Dem Sommer hinterher

Noch einmal mit dem Rad zweimal, links, einmal rechts und dann die lange Straße hinunter bis zum See. 12 Grad zeigt das Thermometer, aber gegen 12 Grad Wassertemperatur in Irland, hat der See zu meinen Füßen warme Arme. Noch einmal also den Enten zunicken und den Schwan lieber nicht beim Schlafen stören. Warm ist das Wasser und seidenweich, aber schon fährt der Wind durch die Bäume und weißer Schaum tanzt auf den Wellen. Noch einmal also schwimme ich hinaus in die Mitte des Sees. Im Schilf zu meiner Rechten, liegt ein gestrandetes Ruderboot. Hellgrün und gut verborgen, die letzte Ausfahrt des Sommers, bevor die Boote für den Winter vertäut werden. Noch einmal glitzert die Sonne auf dem wogenden Wasser und scheint mir ins Gesicht. Die Birken rascheln leise, die Kiefern knacken leise und noch reichen die Zweige der Buchen bis auf das Wasser hinunter. Schon aber steigt ein etwas modriger Geruch aus den Tiefen des Sees herauf. Noch ist der Muschelthron leer, noch schläft der Nöck und träumt von kommenden Tagen, aber diejenigen, die unter ihm leben , reißen die Fenster des Palastes weit auf, schütteln die Decken und ziehen die Bezüge von Stühlen- feinster Seidentang- natürlich hinunter, der sich nun zwischen meinen Beinen verfängt. Noch aber wärmt die Sonne und von weitem lässt sich nur schwer sagen, ob das Laub der Bäume nur sonnenbeschienen gelblich und golden glänzt oder ob nicht der Herbst den Bäumen schon einmal flüchtig zwar nur, aber ausreichend doch durch die Haare fuhr und seinen Handabdruck hinterließ. Noch liegen vor dem Bootshaus rote und grüne Ruderboote, die von langen Nächten und weiten Sommerkleidern erzählen, von schönen Mädchen zu berichten wissen und von einem jungen Mann vielleicht, der für sein Mädchen das Lied vom weißen Flieder pfiff. Von weite und durch das Laub gedämpft fährt die S-Bahn ein und Joggerinnen, die alle schon dicke Daunenwesten tragen, höre ich tauchen sie zwischen den Baumgruppen auf. Sie sind dem Sommer schon entwichen und laufen schon in den Herbst hinein. Ich aber schließe noch einmal die Augen und tauche erst viele Meter wieder aus dem Wasser auf. Zurück am Ufer schließlich nach einer dreiviertel Stunde und in ein dickes Handtuch gewickelt, fällt mir ein gelbes Blatt aus den Haaren und sagt wie ich dem Sommer, Ade.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s