As an exception in German: Die Damen, bitte.

Unsere Sprache so tönt es allerorten sei sexistisch und frauenfeindlich. Unentwegt, so hört man aus wohlunterrichteten Kreisen, werde den Frauen verbal, Gewalt angetan und schon lange sei bekannt, dass es vom ungerechten Einsatz des Pronomens bis zum Faustschlag nur ein kleiner, jedenfalls kein großartig zu differenzierender Schritt sei. Das lese ich jedenfalls, wenn auch mehr so im Vorübergehn in Beiträgen von Frauen, die diesem Zustand auf allen Ebenen den Kampf ansagen. Ignorant wie ich bin habe ich diesem Problem bislang jedoch wenig Beachtung geschenkt. Dies mag auch damit zu tun haben, dass ich zwei Berufe habe und da zudem der Bücherstapel neben meinem Bett beachtlich anwächst, fehlt mir die Muße darüber zu reflektieren, ob die Welt nicht eine schönere wäre, hieße es ab morgen „Julia und Romeo“ oder „Gretel und Hänsel.“  Es gibt, denn vor allem in deutschsprachigen Debatten herrscht der feste Glaube, gäbe es nur eine Professur für das Binnen-I- dann sei auch die Welt von Bad Godesberg bis Ost-Schwerin eine bessere, schönere und gerechtere allemal, Lehrstühle und Forschungszentren, neben einer Vielzahl von Aktivistinnen, deren Sprachgebrauch ich nun wie soll ich sagen selbst problematisch finde. Ihr Aufruf der Gegengewalt ist häufig mit Metaphern unterlegt, die Frau nebst Baseball Schläger zeigen: „Smash the patriarchy.“Das ist für mich jedenfalls nur wenig anziehend. Zwar hat mir noch niemand einen Baseball-Schläger über den Schädel gezogen , dafür bekam ich, sie werden lachen, in einem Projekt für Frauengesundheit in Neu-Delhi eine abgeschlagene Glasflasche in den Hals gedrückt. Ich kann Ihnen versichern: angenehm ist es nicht und meine Verhandlungsgposition hat es auch nicht entscheidend verbessert. Andere wiederum gefallen sich in der Vorstellung als QuerulantIn, aber sie erinnern sich zwei Berufe, ich habe mehr als einmal ein Büro mit einem Querulanten geteilt und mir scheint der Ort wo der Pfeffer wächst, noch zu idyllisch für diese Spezies, welchem Pronomen auch immer sie sich zugewandt fühlt. Aber Ignoranz und bemühte Langweile kann keine Ausrede für alles sein, geht es doch um nichts anderes als die Ungerechtigkeit der Welt selbst. Ist frau aber erst einmal sensibilisiert hat sie natürlich Ideen, da will ich nicht fehlen: Apropos,Männer und Frauen, ich stimme zu ist eine zutiefst binäre Kategorie, aber die wahre Ungerechtigkeit tritt erst bei Damen und Herren hervor. Das sei doch höflich mögen Sie sagen, aber da irren sie. Männer werden stets mit „Herr“ angeredet, Frauen jedoch niemals als Dame. Stehen Sie also vor der Oper und warten, sagt niemand: Wenn Sie mir folgen, mein Mann!“ Frauen aber werden nie als Damen angesprochen. Dame, Read On, ein Telefonat für Sie, habe ich noch nie gehört, dafür aber ständig das brutal klingende, ja, ja Gewalt liegt in den kleinsten Dingen, Frau Read On, am Telefon wartet der X auf sie. Dabei ist das doch gerade das Damen-Dasein ein höchst Erstrebenswertes. Einer Dame schreit man keine Sauereien entgegen, sondern überlegt zweimal, bevor man spricht. Einer Dame hält man die Türen auf und könnten Sie mich sehen, stets bepackt und mit Büchern jonglierend, es wäre mir Wohltat und Segen. . Nach einer Dame richtet sich die Welt. Verspäten Sie sich als QuerulantIn wird man Sie rüffeln, brauchen sie als Dame eine Extra-Viertelstunde, dürfen Sie auf nachsichtiges Nicken hoffen. Die Dame braucht noch einen Moment, klingt doch ganz anders. Damen begegnet man mit Hochachtung und stets mit Respekt. Selbst der größte Flegel gibt sein Bestes in der Nähe einer Dame und löste man das Konzept der Damenwahl vom Geruch ältlicher Tanzschullehrerinnen, ergäben sich Möglichkeiten, die alles Dagewesene bei Weitem überträfen. Konzeptualisierte man es nur richtig wäre die Frauenquote angesichts der überlegenen Hand der Damen, eine lange belächeltes Relikt. Einer Dame pfeift niemand hinterher, sondern zart und nur andeutungsweise beugt man sich mit hingehauchtem oder vielmehr angedeutetem Handkuss über die behandschuhte Hand. Sitzen sie dann damenhaft mit elegant übereinander geschlagenen Beinen beim Tee im Damenzirkel, dann mag die Untergruppe Damen in der Literatur, von mir aus gern diskutieren ob „Dame Julia und Herr Romeo“, nicht geeigneter sei als Titel für zweifelsohne ein Stück großer Weltliteratur. Allerdings hat alles seinen Preis.Sollten Sie und die Ihnen befreundeten Professor*Innen auf Baseballschlägern und anderen Utensilien bestehen und glauben aus dummen Flüchen ließe sich große Kunst machen, sehe ich schwarz für die Revolution der Damen. Aber ich bin auch ignorant, meistens zudem sehr eilig und immer noch mit den Frauen im Slum enger bekannt als mit Ihnen.

8 Gedanken zu “As an exception in German: Die Damen, bitte.

      • Ein Bundesfreiwilligendienst hat mal den Zivildienst abgelöst. Die Oberbufdidame hat mir aber schon gesteckt, dass der Zivildienst wieder im Kommen ist -wegen der Militärpflicht die auch wieder eingeführt werden soll….

  1. Mademoiselle ReadOn, Sie sind eine Dame. Einen „Rant“ in so wohlgesetzten Worten verfassen, das kann nur eine echte Dame. (Leider musste ich auf die französische Anrede ausweichen, die Gründe stehen ja in Ihrem Text)

    • Ich wäre sehr gern ein Dame. Die Existenz als Dame glaube ich, ist die Höchstform aller anzustrebenden Existenz.Aber leicht wird es nicht, fürchte ich! Vielen Dank für die freundliche Verlinkung!

  2. Pingback: De venta en venta / Milchkannen 24 – Geschichten und Meer

  3. (Nur fürs Protokoll: Zum Herr gehört als zweites Glied im Begriffspaar nicht die Dame, sondern die Frau; zum Manne aber das Weib. Dame ist ein französisches Lehnwort. Eigentlich müßte man also von Männern und Weibern und in der Anrede von Herren und Frauen reden.)

    • Das ist natürlich ein berechtigter Einwand! Da ich aber Halbfranzösin bin, nehme ich mir die Freiheit der Dame heraus, obwohl ich finde, dass Weiberwirtschaft ein auch sehr schönes Bild ist, welches es zu verfolgen gäbe!

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