As an exception in German: Sonntag

Sonntag also. Ein Sonntag geht bei mir so:

Früher noch aufstehen, der Trick ist, sich selbst die Stunden zu stehlen. Schreibtisch. Dann leise auf Zehenspitzen in den Garten, mit der aufgehenden Sonne, die Dielenbretter, drei, sieben und elf knarren, und der F., der ehemalige, geschätzte Gefährte soll doch weiterschlafen. Im Garten steckt die Sonne, die Glieder und ich stecke mich auf der etwas klapperigen Leiter zur Dachrinne herüber: die ist voller Tannennadeln, und merkwürdigerweise einer Handvoll Büroklammern. Die Leiter schwankt, aber man soll beherzt sein im Leben und zur Not kann man ja auch an der Dachrinne klammern. Dann das Weinlaub zurückschneiden, den Phlox befreien, die Glyzinien am Schopf in die richtige Richtung ziehen,das Erdbeerfeld lockern, den vom Sturm zerschlagenen Blumentopf entsorgen, den Stiel an der Harke befestigen, die dichte Hecke von Müll befreien, den Passanten dort hinein pfeffern. En passant.  Dabei vorsichtig sein, denn in den dichten Zweigen sind die Vögel auf Brautschau und bauen der Geliebten ein Nest aus frischem Grün. Liebende soll man bekanntlich nicht stören. Dann das mürrische Biest, die Wasserpumpe in Gang zu setzen versuchen. Nach ewigem Zerren und Ziehen gurgelt aus der Tiefe. Ich allerdings, sehe aus als sei ich in Ölschlamm gefallen. Der nunmehr erwachte F. lacht aus ganzem Herzen. Ich knurre Böses noch vor dem Frühstück. Der F. schläft weiter und ich gehe wieder hinab, dieser Garten hält mich in Atem. Dann kommt die G. Die G. ist zornig und als wenige Minuten der B. ihr Mann folgt, lerne ich auch warum: Sturkopf und elender Nörgler schreit die G. voller Empörung. Der B. hält sich nicht zurück: Spaßbefreite nun ja, das Tier können sie sich sicher denken. Die G. nun gänzlich vom Zorn übermannt, wendet sich an mich: „Read On“ sag doch auch mal was: Ich habe gerade Gartenschläuche entwirrt und halte diese – die Wasserpumpe geht ja inzwischen auch- den beiden Kontrahenten entgegen. Dieser Vorschlag jedoch wird nicht als hilfreich empfunden. Lieber empört sich die G. darüber, das der B. der damaligen Klassenschönsten vor 18 Jahren schöne Augen gemacht habe, als er schon mit ihr hinter dem elterlichen Schuppen geknutscht hätte, und zwar so ,dass der gesamten, hinter den Fensterscheiben versammelten Dorfgemeinschaft der Atem stehen geblieben sei. Sie hätte ihn also unter falschen Voraussetzungen gehelicht. Der B. ist er für einen Moment sprachlos vor Entsetzen und sieht auf den Schlauch in seiner Hand. aber gestählt in nunmehr 16 Ehejahren ist der B. schnell bei der Hand mit spitzen Pfeilen, die von einem gewissen Kai handeln, der auf einer gewissen Berlinfahrt aufs Ganze gegangen sei, in vollem Bewusstsein des vom Munde abgesparten Verlobungsringes an der Hand der  der G.  Der Auslöser des Ganzen: eine zufällige Wiederbegegnung an der Käsetheke des Lafayette am Samstag, dort hätte die ehemalige Klassenschönste, mit triumphierenden Gesicht vorheriges eröffnet. Der B. habe darüber nur gelacht, was die G. indes noch mehr in Rage brachte. Derweilen habe ich Sonnenblumen gesät, die Brennnesseln ausgegraben solange sie noch jung sind, die losen Kompostbretter zusammen genagelt und Licht für meinen geliebten Rittersporn geschaffen und das Gesicht lange in den Flieder gehalten. Die Kontrahenten erschöpft nun von den geschleuderten Worten mühen sich noch etwas: Luftikus und umspontan, verbohrt und ewig nachtragend sowie spinnt doch total werden noch einmal in die Luft geworfen, aber lösen sich schon auf, denn der B. und die G. müssen lachen und bald schon liegen sie unter den Kastanien mit ihren weißen Kronen. Ich aber gehe hinauf, Liebende soll man nicht stören, nicht nur die nicht, die in der Hecke wohnen. Der F. baut die Tischtennisplatte auf und verteidigt seinen Ruf als größter Rabauke und König der Pingpongbälle, den er sich mühsam erworben hat, vor vielen Jahren in Mea Shearim, da war das  nicht gern gesehen, aber den F. scherte das wenig und auch heute geben die Buben und Mädchen der Nachbarn auf. Der F. bleibt ungeschlagen und wohl auch immer fünfzehn Jahre alt. Ich wässere die Pflanzen und dann absichtlich den F. Wer zuletzt lacht. An einem Sonntagnachmittag wenn die Kleider wieder trocken sind und ehemalige geschätzte Gefährten wieder schlafen und sicherlich im Traum einmal alle gewonnenen Fußballspiele und Tischtenniskämpfe Revue passieren lassen, kann man ziemlich gut Benedict Well’s Buch „Vom Ende der Einsamkeit lesen.“ Man muss aber nicht. Aber einmal das Gesicht tief in den Flieder halten und in die Kronen der Kastanien schauen, das muss man unbedingt. Jetzt muss ich weiter am Abend kommt die S. mit ihrer Frau zum Spargel Essen und bis auf den geschälten Spargel ist noch nichts gerichtet.

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