine große, schwarze Welle ist die Bitterkeit, kalt und dunkel. Als ich aus dem Haus gehe, liegt etwas vor dem schiefen Tor, ich bücke mich und eine Glasscherbe fährt mir mitten durch die Hand. Die Sommergäste des Dorfes haben Abschied gefeiert und dazu gehört, dass sie betrunken durch das Dorf ziehen und Bierflaschen gegen die Kirchhofmauer, die eben auch meinen Garten begrenzt, schleudern. Aber es tickt auch die Uhr und ich gehe natürlich nicht zurück ins Haus, sondern renne mit der blutenden Hand in ein Tuch gewickelt zum Zug, denn nichts wäre ja schlimmer als den 6. 00 Uhr Zug zu versäumen und ich lehne den Kopf gegen das kühle Fenster und die Bitterkeit schwappt über mich herüber, eisig legt sie sich mir auf die Stirn. Ich starre auf die blutende Hand und bitter klebt mir die Zunge am Gaumen. Immer schon ging es nur ums Weitermachen in mir. Als ich ein Kind war vor vielen Jahren, da wetteten eine Freundin und ich, wer länger auf dem Kopf stehen konnte und auch als sie schon lange wieder aufrecht stand, da konnte ich nicht nachgeben, sondern blieb mit durchgedrücktem Rücken kopfüber stehen, bis mir schwarz vor Augen wurde und ich einfach umfiel. An das Gefühl von Bitterkeit erinnere ich mich noch immer, darüber, dass ich nicht aufhören konnte, einfach nicht aufhören konnte, an das bittere Entsetzen über die Härte unter meiner Haut, die mich nie, nicht einen einzigen Tag lang losgelasssen hat.

Im Büro kippe ich Desinfektionsmittel über den klaffenden Riss und beiße mir auf die Unterlippe und es bleibt ein bitterer Geschmack im Mund zurück und die brennende Hand, die nehme ich mit durch den Tag. Den ganzen Tag lang also höre ich Menschen zu, die niemals, das weiß ich genau mit blutender Hand darüber nachdenken, ob sie wohl den ersten Zug erwischen. Die Frauen und Männer erzählen, wie sie wurden, was sie sind. Sie erzählen von Zufällen, von glücklichen Wendungen, von sich wundersam öffnenden Türen, von Netzwerken von der großartigen Erfahrung Fehler machen zu dürfen ohne etwas befürchten zu müssen, von Superhelden und von Mentoren die ihnen Vorbilder sind und einem Sommer in den Hamptons, der sich als wegweisend erwies. Meine Zunge ist ein dicker Klumpen und die Bitterkeit ist eine ätzende Säure in meinem Hals. Was soll ich hier eigentlich und was soll ich hier denn sagen: Hi, ich bin Read on, ich habe für jeden einzelnen Fehler bitter bezahlt und meine einzige Inspiration ist die heillose Angst es nicht zu schaffen, ich hebe immer noch fünf Cent Stücke auf der Straße auf, weil ich genau weiß wie es ist, wenn einem am Monatsende fünfundsiebzig Cent fehlen und ich hatte drei Jobs um mich durch das Studium zu bringen. Mein Netzwerk ist die Gruppe der rumänisch-polnisch-senegalesischen Frauen mit denen ich putzte damals im Akkord, Hotelzimmer nämlich in der Hipsterhauptstadt Berlin, wo alle doch so viel Spaß hatten, ich hatte Rückenschmerzen vom Teppich shampoonieren und eine Nachtschicht in Aussicht. Die Bitterkeit läuft mit über den Rücken: „Hi sage ich, ich bin Read On“ und der Riss in meiner Hand fängt wieder an zu bluten. Ich lege das Programmheft über meine Hand.

Dann sind die Bitterkeit und ich allein und irgendwann klopft es und die Schwester des Tierarztes kommt herein. Die Schwester des Tierarztes verachtet mich bekanntlich herzlich und ich muss zweimal einen Schwall Bitterkeit herunterschlucken bevor ich sagen kann: „Was kann ich für Dich tun?“ So als wüsste ich das nicht. Sie sagt: „Ich brauche Geld.“ Sie sagt es mit dem Ton, in dem alle Goldkinder sprechen. Anklagend und selbstgerecht, so als sei die Welt und natürlich auch ich ihr etwas schuldig geblieben. Der Tierarzt ginge ja nicht ans Telefon und auch das sei natürlich meine Schuld. „Wie viel?“, sage ich, denn das Telefon klingelt und sie zuckt mit den Schultern, so als sei es eine Zumutung sie mit einer solchen Frage zu belästigen. Das Telefon klingelt, ich gebe ihr Geld und als ich das Telefonhörer auflege, sind die Bitterkeit und ich wieder allein im Zimmer. Die Bitterkeit pocht gegen meine Schläfen. Im stillen Zimmer übe ich:

„Tierarzt, deine Schwester kam schon wieder wegen Geld zu mir.“ ( Fragezeichen am Ende)

„Tierarzt, wir zahlen doch schon: Sportverein, Sportausrüstung, Turnschuhe, Klassenfahrten und und und für den Neffen. Ich möchte nicht auch Bargeld an deine Schwester geben.“ ( Punkt am Ende )

„Tierarzt wäre es nicht auch schön, wenn deine Schwester versuchte einen Job zu finden.“ ( Ausrufezeichen am Ende )

Aber so sehr und so lange ich auch übe, die Bitterkeit schleicht sich in jeden meiner Sätze und hallt noch lange durch das stille Zimmer, da habe ich schon lange aufgehört die Sätze wieder und wieder zu üben. Irgendwann mache ich das Licht aus, schalte den Computer und die Bitterkeit und ich, wir sitzen im dunklen Zimmer und sehen uns an. Irgendwann stehe ich auf und fahre zurück nach Haus. Der Tierarzt telefoniert mit seiner Mutter. Seine Mutter schreit durchs Telefon, dass seine Schwester eben Unterstützung braucht und er und ich wir hätten doch studiert, und überhaupt was würde ich mir eigentlich dabei denken seine Schwester mit 200 Euro abzuspeisen. Die Tasche rutscht mir von den Schultern, und ich drehe mich um, ziehe die Haustür hinter mir zu und laufe hinunter ans Meer. Der Wind und der Regen wehen in mein Gesicht, aber die Welle die mich trifft, ist keine aus Salzwasser, ist nicht die Irische See, sondern ist schwarz und kalt die Bitterkeit, die unerbittlich gegen meine Rippen drückt. Als ich nach einem Taschentuch suche, fängt meine Hand wieder an zu bluten.

32 Gedanken zu “Bitterkeit

  1. Hallo Read On, ich lese so gerne bei Dir mit, und freue mich für Dich oder habe wie heute auch ein schales Gefühl .Ich mag es, wie genau Du die guten und auch anstrengenden Tage beschreibst. Und ich hoffe, dass auch die Schwester sieht oder erkennen kann, wieviel Hilfe sie bekommt.
    Verkanntes Glück…meine Autokorrektur schreibt Verdammtes Glück..;)

  2. Fräulein Readon, sie scheinen sich zu verausgaben. Vielleicht ist die Bitterkeit nur eine unbequeme aber um Sie besorgte Verwandte, die manchmal auftaucht und versucht Sie vor Ihrer eigenen Großzügigkeit zu beschützen?

  3. Da hilft in meinen Augen nur, sich klar gegen diese unangebrachten Forderungen abzugrenzen und NEIN zu sagen. Und dann auszuhalten, dass andere (ungerechtfertigt) beleidigt sind. Wir sind nicht auf der Welt, um die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen sondern den eigenen (hohen) Erwartungen gerecht zu werden. Wer denkt, dass 200 Euro eine geringe Summe sind, kann sie ja gerne selber zur Verfügung stellen und nur weil jemand ein Studium absolviert hat, heißt es nicht, dass man Faulpelze (egal ob Familie oder nicht), durchzufüttern hat. Tut mir leid, wenn ich das so deutlich sage, aber solange die Schwester des Tierarztes mit dieser Masche Erfolg hat, wird sie sich nicht ändern. Egal wie sehr man sich selber über sie ärgert. Und ich denke, dass diese 200 Euro liebend gern als Bananengeld gegeben würden, wo sie auch besser aufgehoben wären. Das unangebrachte Ansinnen nach Geld der Tierarztschwester auszuschlagen hat also nichts damit zu tun, geizig zu sein, sondern nur damit, sich nicht ausnutzen zu lassen. Das nächste Mal also tief einatmen und NEIN sagen. Nicht begründen, nicht rechtfertigen, einfach NEIN. Dann die Jalousien runter und den Unmut anderer erst gar nicht eindringen lassen.
    Tut mir leid, dass ich hier so rumpoltere, aber bei solchem Verhalten hört sich bei mir wirklich alles auf. Sie sind wirklich zu großherzig und die Schwester des Tierarztes weiß das ganz genau.

  4. Liebe Read On, ich lese hier schon länger still mit, Ihre Texte gehen mir immer ans Herz, sie lassen mich lächeln oder – so wie heute – betroffen zurück.

    Egal was ich dazu alles sagen könnte aus meinem Fundus an Erfahrungen, ich spare es mir, weil Sie eine gescheite Person sind, die das alles sicher selbst weiss. Aber wissen und anwenden sind oft zweierlei Paar Schuhe und so wünsche ich Ihnen aus tiefstem Herzen, dass Sie und auch der Tierarzt die Kraft finden, den Schatten abzuschütteln und dass Sie irgendwann und hoffentlich bald sich lösen vom Gedanken „durchhalten“ zu müssen und sich nicht mehr ausnehmen lassen. Dann verschwindet auch die Bitterkeit, davon bin ich überzeugt.

    Alles Liebe Ihnen und hoffentlich bald wieder fröhlichere Tage!

    Liebe Grüsse
    Clara

  5. Herzschmerzen beim Lesen. Und wenn ich die Bitterkeit durch Angst ersetze, dann erkenne ich viele Jahre meines Lebens wieder, bis ich es schaffte, mich abzuwenden.

    Keine guten Ratschläge von mir. Die Momente sind es, die passen müssen, nicht die Geldscheine, Schwestern, Mütter, Krämerinnen, Skins.

    Ich wünsche Ihnen, dass Ihr Herz irgendwann frei von all dem sein kann und Sie sich selber voller Freude lieben können.

  6. Oh nein. Krass. Ich verstehe deine Bitterkeit so gut. Es sind ja immer diese Menschen wie du, die so offen und sensibel sind, die denn ganzen Mist abbekommen.

    (Arbeitest du als Therapeutin?)

  7. Im Fall der Schnorrerin ist der Tierarzt gefragt. Er muss unterbinden, dass die Schwester Sie angeht wegen Geldes. Nicht nur um Sie zu schützen, sondern auch, damit sich die Bitterkeit nicht eines Tages gegen ihn wendet!

  8. Bähm, der haut mir in die Magengrube, der Text.
    Irgendwie ist es in den letzten Jahren weniger geworden bei mir mit der Bitterkeit, fällt mir da grad auf. Ich weiß nicht genau wie. Ich glaub, das Mutter-Dasein hat mir ganz ungefragt ein paar Lebensweisheiten reingedrückt, die nicht nur für den Umgang mit Kindern passen: Immer gut auf dich selbst achten. Nicht mehr geben als du aushältst. Du kannst nicht erwarten, dass dein Gegenüber Dankbarkeit empfindet oder gar äußert.

  9. „Als ich ein Kind war vor vielen Jahren, da wetteten eine Freundin und ich, wer länger auf dem Kopf stehen konnte und auch als sie schon lange wieder aufrecht stand, da konnte ich nicht nachgeben, sondern blieb mit durchgedrücktem Rücken kopfüber stehen, bis mir schwarz vor Augen wurde und ich einfach umfiel. An das Gefühl von Bitterkeit erinnere ich mich noch immer, darüber, dass ich nicht aufhören konnte, einfach nicht aufhören konnte, an das bittere Entsetzen über die Härte unter meiner Haut, die mich nie, nicht einen einzigen Tag lang losgelasssen hat.“

    Das geht mir sehr zu Herzen, dieses ‚bittere Entsetzen‘ des Kindes, das mit sich selbst so
    unerbittlich war. Vielleicht liegt hier ein Schlüssel(Erlebnis) mit dem das Heute neu und anders aufgeschlossen werden und das ‚alte Weitermachen‘ sich verabschieden kann?

    @donferrando und andere Kommentare hier zeigen schon schon mal, wie das gehen kann.

    Da Sie und der Tierarzt doch auch humorvolle Menschen sind, könnte der Mutter-Schwester-Anspruchshaltung mit einer Art von paradoxer Intervention begegnet werden.
    Stelle mir das Gesicht vor, wenn Sie z.B. der Schwester sagten: „Entschuldige, dass ich dir leider heute nur lumpige …..€geben kann. War krank und konnte keine Zusatzschichten machen. Werde natürlich schauen, dass ich diesen Monat mehr Nachtdienste schieben kann, und auch der Tierarzt macht sich Gedanken, was er sich noch vom Munde absparen kann.“

    Dass dem Tierarzt bei solch auffressender Verwandtschaft der Appetit vergangen ist, kann ich nur zu gut verstehen. Da hilft nur, sich aus deren Fängen zu befreien. „Symptomverschreibung“ kann dabei hilfreich
    sein (siehe Logotherapie – Viktor Frankl)

  10. @Kiki – es gibt sehr viele unterstützende Angebote und Hilfen für Menschen die anderen Menschen Unterstützung und Hilfe geben, egal ob sich das Supervision, Coaching, Therapie oder schlicht Begleitung nennt.

    Vielleicht, liebe ReadOn , interessiert Sie der folgende Kongress in Berlin (klar, eine Frage der Zeit und des
    Zeitpunktes): *Fühlen und Erleben in schwierigen Zeiten*
    http://www.existenzanalyse.com/index.php/berliner-institut-topmenu-46

    Aaron Antonovsky ist Ihnen ein Begriff?

  11. Liebes Frl. Read on, ihr Text hat mich sehr betroffen gemacht und auch ein bisschen wütend. Die Schwester des Tierarztes verachtet Sie und sie geben ihr Geld? Wieso??? Dass der Tierarzt sich gegen seine Verwandten (um die er wahrlich nicht zu beneiden ist) nicht durchsetzen kann oder will ist eine Sache. Aber Sie können das. Sagen Sie nein. Sie müssen sich nicht rechtfertigen, es ist ihr Geld und sie haben es sich erarbeitet. Wenn Sie damit andere Menschen unterstützen ist das lobenswert; jedoch vielleicht eher die, die Sie nicht verachten.
    Und wütend bin ich natürlich nicht auf Sie, sondern auf alle Tierarztbrüder und -schwestern da draußen die ernsthaft glauben, das Leben sei Ihnen irgendetwas schuldig; die einfach nicht begreifen wollen, dass jeder seinen Beitrag leisten muss (sofern er es kann). Es ist ein Elend.
    Das alles wissen Sie natürlich selbst und sicher haben Sie Ihre Gründe für ihr Tun, doch eines möchte ich Ihnen nahelegen: denken Sie auch an sich. Die eigenen Bedürfnisse immer hintenanzustellen und durchzuhalten, obwohl der Akku fast leer ist, öffnet der Bitterkeit Tür und Tor. Und vielleicht auch noch Schlimmerem.

  12. Yes, like acid. And it seems to burn one away, until there seems to be only holes and all love and life seems to trip out.
    And then I clench my fist and also run down to sea and I scream bitterness and frustration into the waves. Or I let sand pass through my fingers again and again, keep watching it until all me is empty and drained and calm following the noise and up and down of waves until it fills me again. I hum a tune, notes again and again. All thoughts gone, only senses. Slowly life washes in again, black and bitterness gone. I feel bruised and washed out, but there is life and hope and laughing and love and they take rein again.

    Sending a hug. Look after yourself.

  13. Die starken bekommen immer noch mehr aufgeladen. Das kenne ich auch aus dem privaten und von der Arbeit. Der macht das doch nichts aus, das geht doch auch noch.
    NEIN sagen kann man verlernen und wieder lernen. Ich übe es gerade in allen Bereichen. Privat und beruflich 🤗

  14. Schwer, Worte zu finden, nach dem Lesen.

    Schwerer noch, die richtigen zu finden.

    Vielleicht nur dies: Auch ich kenne einen, der blutete heute. Hier.
    Es ging um Leben und Tod, und es ging gut aus heute, – Gott sei Dank.
    ________________________________________________________

    Und bevor wir nun alle beginnen, Lotto zu spielen, damit wenigstens einer gewinnt, der – nach dem unvermeidlichen Lottogewinn … – das Fräulein und den Herrn Tierarzt vor weiteren Zahlungen wenigstens ein wenig entlasten kann, sei, aus meiner Sicht, die – finanzielle (!) – Verantwortung fürs Schwesterchen vorerst dem Tierarzt übergeben.

    Das Fräulein hat schließlich kürzlich bereits das Kälbchen gerettet !

  15. Der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ich dachte mir schon als Sie zu einem großen Feiertag kochten und vorbereiteten etc., dass Sie sehr viel Last tragen. Ja, Sie machen es gerne, aber mit all Ihren Jobs ist es irgendwann genug. Schalten Sie einen Gang zurück. Sie können die Welt nicht alleine retten. Ich kannte eine Frau, die auch dachte sich um alles kümmern zu müssen. Sie ist viel zu früh gestorben. Es war es nicht wert. Passen Sie auch sich auf.

  16. Liebe Read One ich mag heute keine klugen Antworten finden, aber ich umarme dich ganz fest. Streichle die Katze und geh zum Kälbchen, kuschle dich in deine Lieblingsdecke und dann kommt hoffentlich die Sonne und nimmt dir die Bitternis.

  17. Was für ein schöner Text, mit diesem Inhalt, der das Lesen nicht leicht macht. Ich hoffe, dass morgen ein besserer Tag ist und die Bitterkeit jemand anderem ums Herz schleicht.

  18. Liebe ReadOn,
    ich hoffe, Ihre Hand blutet nicht mehr und die Wunde heilt?
    Um weiteren Verletzungen vorzubeugen: Bitte heben Sie nicht mehr jede Glasscherbe auf, die
    auf Ihrem Wege liegt, (es gibt ja auch andere Hilfsmittel mit der Gefahrenquellen
    begegnet werden kann).
    In Sorge um Sie schicke ich viele gute Gedanken . 💖

  19. Los amigos se escogen, la familia te toca. Man kann der Familie aber auch den Rücken kehren, ich habe auch kein Kontakt mehr zu meinem Schnorrer von einem Bruder: Er hat sein Leben lang unseren Vater ausgenommen wie eine Weihnachtsgans, als er verstarb (wie ich meine, über meinen Bruder verbittert), wollte er, dass ich die Rolle des Sponsoren à fonds perdu übernehme. Ein deutliches Nein! plus einige Tausend Kilometer Entfernung und ich habe seit drei Jahren nichts von ihm gehört. Das kann gerne so bleiben: ich kann mir meinen eigenen Bruder nicht leisten! Weder pekuniär noch seelisch.
    Ihnen wünsche ich viel Kraft!

  20. Wenn die Bitterkeit zuviel wird, vergiftet sie das Herz.

    Damit man anderen helfen kann, muss man erst sich selbst lieben. Dazu gehört das Erkennen der eigenen Endlichkeit. Ich drücke Ihnen fest die Daumen, dass Sie es lernen, Grenzen zu setzen. Nicht nur ihren Mitmenschen gegenüber, sondern auch an Sich selbst.

    Auch wenn es sich hart anhört, langfristig ist Hilfe zur Selbsthilfe effektiver und ja, dafür wird man anfangs verflucht. Aber was ist schon einfach?

  21. Liebes Frl. Read On,
    Ihr Text fährt mir unter die Haut, in Teilen erkenne ich mich wieder.
    Fühlen Sie sich fest umarmt!
    Herzliche Grüße
    Ihre Lexi

  22. Das erinnert mich an einen Kurs für spezielle Menschen: „Fluch & Segen des Wortes JA – Workshop in Lichtlosigkeit“ unter http://www.fu-berlin.de/sites/weiterbildung/weiterbildungsprogramm/gesundheit/gfkom/gf$bgf107-jp17.html

    Dieser Beitrag hat mich traurig gemacht, genau wie die anderen 30 Kommentatoren. Falls Frl. Read On testen möchte, ob ihre Gefühle und Ängste rational und nachvollziehbar/ nacherlebbar sind, kann ich das hiermit bejahen.
    Ich finde nur die „weiblichen“ Weichmacher und Beileidsbekundungen kontraproduktiv, weiß aber im selben Augenblick, dass „männliche“ pragmatische Lösungvorschläge meist auf Granit stoßen werden.
    Ich glaube, dass tief im eigenen Kern bestimmte Regeln angepasst werden müssten, um nicht mittelfristig über die Dummdreistigkeit modernen Menschen zu zerbrechen.

    Das Geld der Schwester vorzuenthalten und „Nein“ aka „Sorry dear, not today!“ im vollen Bewusstsein OHNE schlechtes Gewissen ihr ins Gesicht sagen zu können, wäre ein wichtiges Ziel.

    Nur wie erreichen hochgebildete, religiöse, altruistische und grübelnde Ärztinnen dieses Ziel?
    Die überlangen What-If-Szenarien, die drohenden (sich weiter zuspitzenden) Konflikte, ein eventueller Bruch mit der Familie, dem sozialen Umfeld etc.?

    Vielleicht hängt das mit der Art zusammen, wie Frl. Read On Menschen im allgemeinen und sich selbst im Speziellen sieht.
    Sind alle Menschen „gut“? Eigentlich ja, vielleicht gibt es ein paar Ausnahmen. Ich bin gut und werde mich immer „gut“ und anständig, angepasst, verhalten, da ich keinen Konflikt im Privaten verursachen will.
    Antwort: Viele Menschen sind nicht offensichtlich „gut“, man könnte es aus ihrem Verhalten ableiten, nur was soll man machen, wenn kein vernünftiges Verhalten sichtbar ist?
    Man sollte dann annehmen, dass Menschen eher egoistisch und nicht unbedingt selbstlos sind. Sie sind häufig auf ihren eigenen Vorteil bedacht und merken schnell, welche Mitmenschen ausgenutzt werden können.
    Aber ich lasse mich doch nicht ausnutzen, ich schaffe es doch die Konflikte auf kleiner Flamme am Überkochen zu hindern!
    Nein. Konflikte sind immer da, und ja, nicht alle sollte ausgetragen werden. Andererseits kann keine Macht der Welt einen selbst zwingen sich einseitig zu „opfern“ um des lieben aber wackeligen Friedens willen.
    Aber diese Selbstaufgabe scheint den Preis des Friedens wert zu sein, wenn man depressiv im Regen an einem irischen Strand steht und den Wellen zuschreit, was man zu Hause aus Rücksicht auf die Lieben nicht wagt auszusprechen.
    Es muss auch nicht ausgesprochen werden, wie ich finde.
    Sich selbst mehr zu lieben als alle anderen Menschen ist okay.

    Das tun die meisten!

    Keiner geht damit hausieren, aber diejenigen, die eine gesunde Portion Egoismus aufweisen, schlafen meist besser und treffen im RealLife die pragmatischeren Entscheidungen.
    […es folgen ca. 500 Seiten Fachtext mit Fallbeispielen, die den Vorteil des eigenen Egoismus plastisch schildern…]

  23. Passen Sie auf sich auf, Read On!

    Und tun Sie sich selbst, dem Tierarzt, seiner Schwester und mir den Gefallen, und springen ihr wenigstens vorher in’s Gesicht, wenn Sie ihr schon Geld leihen müssen! (Und berichten dann bitte gewohnt graphisch von den fliegenden Fetzen!)

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