Schwelende Stille

Gestern Morgen noch bevor der Tag begann, fuhr ich wie so oft mit dem Rad, zweimal links, einmal rechts, dann geradeaus, wieder links hinunter zum See. Alle Nachbarn und selbst noch die ganz alten Nachbarn, die nicht mehr schlafen können und die ganz, kleinen Kinder, die nicht mehr schlafen wollen, schliefen noch. Verhangen war der Tag, so als deckte die Sonne sich gerade noch einmal mit einer leichten Decke zu und so fuhr ich weder besonders schnell, noch besonders langsam durch den stillen Morgen. Aber während ich im Sommerkleid, bunten Flip-Flops und dem Handtuch im Korb zum See fuhr, da waren die Männer und Frauen der Hamburger Stadtreinigung schon seit mehr als zwei Stunden auf den Beinen. Denn während die Randalierer selig schlafen, im Stolz ihrer heißen Gewalt, da kommen diejenigen, deren Renault Twingo nur noch ein ausgebranntes Wrack ist und kehren die Scherben zusammen. Das ist ja alles, was vom Auto noch übrig ist, die ausgebrannte Karosserie und vielleicht stand das Auto dort, weil die Frau desjenigen Müllmannes der jetzt aufräumt im Schichtdienst arbeitet. Altenpflege vielleicht und wenn ihre Schicht endet, dann fährt noch kein Bus, keine Straßenbahn und auch die U-Bahn Tore sind noch verriegelt. Mag sein, dass die Frau noch ein paar Minuten in ihrem kleinen Auto sitzt, die Augen schließt, denn die alte Frau, die in der Nacht stundenlang schreit, die vergisst man nicht so schnell und sicher hofft die Frau im Auto, das es jetzt nicht mehr gibt, dass es noch zwei Jahre hält. In zwei Jahren nämlich macht ihr Sohn nämlich den Führerschein, dafür hat sie viele Extraschichten geschoben und ihr Sohn hat: Rasen gemäht, im Getränkelager ausgepackt und Autos gewaschen. Aber das kleine, alte Auto in dem der Sohn doch neben seinem Vater, der jetzt ein zertretenes, verbogenes und halb verkohltes Fahrrad in den Müllwagen wirft, sicher fahren lernen, sollte dieses Auto gibt es nicht mehr. Vielleicht gehört das Fahrrad seiner Tochter und vielleicht steht es genau dort, wo die Gewalt eben zugriff, denn es sind immer ja nur die Leben der Anderen, die zerbrechen. Mag sein, dass der Tochter nämlich am Bahnhof schon zweimal das Rad geklaut worden ist und auch die Billig-Billig-Räder sind auf Dauer gerechnet zu teuer, um sie zu ersetzten und die Tochter stellt ihr Rad immer in einer belebten Straße ab, denn da wird doch nichts passieren. Die Tochter des Müllmannes ist vielleicht ein kluges Mädchen, schnell und witzig und fährt mit dem Zug von der Vorstadt, wo die Mieten billig sind ins altsprachliche Gymnasium und ist kurz vor dem Abitur. Ihr Vater, der jetzt Müll schaufelt schreibt den Verwandten in der Türkei oder in Griechenland in jedem Brief: „Das Kind, das wird studieren.“ Jetzt liegt ihr Fahrrad mit verbogener Gabel auf der Straße. Vielleicht hat die Freundin aber auch ihren ersten Freund im Schanzenviertel. Ihr Freund heißt Leonhard und seine Eltern haben geputzte Messingsschilder im Hausflur und eine Privatpraxis, aber Leonhard sagen ihre Eltern ist „ein guter Junge“, aber wenn es Abends mal später wird, ist es besser ein Fahrrad zur Hand zu haben, denn Eltern im Schichtdienst, können ihre Kinder nicht immer einfach so abholen kommen.

Ich unterdessen schwimme im kühlen See, der See liegt genau so stumm im frühen Licht wie die Straße und selbst die Enten schlafen tief und fest. Blätter rauschen und im Schilf, da gähnen die Nymphen und machen noch einmal die Augen zu. Ich tauche tief. Vielleicht räumt der Müllmann gerade einen zerstörten Laden auf und mag sein, dass seine Schuhsohlen knirschen unter den vielen Glasscherben der letzten Nacht. Ich schwimme im spiegelglatten See unter dem dunstigen Himmel, irgendetwas um 3 Kilometer und während ich Meter um Meter weiter in die Mitte des Sees schwimme, betritt der Müllmann vielleicht den zerstörten und geplünderten REWE-Supermarkt  .Sieht die umgestoßenen Kühlschränke, die zerschlagenen und zertretenen Regale, geht über den klebrigen, verschmierten Boden auf dem Eier, geköpfte Flaschen und zerplatzte Joghurtbecher eine glitschige wie klebrige Firnis bilden. Mag sein, er steigt über das in den Supermarkt geschmissene Gemüse und Obst. Mag sein, dass der Müllmann daran denkt, dass er und seine Frau nur vor Weihnachten zu Rewe gehen, weil man sich etwas gönnt. Einmal im Jahr und an der Käsetheke einmal nicht auf den Preis sieht und Gulasch an der Fleischtheke kaufen, wie die reichen Leit.’ Denn allen anderen Tagen im Jahr kaufen der Mann, der jetzt aufliest, und Mülltüte um Mülltüte füllt, bei ALDI und LIDL ein. Der Müllmann und seine Frau haben kein „BITTE KEINE WERBUNG“ Schild am Briefkasten kleben, so wie ich, weil sie die Preise vergleichen und dann lieber zum Aldi gehen, wenn es dort Brie im Angebot gibt. Aber der Müllmann und seine Frau, die wissen warum, denn die Tochter soll mit auf Klassenfahrt und dort in Italien eine genauso gute Zeit haben wie die Eltern von Leonhard es ihrem Sohn wünschen. Und der Sohn soll auch ein Paar Fußballschuhe haben, die etwas taugen, denn er spielt gern und gut. Am Essen kann man immer sparen und jetzt liegen die Mangos aus Brasilien und teuren Bio-Äpfel auf dem Boden und auf dem Kalbsfleisch sitzen die grünen Fliegen.

Vielleicht denkt der Müllmann aber auch an seine Mutter, die im Rewe an der Kasse sitzt und ihre schmale Rente aufbessert. „So komme ich wenigstens unter die Leute“, sagt die Mutter, aber ihr Sohn, der kehrt und räumt und kehrt und räumt, stundenlang, der weiß, dass seine Mutter Rückenschmerzen hat und er weiß, dass seine Mutter nicht so sehr ihre Rente aufbessert, sondern immer wieder hier und da etwas „dazu schießt“ für den Sommerurlaub vielleicht oder für das schicke Abiballkleid der Tochter, die so ein kluges Mädchen ist. Mathe-Leistungskurs. Vielleicht hat seine Mutter aber auch schon seit Jahr und Tag etwas beiseite gelegt für Studium und Ausbildung der Kinder. „Das Kind soll studieren“, sagt seine Mutter jeden Tag, wenn sie an der Kasse sitzt und die Lebensmittel über das Band zieht, die sie selbst niemals kaufen würde. Jetzt aber gibt es keinen Supermarkt mehr.

Vielleicht sieht der Müllmann aber auch auf die Uhr und macht sich Sorgen wie seine Frau jetzt nach Hause kommt, denn noch immer ist so viel Müll übrig. Vielleicht sitzt seine Frau bei einer Tasse Früchtetee im Schwesternzimmer und wartet bis die erste Bahn nach Hause fährt, vielleicht überlegt sie, ob irgendjemand der Tochter ein Rad borgen kann, damit das klappt mit der Schule am Montag Morgen und vielleicht überlegt ihre Schwiegermutter, wann der Markt wohl wieder eröffnet wird, oder ob sie in einen anderen Markt versetzt wird, viel weiter entfernt von jenem, nah bei ihrer Wohnung. Der Müllmann aber muss weiter, zwei Kollegen brauchen Hilfe, die Bauzäune wieder von den Straßen zu sammeln, die Stein aufzuklauben und noch immer schmort der Müll auf den Straßen.

Ich wate aus dem See, trockne mich ab und fahre zurück nach Haus. Noch immer liegt die Stille über Allem.

54 Gedanken zu “Schwelende Stille

  1. Zitiere aus: http://www.taz.de/Kommentar-G20-Protest-und-die-Polizei/!5428055/
    „Gewalt ist kein Mittel der politischen Auseinandersetzung. Sie bewirkt das Gegenteil. Denn Gewalt diskreditiert die berechtigten Anliegen der anderen Gipfel-Gegner, sie macht aus DemonstrantInnen Gefährder. Sie schürt Angst und markiert eine kaum zu widerlegende Angriffsfläche für jene, die es okay finden, wenn die Machthaber dieser Welt die Angelegenheiten eben dieser Welt unter sich und abgeschirmt durch PolizistInnen ausmachen. Kreativer Protest – das sind die anderen. Aber von denen wird jetzt niemand mehr sprechen.“

  2. Hier grosse Nachdenklich-, Ratlosigkeit, Mitgefühl, Ekel und Fremdscham. Und die Frage, ob diese Menschen nun voller Stolz auf sich sind, ob sie es wieder machen würden, was ihnen das gebracht hat und welche Rechtfertigung sie zu dieser blinde Zerstörungswut antrieb?

  3. Ja.
    Diese Acht-losigkeit fährt mir wie Stilett in den Bauch. Und ich habe kaum Hoffnung, dass jemand, dem das Leid und die Mühsal anderer so offensichtlich wurscht ist, je Achtung lernt.

  4. aber vielleicht gehörte der Twingo ja jenem ach so privilegierten Leonhard, vom fiesen Bonzenvater unerwünscht geschenkt, oder die Altenpflegerin ist eine von denen, die ihren Hass gegen ihre beschissenen Arbeitsbedingungen bei dieser Leiharbeitsfirma an den Patienten auslässt und versucht, die acht Termine pro Tag bloß möglichst schnell hinter sich zu bringen und der gebrechlichen Oma den Verband um das schwärende offene Bein immer so grob und schlampig anbringt, dass diese vor Wut herumkeift und auch gar keine nette alte Dame ist, sondern eine von ihrem beschissenene Leben verbiesterte und gekränkte Zicke, die in ihrem ehemaligen Behördenjob ihre mickrige ,Macht dazu,gebrauchte, jedem ausländischen Müllmann das Formulare zu seiner Aufenthsltsberechtigung wegen Kleinilichkeiten zurückzugeben und nichts ausließ, ihm zu demonstrieren, dass er ihrer Meinung nach eh keine Rechte hat und Rewe, ach herrje, sorry, so viel Empathie für diese fiktiven Opfer einer eskalierten Demo gegen jene „Verhältnisse“, die das Leben des Müllmanns oder der Altenpflegerin so aussichtslos prekär machen…?

    • Sehr geehrter docvogel, vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich gebe Ihnen völlig Recht, es ist grundsätzlich verkehrt, anderer Menschen Eigentum zu zerstören, unabhängig davon, was man gerade so über sie denken mag. Danke, dass Sie das noch einmal klargestellt haben. Mit freundlichen Grüßen.

      • Dazu fällt mir ein Satz von der Schriftstellerin Daniela Dahn ein, den ich für bedenkenswert halte:
        „Wenn die Würde des Menschen unantastbar ist, dann muss das (Groß)Eigentum antastbar sein.“

    • Ja, daran dachte ich auch. Es ist völlig egal, wer sein Auto da geparkt hat – die stolzen Eltern des leistungsbewußte Mihigru-Kinders oder die (um das Klischee zu bemühen) rauchenden, saufenden, fernglotzenden und möglicherweise aus Verbitterung AfD wählenden Hartz-4-Asis – VÖLLIG EGAL. Es geht nicht an, irgendjemandem das Auto abzufackeln, der zufällig in der falschen Stadt wohnt. Oder sonst irgendjemandem.

  5. Mir reicht es nicht bei der Empörung so mancher Politikerinnen und Ordnungskräfte über die gewaltsamen Ausschreitungen in Hamburg stehen zu bleiben um von der Gewalt abzulenken, die gerade von G20 Regierungen ausgehen.
    Darauf hinzuweisen und nach Wegen aus dieser Gewalt zu suchen, war das Anliegen vieler
    Menschen, die gegen eine Globalisierung demonstrierten, die soziale Ungleichheit auf die Spitze treibt, statt Politik zu machen gegen die Verelendung und den Hunger, für Gerechtigkeit und Wohlstand für alle weltweit.

    Die wesentliche Frage wurde nicht von den G20Regierungen gestellt, sondern
    auf dem Alternativ-Gipfel zur Sprache gebracht: „Wem gehört die Welt?“

    • Sehr geehrte Ute Plass, sobald Sie eine Antwort auf die wesentliche Frage gefunden haben, lassen Sie es mich bitte wissen. Auch würde mich interessieren, in wie weit die Frage in Bezug auf die Lösung der vorher von Ihnen aufgezählten Probleme wesentlich ist. Mit Dank und freundlichem Gruß.

      • Sehr geehrter Stephan,
        in Bezug auf die Frage, ‚wem gehört die Welt‘ ist die Antwort
        (erstmal) einfach: Allen und niemandem. Die fortlaufende Beschäftigung mit der Frage nach Besitz/Eigentum/Nutzungsrechte halte ich tatsächlich für sehr wesentlich weil von ihr abhängt,
        ob und wie ein gutes Leben für ALLE möglich werden kann.
        Eine Weltrettungsformel habe ich (glücklicherweise) nicht anzubieten.

      • @Ute Plass: Angenommen, die Regierungen der G20 hätten die Ihrer Meinung nach wesentliche Frage „Wem gehört die Welt?“ auf die Tagesordnung gesetzt und hätten sich nach langen, nächtlichen Debatten tatsächlich auf die Antwort „Allen und Niemandem“ geeinigt – welche sinnvolle Erkenntnis in Bezug auf den Kampf gegen Hunger und für den Wohlstand für alle hätten sie daraus ziehen können?

  6. Und in 40 Jahren, wenn einige der heutigen Linksextremen, alt und wohlhabend geworden sind, dann werden sie in der warmen Sonne der Toskana ihren teuren Rotwein trinken und sich daran erinnern wie sie es in 2017 dem System so richtig gezeigt haben. Und sich über die nichtsnutzige Jugend aufregen, die ja gar keine Ahnung haben, wie das damals war.

  7. Über die „nichtsnutzige“ Jugend hat sich angeblich schon ein Sokrates aufgeregt.
    Das zeigt mir, dass es nicht lohnt über die heutige Jugend zu klagen. 😉
    Vielmehr sollten ‚die Alten‘ in der Gesellschaft sich *jetzt* fragen, was schief läuft, weil das helfen könnte, dass die „heutigen Linksextremen“ nicht in vierzig Jahren in Rotweinseligkeit über ihren sog. Systemkampf ins Schwärmen kommen.

  8. Gewaltbereitschaft ist ein fester Bestandteil der menschlichen Natur. Um so großartiger, dass wir es geschafft haben, eine freie Gesellschaft so zu organisieren, die über mehr als zwei Generationen ohne ernsthaft gewalttätige innere Konflikte auskam. Dass es ein großer Fehler ist, diese Freiheit und Stabilität als gegeben hinzunehmen, kann jeder mit eigenen Augen in den Nachrichten sehen. Diejenigen, die Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele fördern oder billigen, setzen – willentlich oder unwillentlich – noch weit mehr auf’s Spiel als die Autos, Fahrräder und körperliche Unversehrtheit ihrer Mitbürger.

  9. Fräulein Read On, Du hast mich mal wieder zum Nachdenken gebracht.
    Dein gefühlvoller Blick auf die Leid tragenden der Krawalle eröffnet mir eine Sicht auf die, die dieses Leid verursachen, die Einen genauso wie die Anderen.
    Den Autonomen, oder wer sich auch immer hinter dem Begriff „schwarzer Block“ versteckt, denen ist es völlig egal, wen sie mit ihrer Zerstörungwut letztendlich treffen.
    „Macht kaputt was Euch kaputt macht!“ trifft nie diejenigen, die gemeint sind, sondern immer die Unschuldigen, und -was besonders beschämend ist- die Bedürftigen.
    Wie das eben so ist, im Krieg.
    Gewalt bringt einfach nichts außer Gewalt hervor, aber solche Einsichten kommen in vermummten Häuptern nicht an.
    Man muss nicht einverstanden sein mit der Politik, es ist auch niemals angebracht, die Strukturen der Macht gut zu heißen, aber Protest erfordert ein wenig mehr Kreativität als nur die einfach zu bewerkstelligende Zerstörung von Autos oder Geschäften oder das eventuell lustvolle Verprügeln von Polizisten. Denn letztendlich bleibt nur das zerstörte Eigentum von Unbeteiligten und verletzte Menschen zurück.
    Und das ist sowohl der großen Politik als auch dem schwarzen Block egal. Womit sich die beiden gegnerischen Parteien, die einen aus ihrer Hassblase und die Anderen aus ihrer Machtblase heraus, in ihrer gemeinsamen Nichtachtung die Hand geben können. Dumm gelaufen.

  10. Seit gar nicht vielen Stunden zurückgekehrt aus ruhigen Gegenden, wünschte ich, die Schwelende-Stille- Sätze würden morgen auf Seite 1 der FAZ stehen …

    P.S.:
    Seit dem Rechner-wieder-Anstellen geht mir der Herr_Müller nach.
    Vielleicht hätte er den Beck’schen Konfetti-Regen weder gewollt noch gebraucht …

  11. Krasser als die Polizei in Hamburg vorgeht, geht nicht mehr! Ich bin nachhaltig geschockt über Polizisten, die Menschen immer wieder mit der Faust ins Gesicht schlagen, die weder was mit dem schwarzen Block zu tun haben, noch in irgendeiner Weise Gewalt zeigten. Nichts rechtfertigt das! Und dass ein Mob Läden plündert, Steine schmeißt, Autos abfackelt dafür können 75.000 friedliche Demonstranten rein gar nichts.

    Der Müllmann muss nicht bei Rewe aufräumen – meine Fresse was für ein Klischee.

    • Henriette, haben Sie gesehen, wie Polizisten Faustschläge auf die von Ihnen genannten Menschen verteilt haben? Haben Sie daneben gestanden? Haben Sie Videos solcher Art von Gewalt gesehen?
      Sollen die Ordnungskräfte angesichts 75.000 friedlicher Demonstranten dem Mob freie Hand lassen?
      Und ob nun der Müllmann oder jemand anders von der Stadtreinigung oder eventuell von privaten Reinigungsdiensten bei REWE aufräumt, ist völlig belanglos. Das Fräulein Read On bedient hier kein Klischee, es will einfach sagen, dass die Menschen, die diesen Job machen dafür auf der untersten Stufe der Lohnskala stehen.

      • @Hans-Georg, Sie fragen (ohne jedoch Henriette vorgreifen zu wollen):
        Henriette, haben Sie gesehen, wie Polizisten Faustschläge auf die von Ihnen genannten Menschen verteilt haben? Haben Sie daneben gestanden? Haben Sie Videos solcher Art von Gewalt gesehen?

        Sie finden einige Quellen zu unverhältnismäßiger Polizeigewalt bei John F. Nebel, Metronaut – der hat ein paar Fragen an die Polizei und Innensenator Grote zusammengestellt.

        Sie fragen weiter:
        Sollen die Ordnungskräfte angesichts 75.000 friedlicher Demonstranten dem Mob freie Hand lassen?

        Die Ordnungskräfte haben dem Mob am Freitagabend in der Schanze fast 4 Stunden lang völlig freie Hand gelassen und die Anwohner der Gewalt preisgegeben – Anwohner haben sich dem Mob entgegen gestellt, nicht die Polizei. Die Ordnungskräfte bekundeten im Vorfeld, mit schweren Ausschreitungen zu rechnen, Thomas de Maizière sprach bei der Vorstellung des neuen Verfassungsschutzberichtes von 8.000 gewaltbereiten Linksextremisten, die nach Hamburg reisen würden, Olaf Scholz sprach davon, die Hamburger würden am Samstagabend überrascht sein, daß der Gipfel schon zu Ende wäre – so wenig würden sie davon merken.

        Auf der Schanze randaliert haben – nach allem, was wir bis jetzt wissen können – wenige Hundert, darunter Freizeitrandalierer mit Hang zum Hipsterselfie und mutmaßlich ebenso unpolitisch motivierte Plünderer.

        Es stellt sich mir schon die Frage nach dem Grund für einerseits völlige Untätigkeit der Polizei und andererseits völlig überzogener Gewaltanwendung – denken Sie nur an die junge Frau auf dem Räumpanzer (Bild 3-11), die mit genug Pfefferspray für ein Dutzend bedacht wurde, statt sich auf den Panzer zu bequemen und sie dort runter zu holen.

      • Wie die Ordnungskräfte es machen, ist es eh verkehrt. Wird zu hart durchgegriffen ist es nicht richtig und wenn zu wenig getan wird ist es auch verkehrt.
        Im übrigen ziehen sie meinen Kommentar aus dem Zusammenhang, verehrte Dame von Welt. Ich bevorzuge eine Antwort von Henriette. Ich verlass mich nicht auf zusammengetragene Informationen wie sie bei Metronaut veröffentlich wurden.

      • @Hans-Georg, Sie glauben:
        Wie die Ordnungskräfte es machen, ist es eh verkehrt. Wird zu hart durchgegriffen ist es nicht richtig und wenn zu wenig getan wird ist es auch verkehrt.

        Vielleicht erscheint Ihnen die Sicht von Prof. Hans Alberts (ehemaliger Professor für Staats-Verwaltungsrecht und Berufsethik an der Hochschule der Polizei in Münster) als relevanter als meine unmaßgebliche Meinung.

        Sie:
        Ich verlass mich nicht auf zusammengetragene Informationen wie sie bei Metronaut veröffentlich wurden.

        Bitte entschuldigen Sie, daß ich Ihre Frage nach Videos solcher Art von Gewalt mit einer Sammlung von u.a. Videos solcher Art von Gewalt beantwortet habe, soll nicht wieder vorkommen…;-)…

      • Einfach mal bei twitter Hashtag #G20 eingeben, dort gibt es unzählige Videos, die die brutale Gewalt der Staatsmacht zeigen.

    • Sehr geehrte Henriette, ich war in Hamburg nicht dabei und kann nicht beurteilen, was Sie gesehen haben. Ich habe in den 80er Jahren in West-Berlin eine Menge gewalttätiger Demonstrationen und auch eine Menge Polizeigewalt hautnah miterlebt. Es gab eine Menge Kritik an der Einsatztaktik der Hamburger Polizei – sie schien mir angesichts der Bilder, die ich gesehen habe, tatsächlich seit den 80er Jahren nichts dazugelernt zu haben. Und die Ergebnisse sahen dann auch aus, wie Kreuzberg/Oranienplatz 1985. Sie und jeder Andere hat das gute Recht, das Vorgehen der Polizei zu kritisieren. Aber eine grundsätzliche Sache sollte in all der Kritik nicht untergehen: Die Polizei hat das Recht, Gewalt anzuwenden, um Straftaten zu verhindern und zu verfolgen. Sie hat gleichzeitig die Pflicht, dabei angemessen vorzugehen – und ich kann aus eigener Erfahrung gut verstehen, dass man als Leidtragender von polizeilichen Maßnahmen eine andere Sicht auf die Dinge hat, als der zuschlagende Polizeibeamte. Das ändert aber nichts daran, dass die Polizei grundsätzlich das Recht hat Gewalt anzuwenden – im Gegensatz zu den Demonstranten, die unter keinen Umständen das Recht haben, Gewalt gegen die Polizei anzuwenden.

      • @Henriette: Danke für die Links auf die Videoaufnahmen. Ich sehe Polizisten, die Demonstranten treten und schlagen. Um die Verhältnismäßigkeit beurteilen zu können, muss man einschätzen, welch Gefahr von den betreffenden Personen ausgegangen ist. Unter der Annahme, dass es sich dabei um friedliche Demonstranten gehandelt hat, wäre das Vorgehen eindeutig unverhältnismäßig. Unter der Annahme, dass es sich bei den betroffenen Personen um Straftäter handelt, von denen eine Gefahr für die Polizeibeamten ausgeht, würde ich das Vorgehen durchaus als verhältnismäßig einschätzen. Die (sehr kurzen) Filme lassen weder den einen noch den anderen Schluss zweifelsfrei zu.

      • @Henriette: Sehen Sie, ich habe wirklich nichts dagegen, dass ein verurteilter Terrorist und Mörder wie Karl-Heinz Dellwo – Teilhaber der Cantina Popular – nach Verbüßung seiner Strafe ein Restaurant eröffnet. Auch hat er natürlich das Recht, frei seine Meinung zu äußern, wie alle anderen Bürger dieses Staates auch. Dass in der Stellungnahme die Straßengewalt während des G20 als Reaktion auf die Kriminalisierung des „abweichenden politischen Ausdrucks“ durch „die Gesellschaft“ dargestellt wird, ist allerdings feinste RAF-Rethorik, und die Tatsache, dass sich 12 weitere Läden dieser Erklärung angeschlossen haben, bestenfalls noch ein Ausdruck von Stockholm-Syndrom. Vermutlich zeigt es aber nur, wie tief die autonome Linke und ehemalige RAF-Sympathisanten in der Hamburger Szene rund um die Rote Flora verankert sind.

  12. @Stephan – na, das wäre ja sensationell, wenn sich G20Regierungen „ernsthaft“ diese Frage gestellt hätten.
    Ich bin sicher, dass sie dann zur Erkenntnis gelangt wären, dass dieser wunderbare Planet *genug für alle*
    zu bieten hat, und entsprechend einer anderen Politik bedarf, wie sie z.B. hier skizziert wird:

    https://commonsblog.files.wordpress.com/2008/04/thesen-eigentum-fuer-salon5-version5a.pdf

    Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte direkt an die G20Regierungen. 😉

    • Wir können hier über die große Politik diskutieren und kommen doch nicht zu einem Ergebnis. Die große Politik aber als Alibi dazu zu benutzen, brandschatzend und plündernd durch die Straßen zu ziehen, ist abartig und pervers. Wie das Fräulein Read On schreibt, getroffen werden doch in den meisten Fällen die Menschen, die nicht das Geld in der Portokasse haben, sich heute beim nächsten Gebrauchtwagenhändler ein neues Auto kaufen zu können. Vielleicht müssen sie von einem Ende Hamburgs zum anderen mit Bus und S-Bahn fahren und brauchen dafür ein Vielfaches an Zeit als mit ihrem Kleinwagen.
      Sich an fremden Eigentum zu vergreifen, ist und bleibt kriminell und es gibt absolut gar keinen Grund, das zu tun.

      • „Die große Politik aber als Alibi dazu zu benutzen, brandschatzend und plündernd durch die Straßen zu ziehen, ist abartig und pervers.“

        Wieso richten Sie diesen Kommentar an mich?

      • Weil sie das wunderbare Forum des Fräuleins dazu nutzen, ihre Meinung über die Polik zu verbreiten anstatt auf das einzugehen, über das Fräulein Read On geschrieben hat. In der Schule würde es heißen: Thema verfehlt!
        Eröffnen Sie ihr eigenes Blog und schreiben sie dort, was sie bewegt.

    • @Ute Plass: Auch ich bin der Meinung, dass Veränderung notwendig ist, um Hunger, Ungerechtigkeit, Korruption und Unterdrückung in der Welt zu beseitigen. Zwar bin ich skeptisch, ob eine radikale Änderung des weltwirtschaftlichen Systems der richtige Weg ist, aber vielleicht wissen und verstehen Sie Dinge, die ich nicht weiß und nicht verstehe. In diesem Fall bietet unser politisches System mannigfaltige Möglichkeiten, sich konstruktiv einzubringen. Tun Sie das, suchen Sie sich Gleichgesinnte und versuchen Sie, eine Mehrheit von Ihren Ansichten zu überzeugen, und, wenn Sie soweit sind, ändern Sie die Gesetze auf demokratischem Wege! Aber solange Sie mit Ihren Ansichten eine kleine Minderheit bilden, erliegen Sie nicht der Versuchung, der Welt mit Gewalt Ihren Willen aufzwingen zu wollen!

      • @Stepahn – @Georg – Anscheinend kommunizieren wir hier auf dem neuesten Stand des Irrtums.

        Mein Anliegen war, auf den friedlichen, kreativen Protest der vielen Menschen auf diesem G2o Gipfel zu verweisen, die sich für eine menschenfreundliche Welt-Gemeinschaft und Demokratie mit einsetzen
        und deren Engagement vor lauter Berichterstattung über die idiotischen Gewaltexzesse eines schwarzen
        Blocks kaum mehr Beachtung finden.

        Im Übrigen, @Stephan, bedarf ich Ihres wohlmeinenden Hinweises nicht, mich auf demokratischem Wege, für die mir wichtig erscheinenden Anliegen, zu engagieren.

        Glücklicherweise, @Georg, befinden wir uns hier ja nicht in der Schule. So kann ich mir
        kaum vorstellen, dass das schätzenswerte Frl. Read On lernwillige Menschen mit einem „Thema verfehlt“
        abspeisen würde.
        Sollte Read On jedoch den Eindruck haben, dass ich dieses Forum für ‚meine politischen Botschaften‘
        missbrauche, dann gehe ich davon aus, dass sie mir das selbst rückmelden kann.

      • @Ute Plass: Danke für Ihre Antwort. Je mehr Menschen sich friedlich und demokratisch engagieren, desto besser. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und alles Gute.

  13. Liebes Fräulein Read On! Sie bringen genau das auf den Punkt, was ich angesichts eines Vidoes, welches ich im Internet gesehen habe, auch gedacht habe: Ein Kleinwagen stand zur falschen Zeit am falschen Ort und 2 vermummte Gestalten schlugen die Scheibe ein und stecken das Auto in Brand. Welch ein Irrsinn!
    Ich habe gestern selbst über die Geschehnisse in meinem Blog geschrieben. Gleich werde ich das Thema nochmal kurz aufgreifen und dabei auf ihre Gedanken veweisen.

  14. Vielen Dank, Fräulein – ich lese jetzt hier schon länger sehr gerne mit.

    (Der Müllmann in Hamburg hat noch Glück, denn er ist, wenn ich das richtig sehe, im öffentlichen Dienst. Aber generell: Ja. Genau das.)

  15. Wie schön geschriebmn… ich konnte den Müllmann mit seiner Familie richtig vor mir sehen…. Ganz lieben Dabk für dieseen tiollen Text

  16. Ich muss noch was dazu schreiben: der besagte Kommentar: Wenn Ihnen nicht geschmeichelt….
    habe ich zu schnell und wirklich dümmlich verfasst, weil ich es halt miterlebt habe und noch völlig aufgewühlt war, und in diesem Brast meinen Kommentar übersehen habe.
    Dass Polizisten einer zierlichen Frau mit der Faust ins Gesicht schlagen, rechtfertigt meiner Meinung nach nichts, und nicht nur einer. Leider hatte ich keine Kamera dabei, um es festzuhalten!

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