„A maid’s load oder Haushaltsschatten.“

Vieles was im großen und weiten Internet die Runde macht bekomme ich überhaupt nicht oder erst so spät mit, dass in Groß-Bloggersdorf längst schon ganz andere Themen auf dem Marktplatz besprochen werden.

Und so habe ich auch das Video, das Ariel India im Rahmen einer Kampagne gedreht hat, die dazu aufruft, dass Männer ihren selbstverständlichen Teil im Haushalt erledigen sollen, anstatt ihrer Frau Sonntags beim Blumen gießen zu helfen, erst neulich gesehen.

Das Video ist fast schon der griechischen Dramentheorie entlehnt: Die berufstätige Mutter kehrt beladen von der Arbeit zurück ( natürlich mit Laptoptasche: Indien ist ja jetzt Hightechland ) ihr Vater spielt mit ihrem kleinen Sohn, und während sie noch die Einkäufe ( frisches Gemüse!) auf die Arbeitsplatte wirft, verspricht sie ihrem Arbeitgeber schon die nächste Email. Dann bringt sie ihrem Mann, der auf dem Sofa fläzt Chai, rast zurück in die offene Küche ( das können die niemals in Indien gedreht haben ) und fängt an zu kochen, sammelt Spielzeug auf und wäscht dem Buben das verklebte Hemd ( es ist ja eine Waschmittelwerbung ) und all das beobachtet ihr Vater, der während er seine wirbelnde Tochter beobachtet von einer heftigen Katharsis überfallen wird: hat er nicht auch wie sein Schwiegersohn sich ein ganzes Leben lang von seiner Frau bedienen lassen? In einem Brief gesteht er seiner Tochter sein fehlerhaftes Handeln und kaum zurück zu Haus nimmt er seiner Frau die Wäsche aus der Hand und belädt selbst die Waschmaschine ( natürlich mit Ariel.) Schnitt.

Bei all den Geschichten, die dieses Video erzählt und offensichtlich erzählt es Geschichten mit denen Frauen in Berlin, Wien und London sich sofort identifizieren und es als ihre Lebensrealität interpretieren, die sich so sehr von den Frauen Delhis und Mumbais nicht unterscheide ,und von der aus sich gemeinsam organisierter Feminismus etablieren ließe, so wenig hat er mit irgendeiner indischen Lebensrealität zu tun.

Das Paar, das wir in dem Film sehen gehört ganz offensichtlich zu den 1 Prozent Indiens. Die Wohnung ist komplett westlich eingerichtet, nicht einmal ein Pseudo-Ganesha sitzt auf dem Regal, der Mann trägt ein Machester United T-shirt und sieht Fußball, dazu braucht man in Indien Sky und auf der Küchenanrichte steht italienisches Olivenöl ( italienisches Olivenöl ist in Indien abstrus teuer ), das ganze Leben, das diese Familie führt erzählt: hier mangelt es an Zeit aber nicht an Geld. Vielleicht ist er IT-Irgendwas bei einer Firma die in Hongkong und Dubai aktiv ist und sie ist vielleicht Rechtsanwältin in einer großen Kanzlei, die Klienten in New York, Shanghai und Mumbai hat. Internationales Vertragsrecht vielleicht. Was immer diese Familie, die es in Indien zweifelsohne gibt, nach Büroschluss macht, Aufräumen, die Waschmaschine befüllen, kochen, oder putzen ist es nicht.

Denn was in diesem Video völlig fehlt ist das Rückgrat jeder indischen Familie, die zur unteren, mittleren oder oberen Mittelschicht gehört. Jede indische Familie der Mittel-oder Oberschicht hat „Help.“ In jeder dieser indischen Familien sind mindestens drei Personen beschäftigt. Oft aber noch viel mehr.

Nach oben gibt es dabei keine Beschränkung.

So auch bei Familie Rajasthani, meine indische Familie, die zur mittleren Mittelschicht zählt, also deren Einkommen deutlich unter der Filmfamilie liegt. Morgens in aller Frühe ungefähr, wenn ich aufstehe kommt ein Mädchen, das die Dinge macht, die eine indische Frau niemals tun würde, wenn sie es nicht muss: die Toiletten putzen und den Balkon und die Terrasse kehren. Die Frauen, die die Toilette reinigen, tun dies bei mehreren Familien eines Blocks, denn wer in Indien die Toiletten reinigt, der wird niemals auch in der Küche Gemüse schneiden, kochen oder den Kindern Chai zum Frühstück machen. Für alles was in der Küche an Vorbereitungen anfällt, aber auch Wäsche waschen, die Betten machen und die Kinder der Rajasthanis von der Schule abholen, dafür kommt Sunita jeden Tag zu den Rajasthanis. Weil Herr Rajasthani liebend gern Auto fährt, hat Familie Rajasthani keinen Chauffeur, der sonst natürlich zu einem indischen Mittelklassehaushalt dazugehört. Die Rajasthanis haben auch keine Nanny, denn beide Frau und Herr Rajasthani arbeiten halbtags, um Zeit für die Kinder zu haben. Das heißt Zeit für: Schwimmbad, Malkurs, Mathezirkel, Videogame spielen, auf dem Bett hüpfen und so weiter und so fort, nicht zum Saubermachen, dafür hat man in Indien „Help.“.

Das Einkommen des Filmspots-Vaters läge im Jahr etwas bei 140,000 Dollar  und seiner Frau bei 160,000 Dollar im Jahr. Abhängig davon ob die Familie eine Haushaltshilfe beschäftigt, die bei ihnen wohnt oder eine oder mehrere Haushaltshilfen, die über den Tag verteilt kommen, zahlten sie 6,500 Rupees ( 100 Dollar ) im Monat für eine „Maid“, die all das Tag für Tag erledigt, was die Frau im Werbespot nach der Arbeit macht. Ein Kindermädchen ist ab 2000 Rupees im Monat zu haben, nur ein Chauffeur ist wesentlich teurer.Für 7000 Rupees bekommen sie eine „Help“, die an 7 Tagen in der Woche 12 Stunden am Tag für sie arbeitet.

Das Gehalt ist aber nur ein Faktor in der komplexen und komplizierten Beziehung zwischen Arbeitgeber und „Help“. Sunita ißt bei den Rajasthanis, das Schulgeld ihrer Kinder wird von den Rajasthanis übernommen, sie erhält zwei neue Saris im Jahr, Herr Rajasthani bringt sie Abends nach der Arbeit zurück in den Slum in dem sie wohnt und liefert sauberes Trinkwasser und alle die für die Rajasthanis arbeiten, auch gelegentliche Bauarbeiter oder Extra Help vor Feiertagen wie Diwali bekommen neben dem Lohn Essen und Trinken. Man kann sagen, dass die Rajasthanis faire Arbeitgeber sind und Sunita ist ohne Zweifel wertgeschätzt und geachtet und dennoch das Verhältnis zwischen Maid und Arbeitgeber ist ein Verhältnis unter extrem Ungleichen und das ist in allen indischen Familien der Fall.

Fast alle „Help“ kommt aus West-Bengal, Assam, Bihar oder Tamil Nadu. Die Frauen sprechen also kein Hindi und während Frau Rajasthanis Schiwegermutter mit mir mit Engelsgeduld Hindi übt und jeder noch so kleine Fortschritt begeistert bejubelt wird, würde es niemand für nötig halte mit Sunita Hindi zu üben. „ A help must know.“

Während wir selbstverständlich am Tisch frühstücken oder ich“ Hunger, Hunger, Hunger“ schreiend aus der Slumklinik heimkehre und sofort ein Paratha mit heißer Butter vor mir auf den Tisch wandert, ißt Sunita immer nach uns und niemals am Tisch, sondern in der Küche auf dem Fußboden und mag Sunita auch noch so Durst haben, wenn ich meine Wasserflasche fülle oder Herr Rajasthani nach Tee ruft, so gehen unsere Bedürfnisse immer vor. Während ich alle Bäder des Hauses benutze, mag ich auch so verschlammt und blutbefleckt aus dem Slum zurückkommen, so würde Sunita niemals die Familienbadezimmer benutzen, sondern benutzt eine Toilette eigens für „Help“ gedacht. ( Das hat Frau Rajsathani gegen den Widerstand ihrer Schwiegereltern durchgesetzt.)Viele der Haushaltshilfen und auch der Chauffeure dürfen in indischen Haushalten kein Badezimmer benutzen und deshalb sieht man auch in den vornehmen Vierteln der großen Städte in denen sich auch die Touristen tummeln, Männer ihre Notdurft an Zäunen oder Wänden verrichten. Das fotografieren dann die Touristen: „Da pisst der Inder in aller Öffentlichkeit.“ Alles Perverse“ und dann schüttelt sich der Tourist und holt Sagrotan aus der Tasche.

Auch Sunita hat keinen Arbeitsvertrag und muss sich darauf verlassen, dass die Rajasthanis ihren Teil der Vereinbarung einhalten und wenn Sunita zu Feiertagen oder zur Ernteunterstützung ihrer Familie in ihr Dorf zurück will, muss dies mit den Ferienzeiten und Bedürfnissen der Rajasthanis abgestimmt sein. Immer kommen die Rajasthanis zuerst. Immer komme auch ich zuerst und noch niemals hat Sunita sich ein einziges Mal beschwert, dass wenn ich zu spät komme, sich auch Sunitas Heimfahrt verspätet. In den Haushalten Indiens manifestiert sich die Ungleichheit unübersehbar und es sind alle Haushalte, denn alle Haushalte haben „Help“ auch mein Freundeskreis, alle wie Frau Rajasthani sagt: your Lefties“, alles Männer und Frauen, die zwischen Kasten heiraten, und erbittert über indische Politik und Gesellschaft streiten, doch niemand käme auf die Idee keine „Help“ zu haben.

Sitzt man Sonntag Morgens in einem der fancy Cafés von Khan Market, dann sieht man die „Help“, die während die Miss frühstückt, stoisch in der Sonne warten und an den Nebentischen hört man die Frauen seufzend sagen: „You know, the new help is so irritating.“ Dann kaufen sie Olivenöl. Eine Flasche kostet zwischen 800 und 1000 Rupees.

Der Markt für „Help“ ist undurchsichtig und unreguliert. In Delhi landen Tag für Tag Werbeprospekte vor der Tür, die billige, saubere und 24/7 verfügbare Help anpreisen. Es gibt Agenturen, Zwischenhändler und Netzwerke, die so schnell auftauchen wie sie wieder verschwinden. Die Regierung Narendra Modi und das hilft den ohnehin evidenten Strukturen von Ausbeutung hat das Verbot von Kinderarbeit wieder aufgehoben unter der Klausel, dass Arbeit für Verwandte erlaubt sei und so finden sich in vielen Dörfern „uncle“ die Kinder ab zehn Jahre in die großen Städte vermitteln, wo sie schnelle und leichte Opfer von Ausbeutung werden. Eine ungezählte Anzahl von Mädchen verschwindet in Haushalte Saudi-Arabiens, Doha und Kuwaits und der Slum ist für so etwas immer ein guter Seismograph: immer mehr Mädchen aus Bangladesch kommen nach Delhi auf der Suche nach Arbeit. Solche Nachrichten existieren in einer Endlosschleife Endlosschleife und sie beruhigen auch das Gewissen von Familie Rajasthani und mir: „Sind wir nicht gute Arbeitgeber? Die strukturellen Ungleichheiten lassen sich leicht vergessen, liest man über Familien, die ihre Haushaltshilfen bewusstlos prügeln oder ihnen den Rücken mit dem Bügeleisen verbrennen. So müssen wir nicht darüber nachdenken, wann es die letzte Lohnerhöhung gab, oder ob nicht auch Sunita einen freien Tag in der Wochen haben sollte.

Das Video von Ariel India aber imitiert einen westlichen Haushalt und erzählt die Geschichte westlicher Frustrationen, aber wieder vergisst es diejenigen auch nur am Rande zu erwähnen, die längst schon eingekauft haben, den Chai gerichtet, das Gemüse geputzt, die Wäsche gewaschen, gebügelt, gefaltet und einsortiert haben, den Abwasch erledigt, den Boden geputzt, den Buben versorgt und gesaugt haben, die dann essen, wenn wir satt sind, die dort sitzen wo wir nicht stehen, die keine Rechte haben, die wir ihnen nicht gewähren und die wenn wir die Schuhe zur Seite kicken schon bereit stehen, um sie gerade zu richten. #sharetheload heißt die Kampagne, aber wahrer und aufrichtiger wäre es wohl einmal über #amaidsload zu sprechen, wenn wir schon darüber sprechen wollen, wessen Beitrag in unseren Haushalten so unwirklich unsichtbar ist, wie es in Indien auch heute an einem Sonntag der Fall ist. In Delhi ist es jetzt 17 Uhr und Sunita, ich bin mir sicher sitzt auf dem Küchenboden und schneidet Okra. Am Sonntag haben die Rajasthanis immer Gäste. Montag Morgen wäscht Sunita ab.

22 Gedanken zu “„A maid’s load oder Haushaltsschatten.“

  1. Tja, so wie Olivenöl, muss man sich auch Frustration leisten können … was gerne vergessen wird. Danke für diesen Einblick. Auch wenn es ein sehr ernüchternder und trauriger ist.

    • Es ist sehr ambivalent. Auf der einen Seite bietet die Position als domestic help Aufstiegschancen und auf der anderen Seite ist Ausbeutung, physischer und psychischer Missbrauch oft Bestandteil. Es ist sehr kompliziert und ja oft auch ernüchternd.

  2. Vielen Dank für diese Alltagsdetails.
    Ich musste sofort an die deutsche Freundin denken, die mit Mitte 20 vom einem Dax-Konzern nach Indien geschickt wurde – und völlig überfordert war, was sie mit dem älteren Ehepaar anfangen sollte, das irgendwie in ihrer Firmenwohnung lebte und sie anscheinend bedienen sollte.

    • Das ist sehr interessant. Es gibt und gar nicht so selten auch das Konzept, dass die domestic help kein Gehalt erhalten oder ein geringes und stattdessen zum Beispiel lebenslanges Wohnrecht in den Wohnungen der Arbeitgeber erhalten. Diese Rechtslage wurde in Urteilen des High Court auch immer wieder bestätigt. Man kann wenn man sich Domestic help ansieht viel über die Mikroökonomie Indiens lernen…..Freiwillig und unfreiwillig….

    • In Spanien ebenfalls: Noch in den 70ern war es normal, bei besserverdienenden Familien eine chacha (ausgesprochen wie der Tanz, nur zweisilbig) zu haben, meistens eine junge Frau, die mit ihrer Familie das Dorf verlassen hatte, oft nicht lesen und schreiben konnte, die sich um den Haushalt und die Kinder kümmerte. Der Markt war unreguliert, die jungen Frauen sehr billig, die Ausbeutung entsprechend, und so wohnten sie oft in einer kleinen Kammer in der selben Wohnung wie die Familie, für die sie schufteten. Damit hatten sie keine freie Minute, denn man konnte sie jederzeit rufen, wenn man sie brauchte. Später wohnten sie zunehmend in einer eigenen Wohnung, bekamen immer mehr Rechte (Versicherung, Rente, geregelte Urlaubstage…) und wurden immer teurer. Heute sind bei den gutsituierten Familien, die sich eine Haushaltshilfe leisten wollen und können Putzfrauen die Regel, die nur einen oder zwei Tage pro Woche kommen. Oft stammen sie aus Südamerika. Die Landflucht ist durch Migration ersetzt worden: die spanischen Dörfer sind mittlerweile leer.
      Ein Thema, was ich an der heutigen Schilderung vermisse, ist die sexuelle Ausbeutung. Es würde mich wundern, wenn das nicht auch in Indien ein Problem wäre.

      • Danke für die spanischen Einblicke. Ist das einfach für Arbeitskräfte aus Lateinamerika ein Visum für Spanien zu bekommen? Sexuelle Ausbeutung ist in domestic help Verhältnissen eine Grauzone. In vieler Hinsicht hat die help vor allem mit den Frauen, die den Haushalt organisieren zu tun. Also die Hausfrau gibt der help Anweisungen. Der physische Missbrauch den Frauen in diesen Arbeitsverhältnissen erleben, geht sehr viel häufiger von Frauen aus. Sexueller Missbrauch ist sehr sicher Teil, aber die indische Gesellschaft hat auch in Sexualbeziehungen eine hierarchische Gliederung. Männer der Oberschicht mit einem sehr starken Bewusstsein für rein/unrein haben Geliebte, aber dann eine aus derselben Kaste, gleichen Religion, sozialen Schicht. Und dem liegt auch offener Rassismus zu Grunde: Sexuell attraktiv sind möglichst hellhäutige Frauen, die meisten domestic maids sind aber dunkelhäutig. Also physische Gewalt, ja, sexuelle Gewalt, so weit ich es sehe, aber wenn die Mädchen von Schleppern in die brothels von Mumbai und Delhi verkauft werden und den „Domestic help“ Markt nicht erreichen oder in Haushalte overseas vor allem der Emirate, Saudi-Arabien etc. gebracht werden. Das schließt auch die Botschaften mit ein. Da ist sexuelle Ausbeutung ein zentrales Thema. Pardon für die überlange Antwort.

      • Oh, so eine schöne lange Antwort! Gleich mit Entschuldigung dafür mit dabei! Ich freue mich, kein Grund, sich zu entschuldigen. Ich habe gerade nachgeschaut: Von den Südamerikanischen Ländern brauchen nur Ecuador, Bolivien, Kuba, Guyana (NL? FR?), die Dominikanische Republik und Belize einen Visum für Spanien. Die anderen, von Mexiko bis Argentinien, kommen visafrei, das heiss jedoch nicht, dass sie auch ohne weiteres eine Arbeitserlaubnis bekommen. Wer aber einen Job nachweisen kann, bekommt in der Regel eine Arbeitserlaubnis. Den Job muss der Arbeitgeber bescheinigen oder bestätigen, damit hofft der Staat im Haushaltbereich Schwarzarbeit einzudämmen, macht es aber den Frauen aus Südamerika nicht einfacher.
        Ja, auch in Spanien sind Putzfrauen keine „richtigen“ Geliebten, sie sind sozial viel zu niedrig angesiedelt und (gerade die aus Lateinamerika) viel zu dunkelhäutig. Das schliesst aber sexuelle Ausbeutung nicht aus. Es ist ein Klischee, aber sicherlich eines mit mehr als nur einem Körnchen Wahrheit, dass die Sprösslinge aus „besseren“ Familien (el señorito) sich der Putzfrau bedienen soll(t)en, wenn sie erfahren woll(t)en, wie das so läuft mit dem Sex. Billiger als im Puff. Und wenn man als Kind, so wie ich, einen solchen Witz gehört hat:
        – Mammi, Mammi, haben Herzen Beine?
        – Wie kommst du denn darauf, mein Sohn?
        – Weil Vati gerade der Putzfrau in der Besenkammer sagt, „mach die Beine breit, mein Herz“
        …dann ist das sicher nicht völlig aus der Luft gegriffen.

    • Die ehemaligen Haushaltshilfen aus Ostpreussen feiern in Deutschland schon seit Jahren ein Come-Back als Altenpflegerinnen. Das wurde lange offiziell gefördert (Arbeitserlaubnis ohne Vorrangprüfung für Osteuropäer) und ist einigermaßen reguliert, jedoch mit großer Grauzone.

  3. Danke für Ihr ‚genaues Hinsehen und Hinhören‘ und Ihr Schreiben über diese unsäglichen Zustände.
    Gibt es Hoffnungslichter für Veränderung?

  4. Herzlichen Dank für diese Einblicke. Als ich (viel kürzer als Du) in Indien war, wurden wir auch oft aufmerksam gemacht auch die vielen, teilweise winzigen Dienstleistungen, ohne die das Land zusammenbrechen würde – und Menschen gibt’s halt genug. Diese Ressource reißt nie ab. Ein völlig anderes System als hier und wirklich gewöhnungsbedürftig, wie ich finde. Mir ist ja sogar unangenehm im Home Office zu arbeiten (!), während die Putzfrau meine Wohnung putzt…

    • „Mir ist ja sogar unangenehm im Home Office zu arbeiten (!), während die Putzfrau meine Wohnung putzt…“

      Höchste Zeit also der notwendigen Sorgearbeit den ihr gebührenden Stellenwert zu geben.
      Hier ein wichtiger, wie interessanter Beitrag über die Grundeinkommens-Diskussion und die Entwicklung einer „Scheissologie“. “ Das heisst: eine Theorie, Ökonomie und Ethik all der Bereiche, in denen der Umgang mit den realen stinkenden Hinterlassenschaften von Menschen und Tieren eine Rolle spielt und die man auch heute noch gern Frauen oder modernisierten Sklaven überlässt.“
      https://inabea.wordpress.com/category/bge-gesprache/page/24/

      Es geht nicht darum, sich mit einem schlechten Gewissen herumzuplagen, wenn andere für mich mit sorgen, sondern miteinander zu schauen, wie Schritte in Richtung solidarischer Gesellschaften aussehen könnten:
      Dazu eine Buchempfehlung, über die sich evtl. auch Ihre *Putzfrau* freuen könnte:

      http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3040-4/care-revolution 🙂

      • Keine Sorge. Zwischen ihr und uns ist alles in Ordnung, fair bezahlt, beim Finanzamt gemeldet. Mein Gefühl kommt eher aus einem Elternhaus, in dem man „seinen Dreck selbst wegmacht“ und eben nicht mit Personal großgeworden ist.

  5. Mir ist nicht in den Sinn gekommen, Ihr Verhältnis zu Ihrer Haushaltshilfe in Frage zu stellen.

    Da meist ‚das Private politisch ist‘ geht es mir auch darum vom eigenen Haushalt auf den ‚großen Haushalt‘, zu schauen, sprich die vorherrschende Ökonomie in den Blick zu nehmen. Der Begriff der Ökonomie leitet sich ja ab von OIKOS, was eben Haus/ Wirtschaft heißt, und wenn die ‚Welt als Haushalt‘ verstanden wird, stellt sich damit auch die Frage nach den Leitbildern von Arbeit und Wirtschaft für das gute Leben aller.

  6. Vielen Dank für diesen Artikel und für Ihr gesamtes Blog. Ich lese Sie sehr gerne und bleibe oft berührt zurück.

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