Zehn Minuten

Foto am 22.11.16 um 21.15.jpg

2, 5 Minuten stochere ich mit dem Löffel im Custard herum und versuche die Puddinghaut zu entfernen. Neben Sellerie und Pastinaken verabscheue ich Haut auf dem Pudding auf das Unaussprechlichste. Der B. mit dem ich in LA zusammen lebte, pflegte des Morgens die Haut vom Milchtopf ( das Fräulein Read On müssen Sie wissen, wärmt sich die Milch zum Kaffee ) zu ziehen, bog den Kopf nach hinten und verschlang mit einem großen Bissen die Milchhaut. Jeden Morgen aufs Neue wurde mir speiübel von dieser Praxis. Frau Rajasthani schüttelt den Kopf über solche Kleinmütigkeit. Jeden Morgen schöpft sie die Milchhaut ab, um später Ghee daraus herzustellen. Der Custard und Sponge Cake schmecken eigentlich nach nichts, sind dafür aber süß. Ich bin sehr für süße Dinge. Nicht einmal in Irland glaube ich, käme jemand auf die Idee, Sellerie in Vanillepudding zu schneiden. Das ist manchmal schon viel.

Für zwei weitere Minuten putze ich mir die Zähne. Zähne putzen ist eine meiner Obsessionen. Putze ich mir nicht fünfmal täglich die Zähne, sehe ich grüne Spinatpflanzen, Schokoladenbrocken und Pistazienkerne an meinen Zähnen entlangranken und muss sofort zum nächsten Waschbecken rennen, um Abhilfe zu schaffen. Heute aber strecke ich nur meinem Spiegelbild die Zunge heraus und glaube ganz sicher die Bakterien leidvoll jammern zu hören. Ihnen soll die Zahnpasta frommen.

Drei weitere Minuten lese ich eine mich über alle Maßen freuende Email. Manchmal, wenn auch sehr selten gelingt es einem ja, Menschen zusammenzubringen. Dass es hier gelang und sich im Dezember zwei der Frauen, denen ich viel zu verdanken habe in New York treffen werden, ist ein echter Glücksmoment. Ich tippe in 1: 28 eine Antwort. Glück macht flinke Finger.

Eine Minute lang gähne ich laut und herzhaft. 25 verbleibende Sekunden lang fahre ich mir durch das Haar, um mir wenigstens den Anstrich respektabler Ansehnlichkeit zu verleihen. Dann, Sie kennen das schon, muss ich weiter.

4 Gedanken zu “Zehn Minuten

  1. Mir den Anstrich respektabler Ansehnlichkeit verleihen – das kenne ich gut, aber es gelingt mir selten. Nicht einmal die Tante-Gouvernante-Brille und die Hochsteckfrisur helfen bei mir. Ich sehe irgendwie immer aus, als hätte ich hinter einer Hecke geschlafen.

  2. So eine Brille heb ich auch, trotzdem vergesse ich oft, dass in meinen Haaren noch zwei Bleistifte stecken und ich kann mich voll und ganz mit dem Schlaf in der Ginsterhecke identifizieren.

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