Worüber ich rede, wenn ich über Sex rede

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Meine liebe C. ist Ärztin in der kleinen Stadt in der schon meine Großmutter Ärztin war. Die C. behandelt den Jäger, der mit der Schrotflinte Unfug trieb, nimmt sich Zeit für die Mütter, die nicht mehr weiter wissen mit dem schreienden Kind und hat auch für die alten Leute, für die der Arztbesuch, oft die einzige Art des sozialen Kontakts ist, immer Zeit. Die C. steht nachts halb zwei auf und sieht nach dem Herzinfarkt, der sieben Schnäpse, aber sonst nichts im Magen hat und vor dem Frühstück hat die C. schon Erbsen aus der Nase gezogen und verrenkte Schultern gerichtet.

Vor etwas über einem Jahr rief die C. mich an und sagte: „Süße, ich brauche deine Hilfe.“ Wie in so viele kleine und größere Städte kamen nämlich auch in diese Stadt, Flüchtlinge. Es sind die übrigens nicht die ersten Flüchtlinge, die in die kleine Stadt kamen, in den 1990er Jahren kamen die Spätaussiedler, die die Bewohner aber nur die Russen nannten. Damals nämlich fragte meine liebe C. meinen Vater um Hilfe, der des Russischen kundig, Schilder malte, die den Neuankömmlingen halfen sich in der Praxis zurechtzufinden. Das wichtigste Schild war: „Bitte kommen sie nüchtern zur Behandlung.“ Mein Vater malte einen Bären, der mit brummendem Schädel vor lauter leeren Flaschen saß und später als die Schilder abgenommen werden sollten, entbrannte Streit unter den Spätaussiedlern, wer das Bild bekommen würde- aber schon schweife ich ab- in der Zwischenzeit heiratete mein Vater ( oh, der Glückliche ) die liebe C. und es verging Zeit so wie sie eben vergeht, bis zu jenem Anruf der lieben C.
„Süße“, sagte die C. also, ich brauche deine Hilfe. Könntest du Schilder auf Arabisch machen, nach Art des Praxisleitfadens, den wir damals für die Spätaussiedler hatten? Ich machte Schilder und die C. verlängerte die Müttersprechstunde.
Das ging eine Weile so und manchmal rief die C. an und ich übersetzte ihr, was die Flüchtlinge eben nur auf Arabisch sagen konnten. Nach der Kölner Silvesternacht, rief der Bürgermeister die Leute der Stadt zusammen, die mit Flüchtlingen zu tun haben. „Wir wollen hier kein Köln“ sagte der Bürgermeister, wie Bürgermeister eben so etwas sagen. Es kamen viele Vorschläge zusammen, die alle mehr oder weniger mit Sicherheit zu tun hatten und bei mir klingelte wieder das Telefon: „ Süße, sagte die C. ich brauche noch einmal deine Hilfe.“ Könntest Du dir vorstellen, dass Du deine Aufklärungssprechstunde auch bei mir in der Praxis machst?“
Ich lachte. „Sicher“, sagte ich und seitdem mache ich einmal Monat genau das. Ich sitze in der Praxis und auf lauter bunten Stühlen sitzen Männer um mich herum und wir reden über Sex. Damals als ich vor vielen Jahren in Indien als die kleine Slum-Klinik noch viel kleiner war als heute mit der Frage konfrontiert war, wie sich den rasend hohen Vergewaltigungsfällen begegnen lässt, kam ich auf die Idee, Sexualkunde zum Thema zu machen. Ich mache es bis heute, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.
In der kleinen , deutschen Stadt jedenfalls montierte der Schlosser einen zusätzlichen Briefkasten neben den Eingang der Praxis und jeder der will und mag kann seine Frage aufschreiben, dort- anonym- hineinwerfen und wenn wir dann alle versammelt auf den Stühlen sitzen, und alle Männer auf den Boden starren, beantworte ich die Fragen. Bevor aber auch nur die erste Frage beantwortet wird, erkläre ich wieder und wieder die männliche wie die weibliche Anatomie.
Ich weiß nicht in vielen Sprachen ich Penis und Vagina sagen kann, aber es sind sehr viele. Es ist für viele Männer übrigens nicht nur Flüchtlinge ein Schock, aber auch ein befreiender Moment ihre Geschlechtsteile richtig benennen zu können. Das mütterliche Schniedelwutz und das kumpelhafte F*ckkanone das es in allen Sprachen gibt, ist nämlich mehr als hinderlich, um Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren. Ich singe ein ewiges Mantra davon, dass der Penis kein Knochen ist, was fast alle Männer fest annehmen und wieder und wieder spreche ich darüber, dass ein Penis der hart ist wie Stahl kein anatomisches Merkmal, sondern ein nicht ( hahahaha) weichzukriegender Mythos. Ich male einen Frauenkörper auf ein großes Blatt Papier und lasse einen jeden zeichnen, wo die Vagina ist. Die meisten vermuten sie auf Höhe des Bauchnabels.
Wieder und wieder versuche ich zu erklären, dass sexuelle Bedürfnisse etwas völlig normales sind, nur man muss sie steuern lernen und Menschen haben eben sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Es geht um Verhütung und Infektionskrankheiten und immer wieder um den Versuch darüber nachzudenken, wie man Intimität eigentlich herstellt. Es geht um die Frage: Wie spreche ich jemanden an und auch wann ziehe ich mich eigentlich aus.
Nein, leicht ist das nicht immer und vor allem in den ersten Stunden redet man gegen eine Wand aus Gekicher, Zungenschnalzen, Zoten und „warte bis du meinen gesehen hast“ an. Natürlich rufen mir viele auf der Straße Fräulein Fikki-Fikki hinterher. Man zahlt für das was man tut einen Preis und man hat mir schon viel schlimmere Dinge gesagt. Es mir ernst.
Die Fragen und ja ich beantworte alle, sind sobald sie aufhören Zoten zu sein, meistens braucht es ein Vierteljahr, lehrreich. Eine Auswahl:
Woran erkennt man, dass eine Frau Sex will?
„Aus dem Penis meiner Freundin kommt ein weißes Sekret- was heißt das ?
Wenn ich Sex in der Badewanne habe, brauche ich dann ein Kondom?
Ich habe unreine Haut/ bin kurzsichtig/ habe starken Haarwuchs / esse gern Gurken-masturbiere ich zu viel?
Ich träume von Oralsex: bin ich pervers?
Der Penis meines besten Freundes ist zwei Meter lang-warum ist meiner so klein?
Mein Vater sagt Frauen wollen hart rangenommen werden-stimmt das?
Mein bester Freund sagt, er hat jeden Tag zwei Stunden Sex?
Mein bester Freund sagt er hat sieben Stunden lang eine Erektion
Wird mein Penis härter reibe ich ihn mit Sperma/ Kokosöl/Klebstoff ein?
Ich hatte noch nie Sex-Bin ich unnormal?
Wie oft kann ich ein Kondom benutzen?

Die Reihe ließe sich ins Unendliche fortsetzen- Was ich gelernt habe aus den Fragen ist, vor allem die tiefe Verunsicherung nicht normal zu sein und nicht gängigen Klischees pornographischer Darstellungen zu entsprechen. Sexualität ist noch immer vor allem Vergleich, der sich in dem Moment erübrigt in dem jeder Einzelne verstanden hat, was sein Penis kann und mehr noch was alles nicht. Beantworte ich die Fragen aus dem Zettelkasten ist es immer ganz still und manchmal zeigt jemand auf und sagt: „Das wollte ich auch schon immer fragen.“
Nein, ich frage nie: nicht nach sexuellen Wünschen, nicht nach Ausrichtungen, nicht nach Erfahrungen. Das Fräulein Read On ist ein pragmatisches Fräulein und lässt Männer, auch üben ein Kondom aufzurollen und wieder abzuziehen. Bananen eignen sich dafür immer noch am besten. Die sind vor allem auch nicht aus Stahl. Nein, ich werde nie rot, auch wenn den Männern noch so sehr die Ohren glühen.

Ich finde es ja eklig, was du da machst“, sagen viele Freunde, Männer wie Frauen zu mir, erfahren sie was ich da mache „Mit lauter fremden Männern“, sagen sie und schütteln sich. „Igitt“, sagen die Frauen und Männer dann oft. „Schämst du dich nicht?“ Nein, sagte ich und schüttle den Kopf. Ich schäme mich nicht. Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten zehn Jahren gefragt worden bin, ob ich mich nicht schäme. Aber damals als ich in Indien mit einer Aufklärungssprechstunde begann, da fragte ich vorher meine Großmutter, was sie davon hielte: „Man muss tun, was getan werden muss“, sagte meine Großmutter, die 1922 geboren ohne rot zu werden, mir erklärte was der Unterschied zwischen Penis und Hoden ist.
Dem Zweifel sei entgegnet, dass sexuelle Gewalt stumm macht und das Vergewaltigung Scham und Schweigen über die Opfer bringen will. Solange man über Sex spricht und nachdenkt, beherrscht sexuelle Gewalt das Terrain nicht allein.

Nach zehn Jahren Reden über Sex weiß ich übrigens, die die am lautesten Fikki-Fikki schreien, schämen sich bald am meisten und bringen irgendwann Blumen. Der Junge, der vor zehn Jahren Steine im Slum nach mir warf, zog seinen kleinen Bruder fest am Ohr, als er nicht in die Aufklärungssprechstunde kommen wollte. Zweifellos bleibt nicht nur in Indien viel zu tun, aber im letzten Jahr ist im Slum in dem die kleine Klinik steht, keine Frau mehr im Straßengraben gefunden worden. Aber wie gesagt, das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Der junge Mann, der in der kleinen Stadt am lautesten pöbelte, kicherte und hoffte, er brächte mich doch endlich in Verlegenheit, hat inzwischen eine Freundin und wieder rief die C. mich an: „Süße, sagte sie, er hat mir Grüße an das Fräulein Read On aufgetragen, irgendwann will er auch mal Sexologe werden so wie du.“ Dann müssen wir beide lachen. Von fern aber höre ich meine Großmutter sagen: „Man muss tun, was getan werden muss.“ So einfach ist das und auch so schwer.

115 Gedanken zu “Worüber ich rede, wenn ich über Sex rede

  1. Nicht jeder traut sich soetwas überhaupt zu. Erstaunlich, dass es Menschen gibt, die das nicht anerkennen können und dann auch eher die Scham im Blick haben als die Aufklärung, die so wichtig! Ihr Einsatz, wie so oft, bewundernswert.

    • Ich glaube es gibt eine große Diskrepanz zwischen einer gefühlten Aufgeklärtheit und einer realen Mauer aus Scham und Unwissen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Sexualaufklärung präventiv sehr, sehr wirksam ist, um sexuelle Übergriffe zu verhindern. Bewundernswert sind wirklich ganz andere Menschen, ich bin sehr pragmatisch und meine Großmutter hatte Recht, man muss tun, was getan werden muss.

      • Hallo, ich fand den Artikel wirklich toll und inspirierend. Ich würde auch geren sowas machen, weiss aber nicht wie man einen Einstieg in diese Arbeit findet. Hast du vielleicht ein paar Tips?
        Viele Grüße und danke für den tollen Artikel

      • Das ist eine schwierige Frage und aus der Distanz kaum zu beantworten. Was ich empfehlen würde: Gleichgesinnte suchen, und erst einmal beginnen die eigenen Grenzen auszuloten. Das ist nicht einfach. Materialien, möglichst einfacher Natur, die ohne allzu große Fachbegriffe auskommen zusammenstellen, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt Material zur Verfügung und Kontakt zu Initiativen vor Ort aufnehmen, um zu sehen, was wird in diesem Feld schon gemacht und mit wem kann man sich zusammentun. Z.b. Familienberatungen, Flüchtlingsinitiativen, Kräfte bündeln ist besonders bei diesem Thema wichtig und nie vergessen, es muss einem selbst damit gut gehen.

      • Danke für den tollen Artikel!

        Genau wie Josephine könnte ich mir auch gut vorstellen so etwas anzubieten. Ich bin ziemlich Scham-befreit. Allerdings spreche ich kein Arabisch / Farsi / … Nur Englisch und Deutsch. Hast Du einen Tipp wo andere sowas anfragen? Für Flüchtlinge oder Deutsche?

      • Schambefreit ist eine gute Voraussetzung. Ich habe es weiter unten schon einmal versucht aus der Ferne so gut es zusammenzufassen. Gleichgesinnte suchen, eigene Grenzen austesten, einfache und einprägsame Materialien zusammenstellen und mit Organisationen in Kontakt treten, die möglicherweise schon tätig sind Pro Familia / Integrationskurse etc. Es ist immer hilfreich, Leute mit medizinischem Hintergrund dabei zuhaben! Und auf sich selbst achten! Es ist nicht einfach. Ich finde Sprache nicht so wesentlich, einfache Sprache kann da oft auch gehen.

  2. Es beschämt mich immer wieder zu lesen wie viel Sie der Welt geben, und wie wenig man selbst.

    Ich bin kein feinsinniger Mensch, aber ihre Texte rühren mich immer wieder, manchmal sogar zu Tränen.

    • Aber nein, es ist ja kein Wettbewerb. Jeder gibt, so viel er kann. Ich glaube Sie sind ein sehr feinsinniger Mensch. Wer zu weinen vermag, kann kein hartes Herz haben! Danke.

  3. Immer wieder gefällt mir Ihre Großmutter ❤
    Und wir haben ein bisschen etwas gemeinsam, denn die ersten zehn Jahre meiner Berufstätigkeit arbeitete ich als Paartherapeutin mit Schwerpunkt Sexualität. Den hatten die anderen Kollegen an mich abgegeben, schmunzelnd "mach Du mal die Sextante", weil sie sich sprachlich nicht sicher auf dem Feld fühlten. Eigentlich merkwürdig, wir reden immerhin über die frühen 90er.
    Am interessanten allerdings (das ist jetzt bisschen eine Notiz an mich selbst) finde ich, dass mir das Thema heute bereits zum zweiten Mal begegnet. Vor einer Stunde schickte mir ein Kollege einen Kongressbeitrag, den er zu dem Thema halten wird. Da ergriff mich Melancholie und ich dachte, an diese damalige Zeit. Und nun flaniere ich durch die Blogs und schwups…. da ist es wieder das Thema.
    Was will mir das jetzt sagen???????

    • Meine Großmutter war so, so groß. Diese Fußstapfen füllt man niemals aus.

      Die Sextante gefällt mir sehr gut! Ich finde das so unendlich wichtig. Leider führt das Thema ein so ungutes Nischenthema und ich bin mir sehr sicher, dass nur die allerwenigsten Menschen zugeben würden, Sie gingen zu einer Sexualberatung/ Therapie. So schade, und ich glaube das Thema wird insbesondere im Zusammenhang mit Flüchtlingen etc. unterschätzt. It seem as the 90s are back….

      • Ich auch. Gut möglich, dass mir die Rolle der „Sextante“ inoffiziell und im privaten Gespräch auch einmal zufällt. In einer Unterhaltung mit einem jungen, nach Deutschland geflüchteten Oromo, mit dem ich vergangenes Jahr zu tun hatte, gab es mal einen Punkt, an dem ich mich fragte, inwieweit seine verstorbene Mutter ihn noch aufgeklärt hat oder ob er seine ältere Schwester danach fragen kann. Es war aber nicht der richtige Zeitpunkt und Ort, um das anzusprechen. Wenigstens habe ich ihm bei unserer nächsten längeren Unterhaltung noch erklären können, dass und warum es keine so gute Idee wäre, wenn er oder sein Freund aus Eritrea Mädchen kennenlernen, sich gleich danach zu erkundigen, ob sie einen Freund haben. Das ist ja ein Thema, dass alle Neuankömmlinge sehr interessiert: Ob man verheiratet ist und Kinder hat.

        Inzwischen habe ich den Kontakt zu ihm verloren, er ist im Herbst nach seiner Anhörung in der Zentralen Aufnahmestelle in Gießen dort geblieben und wollte mit einem Freund zusammen ziehen. Möglicherweise wurde er aber schon wieder zurück nach Äthiopien verfrachtet, jedenfalls reagiert er weder auf Mails, Short Messages oder Anrufe, zuletzt war sein Mobiltelefon ausgeschaltet und es kam nur die übliche Ansage „zurzeit nicht erreichbar“.

        Ich habe aber noch losen Kontakt zu zwei jungen Afghanen um die 20, kann sein, dass da in einem Fall das Thema irgendwann auch nochmals hochkommt. Dass er sich kürzlich irgendwo Krätze eingefangen hat, hat er jedenfalls nicht seiner Tante, die schon seit 30 Jahren hier lebt, anvertraut, sondern mir. Dabei sind wir uns erst einmal zufällig begegnet und haben seither ab und an mal ein paar Mails ausgetauscht. Vielleicht war es einfacher, einer Fremden das per Mail zu erzählen und um Rat zu fragen als von Angesicht zu Angesicht einer Verwandten.

      • Beide Geschichten sind sehr beeindruckend und ich glaube, vor allem bei solch sensiblen Themen wie Sexualität und Verhütung, Geschlechtskrankheiten ist ein ( halb)- anonymer Ansprechpartner oft befreiender als ein Familienangehöriger, der sofort wertet, kritisiert etc.

      • Im Grunde braucht es ein Aufklärungsbuch – oder vielleicht Blog* – auf Arabisch und Farsi. So etwas wird hierzulande ja überall gebraucht und Initiativen wie die von C. und Ihnen, gibt es sonst wahrscheinlich kaum oder gar nicht.

        Ich vermute, dass auch bei den Frauen viele Dinge mit Scham besetzt sind, und auch – trotz aller Gespräche unter Frauen – einiges Halbwissen kursiert.

        * besser ohne Kommentarfunktion

      • Natürlich haben Sie Recht, aber ich glaube das ist nur Teil eines größeren Feldes. Was ideal wäre, gäbe es in den Unterkünften verpflichtende Aufklärungskurse inklusive Verhütung und Familienplanung, die zur aktiven Mitarbeit auffordern. Rollenmuster zu überprüfen, aber auch ein Kondom auszupacken und aufzurollen und und und sind Praktiken und Techniken, die theoretisch kaum erfasst werden können und noch wichtiger, es nimmt dem oft angestrengtem Mackertum den Wind aus den Segeln, denn die anderen merken, dass der ‚Anführer‘ auch nicht mehr weiß als sie. Ich halte es für zentral solche Dynamiken früh aufzulösen, damit es dann vor der Disco oder wo auch immer erst gar nicht zu diesen aufgeladenen Gruppen kommt, die dann auf Frauen losgehen. Das wäre jedenfalls meine vorsichtige Einschätzung. Für Frauen, das stimmt ist das genauso notwendig wie für Männer

      • Ja, klar, im direkten Gespräch geht das viel besser, dabei lernt man ja auch, über Sexualität zu sprechen. und gerade bei den Rollenspielen dürfte der Lerneffekt sehr hoch sein. Die Kondom-Übung ist ebenfalls durch kein Buch oder Blog zu ersetzen. Die große Mehrheit der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern spricht halt nur kein Arabisch oder Farsi usw., und ist außerdem auch noch älter als 65. Und wer von den Helfenden die entsprechenden Sprachen spricht, ist oft mit Übersetzungen und Änterkram ausgelastet (und hätte vielleicht ohnehin Scheu, sich diesem Thema anzunehmen).

        Bund, Länder und Kommunen wiederum haben das Thema nicht auf dem Schirm – bei Sexualität und Prävention denken die eher an Großveranstaltung und Polizeieinsatz. Und der Bürgermeister der kleinen Stadt läuft ja anscheinend auch nicht mit stolz geschwellter Brust durch die Gegend und erzählt allen und jedem von diesem Best-Practice-Beispiel in seiner Stadt. Wenn er auf Zack wäre, würde er Ihre Initiative für den Integrationspreis 2017 vorschlagen, die Bewerbungsfrist endet am 23. Januar 2017, die Akteure können sich übrigens auch selbst bewerben – Ihre Initiative könnte unter den Aspekt „das Zusammenleben von neuen und alten Nachbarn fördern“ fallen. Selbst wenn es keine Auszeichnung gibt, haben durch die Bewerbung ein paar relevante Leute davon erfahren, was die Chancen erhöht, dass das Beispiel Schule macht.

        Kurzum, für diese Präventionsarbeit braucht es Verbündete, die an den richtigen Stellen ein Wort dafür einlegen können (so dass letztendlich auch Geld dafür locker gemacht wird).

      • Das Problem des jungen Afghanen ist inzwischen gelöst. Er hatte schon selbst einen Termin beim Hautarzt vereinbart, aber wohl nicht gesagt, dass es um Krätze geht, und daraufhin erst für Februar einen Termin bekommen. Ich habe dann ebenfalls einen Hautarzt angerufen, kurz das Problem geschildert und schwupps, hatte er 48 Stunden später einen Termin, obwohl es kurz vor Weihnachten war.

        Eine Freundin hat er übrigens nicht – und auch sonst keinen intensiveren Hautkontakt gehabt.

  4. Genau deshalb habe ich auch meinen großen Söhnen ( 24 und17) aufgeklärt und auch über meine Probleme bei der Menstruation erzählt. Viele Männer wissen gar nicht wie das bei Frauen so ist, der schulische Sexualkundeunterricht reicht da nicht aus.Und das wichtigste: wenn eine Frau Nein sagt, dann heißt das auch Nein. Meine 10jährige Tochter hat schon viel mitbekommen, sie hat jetzt im Unterricht das Thema Pubertät und sie wusste schon alles, was im Lehrbuch steht. Ich finde es eigentlich sehr wichtig, das unsere Kinder respektvollen und verantwortungsbewusst miteinander umgehen. Und ich habe sehr großen Respekt, daß sie fremden Menschen dieses Wissen vermitteln.

    • Ihre Söhne können so stolz auf eine Mutter wie Sie sein. Menstruation mein zweites Lieblinsgthema ist auch kein reines Frauenthema, sondern geht Männer sehr an. Man kann durch gute und altersgemäße Aufklärung so viel erreichen und so viel verhindern. Mir das ein echtes Herzensanliegen. Vielen Dank für Ihren Kommentar!

    • …der schulische Sexualunterricht liegt sehr am Lehrer. Ein Lehrer kaute mit uns neben dem Zyklus die Funktion der Pille durch, ein anderer ließ uns Refarate halten über Themen wie Orgasmus & Co. Dafür bin ich sehr dankbar (und auch für meine Eltern, die alles beantwortet haben), aber das stand so auch nicht auf dem Lehrplan. Vielmehr kritisierten diese schulische Offenheit sogar manche Eltern… Dabei sollte das immer so sein, wie ich finde. Durch Refarate und mdl. Abfragen (In Klausuren war Sexualkunde damals verboten) musste auch jeder zuhören und irgendwie war es dadurch gar nicht mehr peinlich, sondern „nur“ noch interessant.

  5. Danke für diesen bewegenden Text! Für mich ist er ein Beitrag zu wieder-Mensch-werdung der Flüchtlinge in der öffentlichen Wahrnehmung insbesondere nach der Silvesternacht 2015/16, den Anschlagsversuchen und den durchgeführten Attentaten. Außerdem macht der Text macht mir einen Zusammenhang klar, den ich vorher nicht sehen wollte, ohne dabei Fremdenfeindlichkeit zu wecken: viele der jungen Männer, die zu uns kommen, kommen aus Gesellschaften, in denen Geschlechtlichkeit tabuisiert wird. Das kann zu massiven Problemem führen und braucht einen bewussten Umgang.

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar. Es ist eine schlichte Tatsache, dass Sexualkunde weder im Schulunterricht noch in den Familien vieler Herkunftsländer thematisiert wird. Das Gegenteil nämlich absolute Tabuisierung ist der Fall. Wenn man, so meine Erfahrung, die Altersgruppe der 16- 35 Jährigen, so bald es geht an das Thema heranführt und männliche Cliquen, die dann andere Dynamiken erzeugen noch nicht bestehen, hat Sexualaufklärung immense Präventivkräfte. Ich habe das selbst auch erst im Lauf der Jahre gelernt, wie sehr die alleinige Benennung zu einer anderen Annäherung führt. Es macht einen immensen Unterschied ob sie „Loch“ oder „Vagina“ sagen. Rollenspiele, die Männer mit der Situation von Frauen konfrontieren, können sehr gute Dynamiken in Bewegung bringen, die eben sexuelle Begegnung und nicht sexuelle Belästigung ermöglichen. Ich halte es für ein zentrales Thema für Integrationserfolg.

      • Liebes Frl. ReadOn! Vor kurzem erst habe ich Ihren Blog entdeckt, und er ist ganz wunderbar, ebenso wie Ihre Arbeit. Kennen Sie von Joris Luyendijk „Die Kinder der Midaq-Gasse – Ein Jahr Kairo“, den Erlebnisbericht eines niederländischen Studenten, der in den 90ern ein Jahr in Ägypten studierte? Es hat mir sehr geholfen, die dortige Mentalität zu verstehen. Kleiner Auszug:

        Ich erzähle Maher, daß Fiona zum Essen kommt. „Sie besucht Dich? Bei Dir zu Hause? Werdet Ihr es miteinander treiben?…. Ach Du bist nicht allein wegen dem Sex hinter einer Frau her, sondern auch, weil Du Dich für sie interessierst?…Hier heißt es penetrieren und fertig. … Und ich habe immer gedacht, Ihr würdet es jeden Tag mit jemand anderem treiben“

        Ein wenig skeptisch bin ich dennoch. Zur Unaufgeklärtheit muß ein anerzogenes Machowesen dazukommen, ansonsten ist man(n) eher schüchtern. Das zu beseitigen, ist wesentlich schwieriger. Diejenigen, die den Weg zu Ihnen finden, haben das Problem ja zumindest schon erkannt, und soweit muß man erstmal kommen. Andere ziehen weiter mit „Ficki-Ficki“-Sprüchen durch nächtliche Straßenbahnen, wie mehrere Freundinnen meiner Liebsten unter Bestätigung von Vorurteilen, die man eigenlich nicht haben sollte, leidvoll erfahren mußten.

        Was mich noch interessieren würde: Warum sind eigentlich nur Männer in Ihrer Sprechstunde?

      • Danke! Was ich sehe besonders bei Männern, die wenig oder nichts über Sex und auch ihren Körper wissen, kommt es zum Überspielen dieser Unwissenheit und Unsicherheit durch hypersexuelles und oft aggressives Verhalten. Ich finde dafür den Begriff Macho zu schwammig, weil er das Problem potenziert. Macho ist ja nicht nur ein negativ gebrauchter Begriff. Die zu mir kommen, kommen nicht immer freiwillig, aber das ist für mich eher nebensächlich, sondern man hat in dieser Runde eben die Möglichkeit dieses enorme Nicht-Wissen erst einmal mit Begriffen zu füllen. Es macht tatsächlich einen Unterschied ob man sagt: Schlaf mit mir oder lass mich dein Loch f+cken. Wenn man da also ansetzt und dann vor allem auch Männer mit ihrem Verhalten konfrontiert, kann man nicht immmer und nicht oft genug, aber immer wieder diese Aggressivität die durch Nicht-Wissen verstärkt wird, durchbrechen.

      • Ich vergaß: Ich mache das auch für Frauen vor allem in Indien und in Flüchtlingslagern, aber hier in Deutschland sind sehr viel mehr junge Männer, in dem kritischen Alter zwischen 16-35, wo ich glaube man wirklich verstärkt Sexualaufklärung anbieten sollte.

  6. So schön geschrieben. Meine Bewunderung für den Text und die Tat.
    Es ist immer wieder unfassbar, wie schlecht Menschen informiert sind über ihre eigene Sexualität.
    Jugendliche, mit denen ich es zu tun habe, wissen so wenig, obwohl sie es nachlesen könnten. Wichtig ist zu allererst die neutrale Benennung der einzelnen Körperteile. Stimmen die Begriffe, läuft er Rest auch.
    „Frau Berger“ nannten sie mich an meiner alten Schule. Wer das war, weiß nun auch fast keiner mehr.
    Kommen junge Menschen aus Ländern mit geringer Alphabethisierungsrate und hohem Tabuuisierungsgrad wird es richtig schwierig. Hier haben wir auch noch die sehr fundamentalistischen Christen aus Russland, mit denen ich mich anlege. Ihre Kinder fehlen dann plötzlich im Unterricht, wenn Sexualkunde dran ist.

    • Danke für deinen so aufschlussreichen Kommentar! Ich habe mit dem deutschen Schulsystem überhaupt keine Erfahrung, was sich sehe ist das Pornographie, die ja sehr leicht zugänglich ist, eher verklärt, denn aufklärt. Das Phänomen, das immer medial beschrieben ist, dass jungen Mädchen sofort zwischen die Beinen gegriffen wird, hat eindeutig pornographische Vorbilder. Sprachgebrauch zu etablieren ist wirklich essentiell. Ich habe Analphabetismus nie also so großes Problem erlebt, in Indien eben sehr, sehr viel Piktogramme. Ich stimme Dir sehr zu, es ist ein harter Acker auf dem man da gräbt. Frau Berger ist zu schön!

      • In den Zeiten des Internets kann man ja nachlesen bei Wiki und so, wenn man lesen kann. Man kommt an Informationen ran. Jetzt weiß ich nicht, ob und wie man in Indien ins Netz kommt und was man da nachschaut. Ich stell mir halt vor, wenn man nicht lesen kann, wird das halt schwer.

      • In Indien ist das Problem noch mal anders gelagert. Ich halte hier in Deutschland Literatur zum Thema nicht ausreichend genug, sondern vor allem die Konfrontation mit unüberprüften Mythen für extrem wichtig und die Möglichkeit konkrete Fragen zu stellen.

      • In Indien kann ich es mir nicht vorstellen. Voller Mythen und Legenden.
        Womit ich gerne arbeite, sind die Broschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Und dann natürlich das Fragen stellen und beantworten. Mir ist nämlich nix peinlich:)

      • Hier haben wir auch noch die sehr fundamentalistischen Christen aus Russland, mit denen ich mich anlege. Ihre Kinder fehlen dann plötzlich im Unterricht, wenn Sexualkunde dran ist.

        Mein verstorbener Onkel war Schuldirektor in Nordrhein-Westfalen, wo sehr viele Aussiedler ankamen. Er berichtete Anfang der 1980er schon Ähnliches. Am Schwimmunterricht sollten die Mädchen dem Willen der Eltern nach auch nicht teilnehmen.

  7. Die Kommentare der Anderen sagen etwas über sie selbst aus, nicht über Ihre Arbeit. Sie tun ein gutes Werk, wofür man Ihnen gar nicht genug danken kann.

    Verzeihen Sie die profane Frage: Aber wie finanzieren Sie das? Auf Dauer geht das doch auch ins Geld, allein die Reisekosten, zumal Sie in Irland auch laufende Kosten haben (und schon jede Menge Zahnbürsten und Hygieneartikel kaufen, um sie Obdachlosen zu schenken). Rückt der Bürgermeister der kleinen Stadt dafür Geld heraus?

    • Nein, nicht profan. Nur ist meine Blogidentiät natürlich nicht allzu sehr daran interessiert, hier meine Einkommensverhältnisse offenzulegen. Ich habe zwei Berufe und ein Leben, das aus vielen, aber doch sehr privaten Gründen, finanziell nicht schlecht aufgestellt ist und es gibt vor allem einen großen Freundeskreis, der viel von dem was ich mache mitträgt. Für Indien verhält sich das noch einmal anders.

  8. Um Himmels willen, so war das auch nicht gemeint, dass Sie Ihre Einkommensverhältnisse hier offen legen. Mich hat einfach interessiert, ob jener Bürgermeister – der immerhin eine solche Ansage machte – auch mal Geld dafür springen lässt, damit diese Arbeit getan werden kann. Und wenn es nur eine kleine Summe ist, die eher einer symbolischen Anerkennung gleicht. Es freut mich aber zu hören, dass Ihre Freunde Ihre Arbeit unterstützen.

    • Ich habe es gar nicht so verstanden-es ist eben eine Gratwanderung solch ein Blog und es gibt natürlich Teile meines Lebens,die hier nicht vorkommen oder sehr am Rande. Dies kann mit Recht irritieren oder Fragen aufwerfen. Der Bürgermeister gibt kein Geld nein, dafür aber Apotheken z.B. Kondome. Der F. um ein Beispiel zu nennen, übernimmt bin ich verhindert, die grandiose C. leistet in ihrer Praxis Unendliches und ich bin mit vielen Freunden und auch den vielen, die hier woe Sie engagiert kommentieren und lesen, getragen. Danke auch dafür.

  9. Liebe Frau “Lese-weiter“!
    Kurz bevor ich zum Gottesdienst gehe und dort die Geschichte von den Heiligen Drei Königen lesen werde, die seit 2000 Jahren die „Weisen aus dem Morgenland“ genannt werden, lese ich ihren wunderbaren, weisen Text!.
    Seit vier Jahren bin ich in der Flüchtlingsarbeit in Wandlitz im Norden von Berlin engagiert und mir war von Anfang an klar, dass das Thema Männer und Frauen eines der schwierigsten ist, wenn es um die Integration (genauer um die Inclusion!) von Menschen aus anderen Kulturen geht. Immer und immer wieder habe ich Einheimische darauf hingewiesen, dass wir nicht vergessen dürfen, auf welchem Stand der verinnerlichten Gleichberechtigung oder Ungleichberechtigung wir, unsere Eltern und Großeltern noch vor 50 Jahren waren.
    Und obwohl ich mich seit Jahrzehnten auch mit dem Thema Sexualität beschäftige, ist mir erst heute klar geworden, dass das Thema Gleichberechtigung so unglaublich viel mit Sexualaufklärung und Enttabuisierung zu tun hat.
    Das ist der eine Punkt, für den ich ihnen dankbar bin!
    Der andere scheint aber noch viel wichtiger. Ich habe ihren Text auf meiner Facebook-Seite mit folgendem Kommentar gepostet: „Ein wunderbarer Text zum Thema „Sex und Flüchtlinge“! Oder sollte ich besser sagen zum Thema: „Sex und wir“?

    Und in den Kommentaren zu ihrem Text wird das ja noch viel deutlicher: auch wenn es natürlich in Indien oder in Syrien, in Kenia oder in Afghanistan noch viel mehr Tabus, noch viel mehr daraus erwachsende sexuelle Gewalt gibt, so gilt dennoch: „wer im Glashaus der verdrängten Bedürfnisse und tabuisierte Begriffe sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.“
    Und so scheint mir auch an diesem Punkt, die weltweite Flüchtlingsbewegung, die uns noch viele Jahrzehnte beschäftigen wird (und unsere Kinder und Enkelkinder!) eine Chance zu sein, dafür dass wir im Spiegel mit den Fremden auch das Fremde erkennen in und neben uns selbst.
    Nun mag es ja sein, dass mitteleuropäische Männer im geringerem Prozentsatz die Vagina in der Höhe des Bauchnabels vermuten, aber ansonsten gibt es so vieles zu tun um wegzukommen davon das wir Männer “es den Frauen bringen müssen“ und dass die Frauen beim Sex einzig die Aufgabe hätten, dem Partner (oder der Partnerin) größtmögliche Wollust zu bereiten (und vorzuspiegeln) ohne Berücksichtigung eigener Bedürfnisse.
    Ja, das Thema „Sex und die Fremden“ führt uns in übergroßer Deutlichkeit zum Thema “Sex und das Fremde in mir“!
    Herzlichen Dank für ihren menschenfreundlichen und klugen Text

    • Vielen Dank! Fantastisch, dass Sie in Wandlitz so engagiert sind! Großartig! All die Initiativen, die vor allem auf dem Land fantastische Integrationsarbeit leisten! Ich freue mich sehr, dass Sie hierher gefunden haben. Ich teile Ihre Ansicht. Aufklärung und vor allem die Ächtung von sexueller Gewalt ist ein relativ neues Phänomen. Ich halte es für enorm wichtig, Aufklärung zu einem Bestandteil von Integration zu machen. Ich glaube viele Männer sind mit der Rolle des starken, sexuell leistungsfähigen Mannes überfordert und viele Frauen kaum in der Lage eigene Bedürfnisse zu kommunizieren. Ich denke sexuelle Aufklärung ist nie ein abgeschlossener Prozess, sondern ein lebenslanges Lernen. Insbesondere aber in Männergruppen, die sich selbst hochschaukeln, sind klare Worte und Enttabuisierung sehr, sehr wichtig. Vielen Dank für Ihren sehr bedenkenswerten Kommentar!

  10. Ganz wunderbar. In vielem finde ich mich wieder, als ich einige Jahre selbst als Mrs. Fickificki durch alle Schularten ab der 7. Klasse AIDS Aufklärung machte. Und obwohl es hier Dr. Sommer gibt und viel für die „Aufklärung“ unternommen wird, gab es unendlich viele, äußerst unschuldige Frage, die beantwortet werden wollten und sollten.
    Danke für den Text.

    • Thats my kind of sisterhood! Großartig, was Sie da machen. Ich glaube es gibt eine große Diskrepanz zwischen gefühlter und realer Aufgeklärtheit….Danke für Ihren Kommentar!

  11. Pingback: Lesestoff für den ersten richtigen Sonntag in 2017. 48 Artikeln am 08.01.2017 - Der Webanhalter

  12. TOLL…gehen Sie auch in andere Städte ? wir bräuchten jemanden wie Sie in unserer Einrichtung…HG aus Süddeutschland

    • Ich bin leider nur eine Einzelperson und pendle zwischen Irland und Berlin. Aber wir können gern Kontakt aufnehmen, wenn ich irgendwie behilflich sein kann!

  13. Hallo,
    ich habe den Artikel über einen Retweet bei Twitter gefunden und bin begeistert.
    ich bin eine noch junge Lehrerin und werde dieses Jahr zum ersten Mal eine 4. Klasse in Bayern in Sexualkunde unterrichten.
    Der Text hat mir viele Tipps gegeben, wie ich das gestalten kann (Fragen anonym stellen lassen zum Beispiel – so simpel. trotzdem ist es mir nicht eingefallen).
    Wenn man viel mit 10 jährigen arbeitet, kennt man das Gekicher natürlich auch.
    Ich habe mit der Klasse an verschiedenen Präventionsangeboten (u.a. Trau dich) teilgenommen, die Selbstbestimmtheit und Kindesmissbrauch thematisieren.
    Ich habe nur oft bemerkt, dass einige entweder noch zu jung sind; das Thema trotz Rollenspielen nicht verstehen und doch immer wieder auf den Fremden in der Gasse zurückgreifen. Und natürlich auch einige Kinder, die einfach nicht mitdenken und währenddessen Quatsch machen.

    Wobei ich schon ein recht gutes Gefühl habe, da ich gut aufgeklärt wurde und mir auch durch das Internet viele Dinge verständlicher und weniger peinlich sind als vlt. einigen Kollegen mit mehr Dienstjahren, habe ich noch viel zu lernen.
    Ich hoffe, dass ich es irgendwann auch so gut schaffe wie Sie!

    PS: Ich beneide Sie um Ihre Sprachenkenntnisse, denn wie gerne würde ich auch sichergehen, dass die Geflüchteten Kinder in meiner Klasse auch alles verstehen.

    Vielen Dank für Ihre herausragende Arbeit und vielen Dank für den wundervollen Text!

    • Ich glaube Sie machen alles richtig und es ist vor allem mit Kindern enorm wichtig Sie nicht zu überfordern, sondern vielleicht erst einmal ein positives Körperverständnis zu entwickeln. Ich lerne immer dazu und lerne immer wieder neu. Ich glaube Aufklärung und die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität ist ein Lebensthema. Ich bin mir ganz sicher, dass Sie das wunderbar machen! Vielen Dank für Ihren Kommentar!

  14. JA…DANKE für so eine wunderbare wichtige Arbeit (Berufung)…!!!! Ich mache Körperarbeit ( Körpermalerei NICHT „OBJEKT“ bodypainting!!) seit 32 Jahren ( in BAYERN!) und kenne damit einhergehenden Vorurteile und Fragen – die oft direkt mit Sexualität verbunden sind. Gruppen, Männer, Frauen, Mädels, Jungs und alle dazwischen…. bei mir durften schon meine Kinder (und auch deren Freunde & Freundinnen) auch bei uns daheim direkte Fragen stellen- was auch direkt und ohne Hemmung beantwortet wurde. „G-Punkt“ im Frauenkreis MEINER Freundinnen kannten (nur) 12 von 24 FRAUEN (die meisten Mütter!) – damals war ich 34 – und habe zu DEM Zeitpunkt (erst) von einer Frau gelernt, das (und wie) ich ejakulieren kann.Dieses THEMA habe ich auch in meine Frauenarbeit einfliessen lassen- Thema KÖRPER, Sexualität, Sinnlichkeit, Lust- ist NICHT einfach normal- auch viele JUNGE Frauen sind verunsichert oder schlichtweg unwissend. Ich bin inzwischen 52 Jahre und finde das Thema HOCHAKTUELLER denn je- NICHT nur für West-Kultur-Neulinge…Frauen wie Männer, Mädchen UND Jungen! DANKE für DEINE MUTIGE SO WICHTIGE Arbeit – Ein HOCH auf deine couragierte GroßMUTTER- und DICH und so viele mutige OFFENE Menschen. Ich sehe auch, das das Thema Körper, Freiheit der eigenen Empfindungen und Sexualität so wichtig ist, wie IMMER SCHON- aufgeklärt OFFEN sind da wenige – doch es werden mehr- und es braucht noch mehr, die „HEMMUNGSLOS“ aber einfühlungsvoll sprechen können darüber… Für mich ist das DRINGLICHE politische Arbeit- in einer Zeit, in der in Deutschland freie HEBAMMEN abgeschafft werden…. Für eine Zukunft des liebevollen Miteinanders!

  15. Sehr beeindruckend. Der Text und das, was dort getan wird. Ich kann gar nicht glauben, dass ich den Blog bisher nicht kannte, aber bin jetzt umso froher, ihn gefunden zu haben. Danke.

  16. Vielen Dank für diesen Text. Es ist schön, dass Sie über Ihr Engagement schreiben und damit einen Einblick vermitteln in die Lebensrealität anderer Menschen, die sich von außen nicht ohne weiteres erschließt. Hut ab für diese mutige Arbeit.

    Eines beschäftigt mich sehr: Wie kommt es Ihrer Ansicht nach zu sexueller Gewalt? Hilft dagegen die reine Sexualaufklärung, oder braucht das noch etwas mehr? Über die eigene oder die Anatomie des anderen genau bescheid zu wissen ist sicher wichtig. Aber sexuelle Gewalt ist doch in erster Linie Gewalt und nur am Rande Sexualität. Wie überwindet man das implizite Wertgefälle zwischen Mann und Frau oder die Objektivierung der Frauen in den Köpfen der Männer? Mögen Sie über Ihre Erfahrungen damit berichten?

    Darüber hinaus fällt mir dazu nur ein: Weiter so!

    • Das ist eine sehr, sehr schwere Frage und natürlich ist sie sehr kontextbezogen. In dem Zusammenhang mit männlichen Flüchtlingen, geht es meiner Ansicht nach, sehr oft um Gruppendynamiken, die in sexuelle Belästigung führen, oft in Verbindung mit Alkohol. Wenn man mit einem dezidierten Aufklärungsprogramm früh genug startet, bevor sich solche Dynamiken manifestieren, beginnt kann man mit Aufklärung viel erreichen. Dabei geht es nicht nur um das Benennen, obwohl das nicht zu unterschätzen ist, sondern auch um Aufklärung über Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und die dazugehörigen Gesetze und Konsequenzen. Ich bin da eine Freundin klarer Worte. Rollenspiele, in der sich Männer mit ihrem eigenen Verhalten konfrontiert sehen,bspw. ungefragtes anfassen des Pos etc. das sind erstaunliche Augenöffner, also da möglichst früh sehr konsequent zwischen, geboten, erlaubt und verboten zu unterscheiden ist sehr hilfreich. Ebenso das klare Ächten von Gewalt gegen Frauen. Das ist mühsam, anstrengend und noch viel mehr, aber ich glaube es gibt ein Zeitfenster in dem man präventiv vorbeugen kann.

  17. Es ist irgendwie schade, dass es im TV keine Sendung mehr zu diesem Thema gibt- weil man annimmt, es wüssten ja schon alle alles. „Liebe Sünde“ oder „Wa(h)re Liebe“ habe ich immer gern gesehen. („Peep“ dagegen nur, um mich drüber zu amüsieren).
    Auch hier trauen sich viele nicht zu fragen, dabei kann es oft sehr erleichternd sein zu erfahren, dass auch andere genauso viel Erklärungsbedarf haben. Gerade alltägliche Erlebnisse und Fragen lassen oft tiefere Rückschlüsse zu.
    Ihre Arbeit kann ich gar nicht hoch genug schätzen, Sie leisten da einen wundervollen Dienst an der Gemeinschaft. Nur die Fehleinschätzungen Ihrer Freunde finde ich etwas abstrus. Aber okay, unter meinen Freunden wüsste ich auch keinen, der das „eklig“ finden würde.
    Weiter viel Erfolg wünsche ich Ihnen- und mal öfters Blumen ^^

    • Ich stimme Ihnen sehr zu! Ich glaube das wäre sehr gut,gäbe es so etwas, vielleicht auch auf youtube, wo man vor allem Fragen stellen kann, die ernsthaft beantwortet werden. Ich halte die endlose Reproduktion von Porno als Aufklärungsersatz für sehr hinderlich. Ich habe auch viele andere Freunde, ich glaube aber es gibt viel breiteres Unbehagen über Sex zu sprechen als man so annimmt, vor allem wenn es über „witzig, witzig, hinausgeht. Vielen Dank für Ihre Ermutigung und mehr Blumen fände ich auch gut…

      • Gibt es doch? 61 Minuten Sex ist ein deutscher „Aufklärungskanal“ und wenn ich mich recht erinnere konnte man da auch immer Fragen stellen.
        Die beliebtesten Videos (Wie fingere/lecke/blase ich richtig?) verraten auf jeden Fall auch viel über Unsicherheit, „Leistungsdruck“ und Versagensängste.

  18. Nun habe ich mich doch nochmal hingesetzt und meine Gedanken nach dem viralen Erfolg des textes aufgeschrieben:
    Was ich denke und fühle, wenn ich (die Resonanz) lese: „Worüber ich rede, wenn ich über Sex rede“

    Ich bin überrascht!

    Ein Link, den ich vor 9 Stunden in meiner Facebook – Chronik gelesen und geteilt habe (http://bit.ly/2irGPNv) , wurde seitdem 15 x geteilt, bekam 30 Likes neun Kommentare und sieben Antworten und wurde seitdem in mindestens drei Blogs oder Nachrichten-Seiten weiterverbreitet (der Webanhalter: http://bit.ly/2jqP7tp, bei Piqd: http://bit.ly/2jqSO2h und http://www.lana74.wordpress.com : http://bit.ly/2jqUj03 )

    Mag ja sein, dass ein so genannter „viraler Hit“ anders ausschaut, mich macht dennoch die für meine Verhältnisse große Resonanz positiv nachdenklich.

    Der Text “ Worüber ich rede, wenn ich über Sex rede“, handelt von der sexuellen Aufklärungsarbeit, die eine unbekannte (Frau Read-on) nicht nur in indischen Slums, sondern auch in deutschen Flüchtlingsunterkünften aber auch unter Einheimischen leistet.

    Schon im Text selbst, aber erst recht in den Kommentaren sowohl im Blog selbst, als auch auf Facebook wird schnell deutlich, dass die Probleme von Tabuisierung, Nicht-reden-können über Details sexueller Praxis, Annäherung und Bedürfnisse zwischen den Geschlechtern (oder auch zwei Gleichgeschlechtlichen) kein Alleinstellungsmerkmal von Flüchtlingen aus dem arabischen, oder asiatischen Kulturraum sind.

    Gleich zu Anfang berichtet diese Autoren aus ihrer sexuellen Aufklärung-Arbeit, dass ein Grundsatz nicht nur von Flüchtlingen sondern genauso von Einheimischen darin besteht zunächst nur mal die Geschlechtsteile sachlich benennen zu können, wenn sie schreibt: “ Es ist für viele Männer übrigens nicht nur Flüchtlinge ein Schock, aber auch ein befreiender Moment ihre Geschlechtsteile richtig benennen zu können. Das mütterliche Schniedelwutz und das kumpelhafte F*ckkanone, das es in allen Sprachen gibt, ist nämlich mehr als hinderlich, um Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren.“

    Die dänische Sexologin Ann-Marlene Henning berichtet parallel dazu in ihren Sendungen wie problematisch für junge Mädchen die Unkenntnis ihrer Klitoris ist, die sie ohne Spiegel im Normalfall nicht sehen können. Wie sollen sie Bedürfnisse erspüren, wenn sie ihre Organe kaum kennen, noch nie gesehen haben?

    Natürlich wird man in Mitteleuropa weniger Männer finden die (wie die Autorin berichtet), wenn sie die Flüchtlinge bittet, auf dem Bild eines weiblichen Körpers die Vagina einzuzeichnen, diese in der Nähe des Bauchnabels verorten.

    Dennoch habe ich mich sofort daran erinnert dass ich selbst seit meiner Pubertät, dem Erwachen sexuellen Verlangens und dem für mich als Achtundsechziger relativ späten ersten Liebe-machen’s mit einer Frau im Alter von 19 Jahren vor allem von einer Frage gepeinigt wurde: wo genau ist denn diese Vagina, was muss ich tun, um nicht ungeschickt daneben zu treffen, kann es passieren, dass ich in die Harnröhre oder in den After treffe? Und vor allem: Was wird die Partnerin zu dieser dummen Unwissenheit sagen oder denken. Wie stehe ich als Mann dann da? Wie schön, dass, als dann der ersehnte Abend in mein Leben trat, die Frau schon Erfahrung hatte und mir liebevoll über diese scheinbar unüberwindbare Wissenslücke hinweghalf.

    Und wenn junge Männer im arabischen Raum (vielleicht) aus ihrem Glauben abgeleitet vor der Ehe mit keiner Frau schlafen wollen, für die Ehe aber nicht genügend Geld haben, um die Ersehnte oder Angebetete „auslösen“ zu können, – und es einer ganzen Generation so geht, dann scheint es mir nur zu verständlich, dass die weibliche Sexualöffnung 20 cm körperaufwärts geortet werden kann.

    Sind europäische Männer und Frauen deshalb aufgeklärter? Sind sie in ihrer Mehrheit eher darauf vorbereitet, das andere Geschlecht, seine andere Anatomie, seiner andersgearteten Bedürfnisse kennen zu lernen, sind sie darauf vorbereitet, ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und zu artikulieren? Kennen sie überhaupt ihre Bedürfnisse, haben sie die Mut geheime sexuelle Wünsche der geliebten, dem geliebten Partner/Partnerin zu offenbaren?

    Natürlich nicht!

    Anlässlich der #Aufschrei-Kampagne habe ich in einem Kommentar (www.bit.ly/aufschreiderlust ) mit den Worten überschrieben:

    Wir brauchen den #aufschrei der STOPP sagt, genauso wie den # aufschrei der Lust und Hingabe!

    Und unter anderem geschrieben: “ Es wird zu wenig gestreichelt, zu wenig in intimer geschützter Umgebung Begierde ausgelebt, geschaut, gegrabscht und dirty getalkt von Menschen, die sich darauf einigen, dass und was ihnen Lust bringt. Schlafzimmer in Not! Der Bestseller „Ehe, Sex und Liebesmüh“ (www.bit.ly/Liebesmueh) weiss neben vielen Sonnenseiten, auch über die Schatten dokumentarisch zu berichten: die Sprachlosigkeit, die Traurigkeit, Angst und Frustration, dort wo Lust und Lebenskraft sein könnte.

    Was hat das alles nun mit jenem Text zu tun:“ Worüber ich rede, wenn ich über Sex rede“?

    Vor allem dies eine: Wir müssen reden! Nicht nur in der Übersetzung auf Arabisch oder Farsi und Urdu. Wir müssen reden zwischen Mann und Frau, zwischen Frau und Frau zwischen Mann und Mann. Auch in Deutsch. Das Glückspotenzial der Sexualität ist so viel größer als alles, was wir bisher schon erlebten (so unterschiedlich unsere sexuellen Biografien auch sein mögen). Und das zerstörerische Potenzial der Sexualität könnte so viel mehr verwandelt werden in Lustgewinn zwischen zwei Erwachsenen die auf gleicher Augenhöhe Vereinbarungen darüber treffen, was sie miteinander und ihren Körper machen wollen,- wenn wir den Mut dazu hätten!

    Und so hege ich denn nach dem heutigen Tag einen schönen Verdacht: dass die Flüchtlinge die in unser Land kommen, nicht nur in Fragen der Arbeitskräfteentwicklung, nicht nur zu Problemen des Baus von Wohnungen mit sozialverträglichen Mieten, nicht nur zu fragen von Inklusion und Diversität, und und nicht nur dazu, dass wir generell das Fremde versuchen nicht als Bedrohung sondern als Bereicherung anzusehen, weiterbringen.

    Sondern dass die Flüchtlinge und das,, was wir ihnen an sexueller Information schenken wollen, auch uns als Einheimische voranbringt.

    Mein Buch über die Flüchtlingsarbeit, dem der Goldmann Verlag den Titel „Refugees welcome“ (http://bit.ly/refugeeswelcome_leseprobe) aufdrückte, sollten nach meinem Willen ursprünglich betitelt sein: „WILLKOMMENS-GLÜCK“. Dem Einwand, hinter so einem Titel könne man auch ein Schwangerschaftsbuch vermuten, konnte ich mich nicht entziehen.

    Aber ich bleibe dabei: die Flüchtlinge, die zu uns kommen sind eine Chance. Es ist ein Glück, dass sie uns dazu zwingen, vieles neu zu denken und über vieles neu zu reden.

    Ach, wie wäre das schön, wenn die Erkenntnis des Kopfes, dass der Fremde aus Irak, die Fremde aus Afghanistan uns bereichern können, uns auch dazu befähigt, mutiger das Fremde in den sexuellen Vorlieben unserer Partnerin/unseres Partners nicht zu fürchten, ja vielleicht sogar dazu befähigt, das in uns selbst tabuisierte und verdrängte Fremde anzuschauen und sich damit auseinanderzusetzen. Es wäre eine wirkliche Bereicherung!

    Und wenn Mahatma Gandhi einmal gesagt haben soll: „Wahrer Frieden beginnt in uns selbst!“ Dann wäre das auch – wie ich finde – ein verdammt politischer Transformationsprozess.

  19. Ich wollte schon heute Früh kommentieren und dann ließ es der schlechte Empfang im Zug nicht zu…
    Jedenfalls möchte ich ein riesengroßes Danke für diesen Bericht aussprechen und für das, was du tust. Ich glaube nämlich, dass Aufklärung verdammt wichtig ist und wenn Pornos weiter echte Aufklärung ersetzen, wird es bei uns auch bald wieder vonnöten sein, solche Aufklärungsfragerunden aufzuziehen… Sagt dir die Kampagne Make Love, Not Porn etwas? … Ich bin immer wieder erschreckt, dass es junge westliche Menschen gibt, die 0.0 tatsächlich aufgeklärt sind, absolut nicht wissen, wie so ein weiblicher Körper funktioniert, aber gleichzeitig total sicher sind, dass sie wissen, was einer Frau gefällt bzw. gefallen muss. Mit dem Ergebnis, dass sie irgendwelche wilden Dinge tun, die gerade einem jungen Mädchen Schmerzen zufügen, aber dann nicht akzeptieren, dass es wehtut, sondern den Fehler beim Mädchen suchen. Wenn das Mädchen genau so „kreativ“ aufgeklärt ist, glaubt es das am Ende sogar noch…
    Ich erinnere mich nur zu gut daran,wie eine sehr gute (streng christlich erzogene) Freundin von mir (die sich alle Infos selbst besorgen musste) mich mal beiseite zog und fragte, ob sie mich etwas ganz Intimes fragen dürfe… und dann fragte sie (genau so): „Wieso tut denn Sex immer weh?“ … Es folgte ein sehr langes Gespräch, in dem ich ihr klarmachte, dass Sex nicht wehtun soll (es sei denn, man ist masochistisch veranlagt) und auch absolut nicht wehtun muss.
    Und nachdem alles nichts half, habe ich dann auch noch mit ihrem damaligen Freund geredet. Das klingt jetzt übergriffig, war zum damaligen Zeitpunkt aber irgendwie nicht anders aushaltbar für mich (Ich war Teenie, man sehe es mir nach.)

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich finde es gut und wichtig, dass du das mit Indern und Flüchtlingen machst, finde aber, wir dürfen auch unsere eigenen Jungs und junge Männer nicht aus den Augen lassen. Da bahnt sich langsam aber sicher eine Katastrophe an, wenn das so weiter geht.

    Immerhin enden die Sexualkontakte nicht im Straßengraben, aber wenn sie heulend im eigenen Bett enden, finde ich es auch irgendwie nicht so schön.

    Hast du einen Tipp, wie man solche Sexfragerunden initiiert?
    Ich bin da ja ziemlich offen und habe (bilde ich mir ein) so auch schon Manchem vorbeugen können.

  20. Vielen Dank für den Text.
    Er macht mir Hoffnung, daß eines Tages Männer und Frauen vielleicht doch wirklich friedlich und gleichberechtigt miteinander leben können.

  21. Pingback: Aufklärung ist Prävention | Rotes Zelt Braunschweig

  22. Ich finde es immer wieder erstaunlich was Menschen alles nicht wissen bzw. ausschließen um sich alles zu vereinfachen oder weil Sie einfach Angst haben. Schreite weiter mit Mut voran und lass dich nicht aufhalten, denn du machst das sehr gut 🙂 Da kommt die Musikerin in dir zum Vorschein: Immer auf der Suche nach der Harmonie spielst du einfach alle Seiten ganz zart an^^

    Grüße Peter – (irgendwann haben wir mal zusammen gitarre gespielt) und viel Kraft dir.

    • Ich bin da schmerzfrei. Unwissen ist ja durchaus zu verändern. Ich glaube es ist wichtig, dass man Menschen nicht den Eindruck vermittelt, dass Sie dumm seinen, sondern das man wirklich versucht Wissen zu vermitteln und Fragen einfach anzunehmen und zu beantworten. Danke für all die guten Wünsche. Ich nehme sie alle gern!

  23. Was für ein großartiger, humorvoller und liebevoll geschriebener Text – danke! Dieses Thema beschäftigt mich seit meiner Kindheit und ich habe einen weiten Weg durch meine Scham, Angst und Lust zurückgelegt. Inzwischen bin ich Sexological Bodyworker und halte Vorträge, Workshops und Gesprächsrunden und gebe Einzelsitzungen dazu. Das Tabu ist auch in unseren Breitengraden riesengroß und ich kenne niemanden, dem es nicht schwer fällt, Wünsche, Fantasien oder Grenzen auszusprechen (häufigster Satz nach einer Session: „Das habe ich noch nie jemandem erzählt.“). Vielleicht macht mir die Arbeit genau deshalb so viel Freude: zu sehen, wie Entspannung eintritt, wenn jmnd. ein altes Geheimnis ausspricht und sie*er nicht verurteilt wird, wenn Menschen spüren, dass ihr „Stopp“ ernst genommen wird oder sie endlich genau so berührt werden, wie sie es wollen. Ich denke, die wichtigste Aufgabe ist die Auseinandersetzung mit unserer Scham, um uns offen und ehrlich zu zeigen und die anderen zu fragen, was sie brauchen und sich wünschen. Wir alle sind sexuelle Wesen und nur deswegen auf der Welt!

  24. Auch ich bin wohl wie einige heute über den Krautreporter Morgennewsletter hieraufgestossen und muss erst Mal sagen: Wunderbar geschrieben und höchst interesseante Punkte und auch Diskussion. Der Artikel hat mich allerdings an einen anderen erinnert, den ich vor Kurzem gelesen hatte. Darin geht es um eine amerikanische Journalistin, die ein bayrisches Dorf (und insbesondere dort eine Helferin) besucht: http://laphamsquarterly.org/home/brontosaurs-whistling-dark . Ich zitiere am besten den mir zu denken gebenden Abschnitt:

    „Paula and I drove to other apartments. Paula had found rooms in somebody’s house for six young migrants. Two middle-aged men from Münsing, Johann and Willy, were helping the migrants repair things around the house. During a quiet moment in the kitchen, Johann told Paula that one of the young migrants had confided in him that morning: the young man was romantically attracted to a young woman. He wondered whether kissing her would make her pregnant. Paula said she was glad that Johann had earned enough trust for such a conversation. I said what a good thing that, among the helpers, the migrants should have a man to talk to. Then it dawned on me. These young men had traveled thousands of miles, along dangerous routes, in groups in which sexual incidents, especially rapes, were extremely common. Paula had told me that when the migrants arrived many of the women were not only very ill but pregnant. Some became pregnant in the asyl. (“In the asyl?” I asked. Paula said, Yes, we have to realize that in some cultures having many children is invaluable.) The young man had been mocking Johann, putting him on. There would be laughter that night among those young migrants about this middle-aged citizen of Münsing. For a moment, my whole perception of things tilted.“

    Einerseits ist das ja gerade, was du mit den dümmlichen Fragen zu Beginn ansprichst, aber andererseits stellt sich dann mir doch die Grundfrage: Was ist denn jetzt genau das Grundwissen der Flüchtenden?

    • „das Grundwissen der Flüchtenden“ ist doch vermutlich mindestens so divers wie die einzelnen Länder und Familien aus denen Menschen hier her kommen!? Selbst wenn man solche auf der Straße befragt, die das deutsche Schulsystem besuchten, wird jede/r ein anderes Grundwissen mitbringen. Denn manche sind offen für bestimmte Themen und informieren sich eigenständig, während andere aus Scham nicht zuhören, sich vielleicht lieber darüber lustig machen.
      Ich verstehe nicht, wie man da von homogenen Grundvoraussetzungen ausgehen kann?
      Manche wissen vermutlich rein gar nichts (-> „He wondered whether kissing her would make her pregnant.“), andere haben vielleicht bessere Bildung erhalten, ein offeneres Elternhaus oder waren neugierig genug sich im Internet zu informieren.

      Deshalb finde ich es so gut, dass die Autorin keine direkten Fragen stellt sondern anonymgestellte Fragen beantwortet. So ist es egal welch ein Vorwissen jemand mitbringt – es kann alles (auf)geklärt werden 🙂

      • Der von dir zitierte Satz war ironisch gemeint. Die Jungen hätten sich über den Mann lustig gemacht, dem sie die Frage gestellt hatten. Auf ihrer langen Flucht waren sie vielen verschiedenen Menschen begegnet, haben viel sexuelle Gewalt miterlebt, davon gehört oder darüber gesprochen. Das ist die Aussage des ganzen Abschnitts. Und das macht eben die Aufgabe schwer, weshalb auch meine Frage kam: Ja, was stimmt denn nun? Mit den anonymen Fragen zu beginnen ist sicherlich richtig. Da hab ich keine gegenteilige Meinung zu 😉

    • Man kann davon ausgehen, dass es kein Grundwissen gibt. Das Thema Körperlichkeit-Pubvertät-Sexualität-Verhütung- und Familienplanung ist in den Herkuftsländern nicht präsent und man kann davon ausgehen, dass der Großteil der Männer und auch Frauen, keine Kenntnis über die eigenen Körperteile hat, Sex ist grundsätzlich mit Angst und Scham und vor allem dem Damoklesschwert Schwangerschaft verbunden, also da gibt es kein Wissen. Es gibt auch und ich mache das sehr stark kein Wissen über die Rechtslage, die zu diesem Themenkomplex gehört. Ich stelle das sehr neutral fest und dann beginnt man eben bei Null. Das ist, wie es ist.

  25. Liebe Read on,
    danke für diesen aufschlussreichen und schönen Text!
    Ich habe einen Tipp für Online-Infos über Sexualität in vielen Sprachen und mit Icons für Analphabet*innen.
    Weiß nicht, ob das schon jemand genannt hat, ich konnte nicht alle Kommentare lesen.
    Die Seite heißt „Zanzu, mein Körper in Wort und Bild“.
    https://www.zanzu.de
    Sie bietet Infos zu den Themen Körper, Familienplanung und Schwangerschaft, Infektionen, Sexualität,
    Beziehungen und Gefühle, Rechte und Gesetze.
    Viel Erfolg weiterhin allen, die sich für ein gutes Zusammenleben einsetzen!

  26. Erschütternd finde ich nicht so sehr das wahrscheinlich oft mehr als bruchstückhafte Halbwissen von Geflüchteten oder der indischen Slum-Bewohner über Sex. Viel schlimmer finde ich, dass Dich Deine Freunde und Bekannten hierzulande fragen, ob Du „Dich nicht schämst“ und „eklig“ finden, „was Du da machst“. o_O
    Dass arabische oder afghanische Flüchtlinge oder indische Jugendliche aus dem Slum nicht viel mehr als Mythen und Pornoklischees über Sex wissen, wundert nicht, weil eben kaum ein Angebot in der Richtung da ist. Aber hier haben wir alle diese Angebote. Und dennoch scheint es bei manchem zum einen Ohr rein, zum anderen raus zu gehen und Sex ist immer noch ein „peinliches“ Thema, obwohl wir täglich damit konfrontiert sind. Wissen die Leute eigentlich, was sie sich da an Lebensfreude und Lust versagen, mit dieser sex- und sinnenfeindlichen Einstellung???
    Diese neue Biederkeit und Verklemmtheit hier in D und Europa macht mir Angst, auch im Zusammenhang mit dem großen Zuspruch, den Leute wie Herr Stängele bekommen (ist der Name nicht super passend für jemanden wie ihn…sry, der musste jetzt einfach sein). Seines Zeichens Lehrer, Familienvater und Großkritiker des Bildungsplanes Baden-Württemberg – der u.a. eine umfassende Sexualaufklärung beinhaltete – und Beifall bekommt er nicht nur von potenziellen AfD-Wählern oder Hardcore-Katholiken oder Evangelikalen. Mancher denkt sich wahrscheinlich: „endlich einer, der sich traut zu sagen, dass wir über peinliche Themen nichts wissen und auch nicht reden wollen.“ Verdrängen ist eben bequemer als bearbeiten.
    Da kommt eine gewaltige Welle von Dummheit und Verklemmung auf uns zu.
    Ich denke, wir werden es in den nächsten Jahrzehnten wieder vermehrt mit Teenager-Schwangerschaften, SüK-Infektionen und Vergewaltigungen zu tun bekommen – von gewohnheitsmäßigem Mobbing bis Hassverbrechen gegen Frauen und/oder sexuelle Minderheiten mal ganz abgesehen – wenn es uns nicht gelingt, diese Verschwiemelungs-Tendenzen zu stoppen.

    Deshalb ist Deine Arbeit umso wichtiger. Danke dafür!
    Und so eine Großmutter wie Deine hätten wir wohl alle nötig!

    • Ich glaube es gibt eine Diskrepanz zwischen gefühlter und realer Aufgeklärtheit. Sex ist schnell zur Hand für Witze, aber ich glaube sehr oft tabuisiert. Ich sehe Ihren Punkt, dass viele obwohl sie Aufklärungsunterricht haben, über wenig Wissen verfügen, aber dennoch gibt es ein größeres implizites Wissen, einfach durch Wiederholung, Konfrontation, durch gesellschaftlich Tabuisiertes, etc. während ich mit Menschen zu tun habe, die im Grunde gar kein Wissen zum Thema haben. ich teile Ihren Schluss, vernachlässigt man Aufklärung insbesondere im Zusammenhang mit Migration kann das sehr schwerwiegende Konsequenzen haben.

  27. Vielen Dank für diese inspirierende Arbeit und deren Beschreibung!
    Du schriebst „…dass sexuelle Gewalt stumm macht und das Vergewaltigung Scham und Schweigen über die Opfer bringen will. Solange man über Sex spricht und nachdenkt, beherrscht sexuelle Gewalt das Terrain nicht allein.“
    Und damit triffst du mich. Seit dem ich selbst als Kind missbraucht worden war und dies später aufgearbeitet hatte, versuchte ich sehr offensiv damit umzugehen um meinen Freundinnen und weiblichen Bekannten Selbstbewusstsein weiterzugeben. Aber seit dem mir auf einer besonders kulturell-gemischten Tanzveranstaltung vor 1-2 Jahren gleich mehrmals aus unbekannter Quelle so deutlich in den Schritt gefasst wurde, dass mir der Atem wegblieb, bin ich wieder stummer geworden. Denn ich möchte niemanden verleumden, keine Angst schüren und bin doch gleichzeitig überfordert mit dieser neuen Erfahrung umzugehen.
    Mit steigender „Multikulturalität“ prallen natürlich Welten aufeinander und unausgesprochene Bedürfnisse werden unterdrückt. Gleichzeitig werde ich wütend wenn ich sehe, wie diese Diskrepanz von Rechts instrumentalisiert und Angst geschürt wird.

    Deshalb würde ich so gerne wieder den Mund aufmachen und ähnliches tun können wie du, ich weiß nur nicht woher ich den Mut bekommen kann.
    Hast du eine spezielle Ausbildung, z.B. Ärztin o.ä. oder hast du dir alles, was du zur Aufklärung brauchst selber beigebracht? Kennst du vielleicht Organisationen in Berlin die sich weiter mit diesem Thema befassen in denen ich Austausch und Mut finden kann, deinem Beispiel zu folgen?

    Noch einmal herzlichen Dank und alles Gute

    • Vielen Dank für Ihren mutigen Kommentar. Das berührt mich sehr.

      Ein ganz wichtiger Punkt für mich ist, nicht der Angreifer bestimmt worüber geschwiegen und worüber gesprochen wird, sondern wir als Gesellschaft sind in der Pflicht da aufzuzeigen. Deswegen halte ich sexuelle Aufklärung und eben auch gezieltes Thematisieren von erlaubt-geboten-verboten für essentiell. Es gibt da kein aber, keine Entschuldigung, es gibt klare Grenzen und wer die überschreitet, muss die Konsequenzen tragen.

      Ich habe medzinischen Hintergrund und vor allem jahrelange Erfahrung in Entwicklungsländern und Krisengebieten. Ich glaube pro Familia wäre die erste Anlaufstelle, die mir einfiele, aber wichtiger ist es glaube ich erst einmal Gleichgesinnte, Freunde etc zu finden, mit denen man die eigenen Grenzen, die jeder hat, auszutesten und man merkt dann doch noch einmal anders wo die Herausforderungen liegen. Aber ich glaube es kann lohnen, aber ich will betonen und besonders in Hinblick auf Traumata: Sie und ihr Wohlbefinden stehen an erster Stelle. Es ist wunderbar, dass es Sie gibt. Sie sind zu hören und Sie sind nicht allein. Alle guten Wünsche!

  28. Hallo Fräulein Read on,
    das ist toller Text zu einem sehr, sehr wichtigen Thema! Ich arbeite für „Jetzt“, das junge Magazin der Süddeutschen Zeitung, und würde das Thema bei uns auf der Seite gerne aufgreifen. Wärst du evtl. bereit, ein Interview zu geben (bei dem deine Anonymität auf jeden Fall gewahrt bleiben könnte!)? Ich würde mich freuen, wenn du dich bei mir meldest und wir mal darüber sprechen könnten, ob du dir das vorstellen kannst, und wenn ja, in welchem Rahmen.
    Liebe Grüße,
    Nadja

  29. Wie kann man denn ohne jede Kenntnis von Rechtschreibung und Zeichensetzung Blogger werden? Das ist ja nicht auszuhalten.

  30. Liebe Read.on

    Mich würde wirklich interessieren ob es dieses Hilfsangebot tatsächlich gibt. Es klingt wirklich toll. Ich komme selbst regelmäßig mit jungen Flüchtlingen zusammen und manches von dem Geschilderten kann ich aus eigener Erfahrung ein bisschen nachvollziehen.

    Es gibt allerdings einige Sachen, die mich an deinem Text und deinem Blog stutzig machen. Der Text erscheint mir literarisch überhöht mit seinen Figuren und ihren Klischees – angefangen mit den betrunkenen Russen, der weisen Großmutter und den durchweg tölpelhaften Flüchtlingen.

    An anderen Stellen des Blogs erfahren wir das du Arabisch, Jiddisch, Hebräisch, Französisch, Hindi und Mandarin kannst, letzteres angeblich allerdings ’nur‘ auf Kinderliteratur-Niveau. Dein Blog selbst ist allerdings ausschließlich in einem schwungvoll-literarischem Deutsch und einem etwas fehlerhaften Englisch verfasst, echte Hinweise auf andere Sprachkenntnisse gibt es nicht. Du gibst an das du in Kenya aufgewachsen bist, unter strengen katholischen Nonnen in einem fernen Land antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt warst, eine Klinik in den ‚Slums‘ von Deli betreibt und in Irland als Ärztin und/oder Dozentin tätig bist. Ganz schön viel auf einmal.

    Du hast einen tollen Schreibstil. Deinen Blog habe ich gerne gelesen. Vieles was du schreibst wird sicher stimmen. Sehr vieles klingt allerdings auch nach literarischer Freiheit. Ich finde es wichtig, wenn wir in dieser Zeit des Postfaktischen und der ‚Fake News‘ die Dichtung von der Wahrheit unterscheiden können. Die Flüchtlinge haben meiner Ansicht nach Authentizität verdient. Was denkst du?

    • Mit Postings auf Arabisch, Hindi oder Urdu könnten die meisten von uns allerdings auch wenig anfangen.

      Erläutern Sie mir bitte, wieso Sie die Flüchtlinge durchweg tölpelhaft finden? Die Betonung liegt auf durchweg.

    • Was ich denke, wollen Sie wissen? Ich denke, dass es meiner sehr weisen Großmutter zu verdanken ist, dass ich Ihren in Seidenpapier verpackten Misstrauensantrag an mein Leben freischalte und wie meine so unendlich viel weisere Großmutter nur spöttisch die Mundwinkel verziehe und weiter in einem französischen Roman lese.

  31. Danke, dieser Text ist wunderbar. Möge er von Tausenden gelesen werden und viele ermutigen, loszugehen und es auch zu tun.
    Ich las neulich von einem Sozialarbeiter, der Sexualaufklärung mit Flüchtlingen macht. Politiker sagten ihm, was er zu sagen habe, z.B. „Jeder hat ein Nein zu respektieren“. Er fragte dann mal eben zurück, wie es denn wäre in er Stadt bei Karnevalsveranstaltungen, ob das für alle gelte – oder nur für Flüchtlinge?
    Denn wenn wir uns ernsthaft mit dem Thema auseinander setzen, dann gehört für mich auch dazu, dass viele Deutsche vom hohen Ross des „Hier herrscht Gleichberechtigung“ runter müssen hin zu „Wir versuchen es mit Gleichberechtigung, aber auch wir lernen noch, und machen Fehler. Auch im Jugendclub vor Ort kanns passieren, dass ein Junge nem Mädchen blöd an den Busen grabscht“

  32. Ganz, ganz toll! In welcher Sprache machst Du das? Meinst Du, es wäre auch mit Türkisch und Deutsch/Englisch sinnvoll?

  33. Danke!
    Diesen wunderbaren Artikel habe ich gebraucht, um endlich einzusehen, dass es sich nicht mehr lohnt,noch weiter darauf zu warten, dass sich hier bei uns im ländlichen Bayern jemand anderes (ein gynäkologischer Kollege oder eine Hebamme vielleicht…) dieses sehr notwendigen Themas im Rahmen der Flüchtlingsbetreuung annimmt, sondern wir müssen es selber machen!
    Mit was für Materialien arbeitest Du? Gibt es eine Art „Leitfaden“, an dem man sich entlanghangeln könnte? Wie habt ihr den neuen Briefkasten den Menschen zur Kenntnis gebracht? Ich wäre für jeden Tip dankbar!

  34. „Man muss tun, was getan werden muss.“

    Es ist sehr beeindruckend, wie Sie dieses Motto mit (Ihrem) Leben füllen!
    Falls Sie einmal leichte literarische Kost lesen möchten, empfehle ich Ihnen das letzte Buch von Terry Pratchett: „Die Krone des Schäfers“
    Es handelt von einer jungen Frau, die ebenfalls tut, was getan werden muss, und dies ebenfalls von ihrer Großmutter gelernt hat.

    Ich wünsche Ihnen weiterhin so viel Erfolg wie bisher!

  35. Wow, Danke für diesen wirklich klasse Text! Und überhaupt vielen Dank für die ebenso schwierige wie wichtige Arbeit, die Sie machen💐! Absolut bewundernswert!
    Liebe Grüße, Marisa P. 🌸

  36. Pingback: Worüber ich rede, wenn ich über Sex rede – Marisa's Mind

  37. Hey ReadOn 🙂 Sehr schön geschriebener Artikel und ich kann wirklich in allem zustimmen – beste Prävention um sexuelle Übergriffe zu verhindern! Ich bin Frauenbeauftragte an meiner Hochschule in der Nähe von Nürnberg und möchte zusammen mit dem Männerbeauftragten einen Themenabend zum Orgasmus (männl. und weibl.) machen. Sind Sie noch in Deutschland, bzw. könnte man Sie dafür gewinnen? Das wäre bestimmt eine tolle Erfahrung!

    Schönen Abend 🙂

  38. Hallo!
    Danke für diesen wunderschönen Text und danke für das Mitteilen. Ich liege jetzt in dem Bett der Einrichtung, nachdem ich ein langes Gespräch über Sex und Verhütung mit meinem Schüzlinge aus Syrien hatte. Ich werde nicht rot, aber ich kann das Wort Penis nicht auf atabisch.
    Wir brauchen dich :)… oder jemand ähnlich…
    Ich freue mich auf Kontaktaufnahme, Unterstützung und Licht in der Dunkelheit. Das Thema ist grundlegend!

  39. Pingback: Auf dem Bahnhof – Geschichten und Meer

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