Sie sagt,Er sagt.

    Das „Sie-Sagt-Er-Sagt“
   Das „Wie-Was-Wer-Hat“
   Was sie und was er
   Und wer was nie macht“ , Max Herre, „Er Sagt-Sie Sagt“

“Ein aufgeblasener Fasan“, sagt die D. sei er und schleudert ihr Stethoskop auf den Tisch. „Eitel und arrogant, eine menschliche Schnake, fürwahr ein Mensch aber mit dem Gefühlshaushalt einer Amöbe“, fährt die D. fort und hackt mit der Gabel in den Apfelkuchen, als sei er das Schlachtfeld der Bauernkriege. „Sind Amöben nicht weit komplexer als angenommen?“, frage ich zurück und versuche mich an den Aufbau des Pantoffeltierchens ( ist das noch eine Amöbe? ) zu erinnern. Leider fällt mir nichts ein. Das einzige was ich aus dem Biologieunterricht vergangener Tage noch erinnere, ist wie der Biologieprofessor durch die Bankreihen schlich, einem Mädchen an die Schulter fasste und schrie: „Rachida, geh fort ich will Dich beissen“, aber er war nicht als Vampir wiedergeboren, sondern wollte uns die Tollwut praktisch und plastisch erklären. Rachida daran kann kein Zweifel bestehen hatte zudem die apartesten Schultern. Von all dem aber will die vor Wut schäumende, wenn auch nicht vom Fuchs gebissene D. nichts wissen und so faucht sie in meine Richtung gewandt: „ Read On verschone mich mit deinen Spitzfindigkeiten.“ Da sie die Gabel auf mich gerichtet hält, halte ich mich zurück, denn die D. tendiert dazu Drohungen wahr zu machen. „Überhaupt“ schreit die D. „sie habe es schon im Grundstudium gewusst, Chirurgen seien die allerletzten, beziehungsgestört, potentielle Alkoholiker, eitle Maniker und überhaupt einer Nacktschnecke verwandter als noch dem primitivsten Primaten.“ „Ein aufgeblasener Gockel“, sei dieser Mann „und überhaupt ihre Großmutter hätte einen Blinddarm operieren können und eine schönere Näht gelegt als dieser Pantoffelheld.“ Ich muss kichern, denn Pantoffelheld klingt zu schön, vor allem aus dem Mund der fauchenden D. Die bemerkt zum Glück mein verstohlenes Kichern nicht und nickt als ich ihr die Sahne über den Tisch reiche. „Was ist denn passiert?“ frage ich die D. und die D. klopft mit dem Silberlöffel auf den Tisch. „Dieser Wiedehopf“, schnarrt die D. hat sich erdreistet mich vor allen dem Chefarzt, aber noch schlimmer den Schwesternschülerinnen und allen, wirklich allen die auf dem Stationsflur anwesend waren, zu küssen.“ Noch immer hämmert die D. mit dem Silberlöffel, keineswegs rhythmisch unbegabt auf den Tisch. „Küsst er gut?“, frage ich weiter, denn das scheint mir die naheliegendste Frage zu sein?“ Ja. Nein. Auf gar keinen Fall“, sagt die D. und versetzt dem Tisch einen letzten Hieb. „Read On“ faucht sie, nur Du kommst mit solchen dialektischen Spielereien an und dabei ist das nicht der Punkt. „Dieses Kamel, diese hohle Haselnuss küsst mich auf dem Flur vor allen und untergräbt meine Autorität.“ Dies scheint mir eine etwas forsche Annahme, denn die D. hat schon mit vier Jahren den Kindergarten mit eiserner Hand geleitet, aber als Freundin schenke ich Kaffee nach und nicke milde. „Schon als dieser Maulwurf meine Station zum ersten Mal betrat, wusste ich dies würde nur Ärger geben. Ein Sturkopf, ein Esel und dann dieses ewige Lächeln“, der Mund der D. ist unterdessen nur noch ein schmaler Strich, „sein ewiges Regel brechen und dann dieses alberne Motorrad. Wer bitte der noch etwas Verstand im Kopf hat, fährt denn Motorrad?“ Oh, denke ich und erinnere mich mit Wehmut der kleinen, roten Vespa mit der ich jahrelang und sehr, sehr gerne fuhr. Die D. schüttelt ihre schönen kastanienbraunen Locken und flucht: „eine eitle Giraffe, ein elender Grünfink, sei dieser Mann und fügt anklagend hinzu, dass dies alles meine Schuld sei, denn es sei mein Geburtstag gewesen, auf dem meine Erdbeerbowle, sie dazu verleitet habe, diesem Casanova das Du anzutragen.“ Ich verzichte darauf, die D. darauf hinzuweisen, dass die C. die Erdbeerbowle mitgebracht hatte, sondern lege der D. zwei Dattelmakronen auf den Teller und zähle bis zehn. „Sag, bist Du verliebt D?“. höre ich mich sagen und für eine lange Minute sieht die D. mich an. Dann springt sie auf, stößt den Stuhl zur Seite und zischt: „Ich hatte dich wirklich für eine Freundin gehalten.“ Dann schlägt die Tür und die D. ist fort.

Ich räume den Tisch ab, wasche meine Haare, richte den Bücherstapel der nach Irland zurück soll, harke Laub im Garten und lasse den Igeln einen besonders großen Haufen für den Winterschlaf, ich wasche den Wollpullover, lege ich mich für eine halbe Stunde schlafen, schnuppere an den Rosen, die die C. mir brachte und arbeite ein wenig hier und ein wenig dort.

Dann schellt es an der Tür. Vor mir steht groß und schön der T. „Eine Hyäne, sei diese Frau“, sagt der T. und schleudert sein Stethoskop auf den Tisch. Kalt wie ein Gletscher, kälter noch als die Eiger Nordwand und die Steppe Sibiriens sei diese Frau. „Apfelkuchen?“ frage ich und der T. nickt. Die Eisprinzessin selbst sei noch eine warmherzige Frau gegen diese Kobra. „Sind Schlangen nicht wechselwarm, frage ich den T?“ Denn als ich ein Kind war im Land K., da kamen abends die Schlangen, die tagsüber verborgen lagen und wärmten sich auf dem noch warmen Teer. „Ach Read On“, sagt der T. Du immer“. Ich schiebe die Sahneschüssel zu ihm hin. Der T. nimmt sie gern. Schon als Assistenzarzt habe er sich geschworen, niemals nie bliebe er auf der Inneren: Internisten seien ein einziger Graus. Entscheidungsunwillig, ewig noch über einem Schnupfen als Diagnose brütend, könnte ja auch Malaria sein, penibel, besserwisserisch, mimosenhaft ohne Ende und vom Charme eines einäugigen Tintenfisches. Eine Megäre und den Erinnyen nicht unverwandt, sei diese Person, schimpft der T. weiter und rührt mit dem Löffel in der Sahneschüssel als gelte es die Tiefsee zu erreichen. Selbst seine Tante könnte einen Magen-Darm-Virus einfacher mit Salzstangen kurieren, als die Pinguine von Internisten an erster Stelle, die D. mit ihren hochgezogenen Augenbrauen und einem Herzen aus Stahl. Der T. schüttelt sich wie ein nasser Hund und ich lege ihm ein zweites Stück Kuchen auf den Teller. „Was ist denn passiert?, frage ich so unschuldig wie ich nur kann“ Der T. seufzt. Ich habe die D. geküsst. „Weißt Du“, sagt der T. „ich wollte einmal alles richtig machen und bloß nichts Heimliches anfangen.“ Die D. sei auch niemand denn man im Vorratsraum küsse oder hinter ein Auto ziehe. „Ich nicke. Jedenfalls, sagt der T. wollte er gleich Nägel mit Köpfen machen und habe die D. kurz vor der Visite, wo also wirklich jeder zugegen sei geküsst. Klare Verhältnisse und so. Der T. streicht sich über die Wange. „Diese Frau hat einen harten rechten Haken.“ Ich schlucke mein ‚ich weiß’ lieber herunter und biete auch dem T. Dattelmakronen an. Der T. schüttelt den Kopf, aber nicht über das Gebäck und schnauft: „ eine Krähe ist diese Frau, ein windiger Aal und überhaupt stur wie ein Lama und vom Gemüt einer Bergziege. Überhaupt sagt der T. sei das alles meine Schuld, hätte ich damals doch auf meinem Geburtstag ihn neben die D. gesetzt, wo ich doch wisse, dass er keine Erdbeerbowle vertrage. Ich zähle wieder einmal bis zehn bevor ich den schnaubenden T. frage: „Sag T. bist Du verliebt.“ Der T. sieht mich zornig, sehr zornig an und schnarrt? Verliebt? In diese Person?, stößt seinen Stuhl um, schnappt sich die Jacke, dann schlägt die Tür und der T. ist fort. Etwas sinnend sitze ich am Tisch, dann räume ich ab und und auf.

Am Abend kommt der liebenswürdige S. und über die Liebe reden wir nur beiläufig, fast im Vorübergehen als ginge die Liebe uns nichts an, mögen auch andere toben und schreien, denn die Liebe lacht die einen an, geht an den anderen vorbei und das ändern zu wollen ist müßig und vielleicht ist das so und nicht einmal weiter schlimm.

8 Gedanken zu “Sie sagt,Er sagt.

      • Eine Tierschimpfwort-Alliteration – daran erkennt man die echte Genießerin!

        Ich warte ja auch immer noch auf eine passende Gelegenheit, um Janosch’s „Sie liederlicher Lumpensack“ anzubringen…

  1. Ich habe Schluckauf vor Lachen. Liederlicher Lumpensack ist schwer zu toppen. Fantastisch. Das mit ernstem Gesicht hinzubekommen, ist groß.

    Sie naschhafter Nacktmull oder sie pingeliger Pinguin sind auch noch Kandidaten für das große Karussell der tierischen Schimpfwörterschöpfungen. Es lässt sich nur schwer aufhören…

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