12 von 12. Ein Sonntag in Irland

Morgens zum Schwimmen in die kalte See. Zwei Boote schaukeln im Wind.Ich schaukele in den Wellen, eisig ist das Wassern noch immer, aber ich will mir sagen, wärmer noch als im Februar ist es allemal, aber das ist nur Einbildung und Mutgemache, den rot vor Kälte tappe ich zurück ans Ufer, dort zittert der Tierarzt aus Solidarität mit mir mit und reicht erst Handtuch und dann Bademantel an und schließlich die Wollsocken dazu. Auf dem Heimweg zurück ins Oberland zwei Jogger mit umgehängten Westen in den Flaschen klemmen, dazu allerlei Uhren und Messapparate, von den Radfahrern und ihren Helmen mit Kamera ganz zu schweigen. Ich hingegen zähle nichts, messe nichts und schwimme in einem schwarzen Badeanzug und trage Wollsocken in Birkenstock-Pantinen. Ich mache also etwas grundsätzlich falsch. Darauf eine sehr heiße Dusche. Mein Arm übrigens, der Tierarzt hat es überprüft ist sonst ganz normal und keineswegs ein knochenloser Gummischwengel.

Morning shower #shower #sunday #1v12 #12von12 #morningme

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Es ist schließlich Sonntag und Sonntage schreien nach Marmeladenbrot, dazu reicht der Tierarzt die Zeitung und die Sonne legt Sonnenstrahlen auf den Frühstückstisch.

Marmeladenbrot für imma! #marmeladenbrot #jamontoast #harteliebe #2v12 #12von12 #diegutestulle #raspberryjam

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Ganz umsonntäglich wühle ich im Garten. Es gilt vor allem Kälbchen von den Blumen fernzuhalten. Der Tierarzt verteidigt Kälbchen und murmelt etwas von willensstark. Ich verteidige die mühsam gehegten Osterglocken. „Meine Kinder.“ Deine Kinder.“

Daffodils. Osterglocken. #inmygarden #spring #daffodils #ireland #3v12 #12von12

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Die Frau des Krämers jammert über kalte Hände, ein Ziehen im Rücken und befindet der Frühling bekomme ihr nicht. Die Frau des Krämers allerdings will hier niemand schlecht gelaunt oder frühlingslahm sehen und Wolle war auch noch da, also ein Paar Pulswärmer für Madame.

Der Sonntagstisch wird gefolgt von rituellem Sonntagsspaziergang und so wandern wir am Meer entlang und der Hund ( nicht im Bild ) jagt die hämisch kichernden Möwen.

Afternoon sea. #irishsea #walk #sundaywalk #5v12 #12v12

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Ich gäbe ein halbes Königreich für eine Mittagsschlafverordnung, aber immer am Sonntag versuche ich die Augen noch einmal zuzumachen. Auf das Sofa gesellen sich die Katze, Sonnenschein und der Tierarzt liest mir vor.

Oben, unten, mitte, links? Up, down, middle, left? Anyway team #nap #6v12 #12v12 #sleep #dots #funnyface #drowsy

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Ich weiß nicht ob Wörter wirklich helfen, oder überhaupt nicht, vielleicht verschwinden die Karten irgendwo im Nirgendwo, aber auf ein Wort will ich es ankommen lassen.

Ich lese ja in sklavischer Ergebenheit die London Review of Books und in der Sonntagsausgabe mit Himbeerscone.

Kafka for tea. #8v12 #12von12 #scone #londonreviewofbooks #kafka #fiveoclocktea #sunday #readonmydear

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Gelesen wird auch dieses Buch. Das Thema ist geradezu schauerlich tagesaktuell.

Books are in my bed. #nowreading #davidarmitage #history #9v12 #12von12

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Noch immer packe ich Hygienebeutel für die vielen Obdachlosen, die auf Dublins Straßen leben und dies wäre in der Form nicht möglich, gäbe es nicht so viele Freunde, die ihrerseits Zahnbürsten sammeln und Seifen und niemals einfach nur mit den Schultern zucken. Das ist ein großes Glück.

Homeless hygiene kitbag preparations #endhomlessnessnow #10v12 #12von12 #hygienebags #homelessoutreach

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Der Höhepunkt des Tages. Spannungsbogen. Tusch und Zahnpasta dazu. Das Fräulein gähnt und putzt die Zähne. Bitte bewundern Sie angemessen die Glitzerfliesen.

Oh, how very entertaining! #11v12 #12von12 #augenzuunddurch

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Das Fräulein liegt im Bett und betrachtet missmutig ihre großen Füße, die ganz und gar unproportional zu ihrer Gesamtgröße sind. Der Tierarzt schläft außenhäusig und so kann ich getrost diesen Umstand bejammern, beklagen und endlich auch die Augen schließen.

It's all over now, Baby Blue. #nitenite #12von12 #lichtaus #sweetdreams

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Mehr und andere Tage in zwölf Bildern gibt es hier Draußen nur Kännchen.

18 Gedanken zu “12 von 12. Ein Sonntag in Irland

    • Man vergisst so schnell, finde ich und ich will mich zwingen hinzusehen und nicht zu vergessen, dass in der Türkei Menschen einfach verhaftet werden und verschwinden, weil sie eine andere Meinung zu wagen haben. Mich hat die Verhaftung von Asli Erdogan sehr erschreckt. Ich will hinsehen wenigstens eine Postkarte lang.

  1. Die obigen Bilder haben mich erfreut, und vor im März im Meer Badenden kann ich nur den Hut ziehen …

    Die Karte von Read On in die Türkei hat mich nachdenklich werden lassen über Stunden, hat doch der dort inhaftierte Autor einen der, wie ich meine, schlimmsten Sätze der deutschen Nachkriegsgeschichte gesagt, und dieser Satz geht mir seit Jahren nach, weil er sich eingebrannt hat in mein Gedächtnis:
    „Buchautor Thilo S., den man, und das nur in Klammern, auch dann eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur nennen darf, wenn man weiß, dass dieser infolge eines Schlaganfalls derart verunstaltet wurde und dem man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten.“

    Und doch ist es gut, daß er jetzt auf Deutsch Karten erhält, er, der einmal schrieb: „Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite.“

    Vielleicht machen ihn diese Karten, Briefe und Wortmeldungen nun – in der Türkei – nachdenklich, vielleicht sogar dankbar gegenüber Menschen aus einem Land, von dem er einst so schnöde zu sagen wagte: „Etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal.“

    (Vorausgesetzt, ihm werden diese Postsendungen in der Türkei auch ausgehändigt. In Deutschland würden sie es jedenfalls …)

    Und wenn am Ende dann vielleicht von ihm sogar einmal eine aufrichtige Entschuldigung stehen würde für Gesagtes, und wenn dazu dann auch eine Karte aus dem fernen Irland, geschrieben in deutscher Sprache beigetragen haben könnte, wäre dies wunderbar.

    • Danke für Ihren wie immer sehr lesend-und bedenkenswerten Kommentar. Ich sage das zu selten, aber ich staune immer wieder, wie hier auch über sehr schwierige Themen miteinander gesprochen wird. Mich bewegt das sehr. Ich danke immer wieder.

      Ich teile Ihre Meinung, das sind unsägliche Sätze, die man nicht einfach herunterschluckt. Das ist wie meine Großmutter gesagt hätte schlechtes Deutsch und schlechtes Benimm, mit viel Aplomb auf die falschen Claqueure gezielt, und ja Behindertenverachtung und Untergangswünsche sind peinvoll und ja- unentschuldbar. Die deutsche Fähigkeit nicht von dieser Vernichtungsmetapher lassen zu können, ist mir, unbegreiflich.

      Ich glaube es ist sehr schwer und ich muss mich oft überwinden Solidarität herzustellen, mit Menschen und für Menschen deren Ansichten sehr, sehr weit von meinen entfernt sind, ich glaube aber das dies immer wieder eine wichtige Übung ist, weil es wie ich meine, es eine zunehmende Tendenz gibt, nur noch im eigenen Gesichtskreis zu denken und dieses Lagerdenken erbitterter Feindbilder behagt mir nicht. ( Ich hoffe Sie sind dann immer noch da und erinnern mich dieser Grundpflicht, sollte ich sie vergessen.)
      Wenn es nicht mehr gelingt trotz eines breiten Grabens der politischen oder was auch immer Differenz eine Grundsolidarität herzustellen, die aussagt die Inhaftierung aufgrund unliebsamer Meinungsäußerungen ist so falsch und so fehl wie nur irgend möglich, dann weiß ich nicht weiter.

      Ich habe keine Vorstellung davon, ob diese Karten ihr Ziel erreichen, aber das man einem Regime, das sich so vor Wörtern fürchtet, immer wieder das Wort vors Gesicht halten sollte, das glaube ich wirklich. Ich finde das übrigens eine gute Sache, das wir uns über den Inhalt auseinandersetzen und trotzdem Solidarität herstellen können, das scheint mir ein so starkes Argument gegen die Versuche den Mantel des Schweigens auszubreiten, die Sehnsucht nach der Totenstille habe ich nie geteilt. Das heißt noch lange nicht, dass Wörter nicht fürchterlich treffen können.

      Something completely diffferent: Ich träume davon einmal durch den Ärmelkanal zu schwimmen und tauche deswegen immerzu in eisige Gewässer….

      • Ich finde, die Postkarten für Deniz Yücel sind eine sehr schöne Idee. Als ich gerade eine Karte kaufen wollte, kam mir ein unangenehmer Gedanke: die Postkarten müssen übersetzt werden, damit die Zensur im Gefängnis sie prüfen kann (fragen Sie mich nicht, woher ich das weiß). Das kostet Geld, macht Arbeit und ist der Gefängnisleitung vermutlich äußerst lästig. Ich befürchte, sie entscheidet sich für eine von zwei Möglichkeiten: entweder sie lässt die Karten sang- und klanglos verschwinden oder sie reagiert mit Repressalien gegenüber dem Häftling, der ihr solchen Ärger macht. Ich bin also noch unentschlossen, ob ich schreiben soll.

      • Ich gebe zu ich kenne die Verhältnisse in der Türkei nicht, so weit ich es verstanden habe und ich finde das ein Unding bekommen die Inhaftierten überhaupt keine Post ausgehändigt. In der Hinsicht sind die Karten also auch Stellvertreter für die anderen dort einsitzenden. Das ganze System, das ganze Verfahren, die ganze Handhabe macht auf mich einen extrem repressiven Eindruck. Ich bin vielleicht naiv, aber ich finde einem Regime das sich so vor Worten fürchtet muss man Postkarten auf den Hals schicken. Ich kann überhaupt nicht einschätzen, ob auch nur eine Karte ihr Ziel erreicht, oder die alle im Papierkorb landen, aber ich hoffe, dass am Ende das Wort stärker ist.

      • „Die Feder ist stärker als das Schwert!“ brüllte er, als er den Bleistift (5H, gut gespitzt) mit voller Wucht in sein Auge rammte. Von hinten durch die Brust ins, ich fühle mich heute fies. Werde ich versuchen zu zeichnen, danke Trippmadam für die Inspiration und die Informationen.
        Übrigens finde ich es in Zeiten der bedingten Privatsphäre unabhängig von den anderen, berechtigten und für mich unerwarteten Überlegungen eine gute Idee, keinen Brief mit Umschlag sondern eine offene Karte zu schicken.
        Hüten wir uns vor Grafologen!

      • Also ich hoffe Sie behalten Ihr Augenlicht, Ihre Kommentare fehlten mir doch sehr! Ich glaube eine Karte ist der einfachste Weg….

  2. Das Fräulein liegt im Bett und betrachtet missmutig ihre großen Füße, die ganz und gar unproportional zu ihrer Gesamtgröße sind.

    Ach, auf großem Fuß lebt es sich doch angenehmer. Außerdem haben Sie so auch keine zu kurzen Unterarme (die Länge des Unterarms auf der Innenseite entspricht der Länge des Fußes).

    • Ich finde immer ich habe etwas so hobbithaftes mit diesen Riesenfüßen und dem kurzen Rest. Jetzt starre ich natürlich gebannt auf meinen Unterarm….

      • Hobbits haben doch breite Füße, so stelle ich mir das jedenfalls vor. Und damit können Sie nicht dienen. In Finnland hingegen sah ich im Sommer 2011 viele Frauen mit breiten Füßen, da assoziierte ich sofort Hobbits. Außerdem stellte ich fest, dass viele Männer aussehen wie die Hauptdarsteller in Aki Kaurismäki-Filmen.

    • Oh! Innerhalb meiner Fehlertoleranz (ich bin nicht mehr so gelenkig, habe aber die Schuhe ausgezogen) stimmt es! Hätte ich nicht gedacht, aus dem Stegreif hätte ich geschätzt, mein Unterarm wäre länger. Netter funfact

      • Demnach sind Sie nie von einer Freundin in die Schmonzette Pretty Woman geschleppt worden – ich schon. Das war das, was hängen blieb – und ein Ohrwurm. Eigentlich sollte der Film laut Originalskript ja schlecht enden.

      • Stimmt genau, arboretum. Ich kenne nur kurze Ausschnitte aus der Mitte des Films, er kommt oft genug im Fernsehen und manchmal zappe ich mich zufällig hinein. Nach ca. 10 Minuten reicht es mir aber, es ist wie mit Titanic, das Ende ist absehbar. Pygmalion geht besser

  3. Pingback: Schuhe gendern – Geschichten und Meer

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