As an exception in German: Transitraum

Im Transitraum. Mein eigentliches Zuhause. Immer dazwischen und niemals da. Mit mir heute morgen: Scharen deutscher Rentner, die nach Antalya wollen. Sie sind sich alle zum Verwechseln ähnlich. Die ewig gleichen Jacken, die gleichen hässlich wie grellen Motivshirts, die furchtbaren Sandalen. Die modebewussten unter ihnen tragen Strohhüte. Schwer sind die Menschen, schwer in den Hüften und nicht nur metaphorisch gesprochen: schwer ist ihr Gang in der Welt. Gesprochen wird wenig. Wer weiß , wann man sich zum letzten Mal etwas zu sagen hatte und wenn man doch die Lippen bewegt dann um zu bellen. Gelesen wird die B.Z. und man kann sich gut vorstellen, wie sie die Lippen schürzen um Lügenpresse hinter angehaltenem Atem hervorzupressen. Ihr Verhältnis zur Welt ist das einer Gegenbewegung. Die Frau neben mir spielt versunken ein Spiel auf dem sich bunte Kugeln über den Bildschirm bewegen, ihr Mann beobachtete die Lage am Gate. Die Lage sagt er und es klingt als käme gleich Winterfeldzug hinterher. Ich frage mich oft, ob sie sich manchmal hinwegträumen in eine Welt in der einen jemand auf die Schläfen küsst und die Füße noch nass sind vom schnellen Laufen im Tau. Oder einfach nur leichter Atmen. Ihre Körper auch Zeugen des Aufgegeben Habens, vor allem und unübersehbar: mit sich selbst. Zwei Geschäftsreisende telefonieren mit einer Zentrale. Ergebnisse liefern, sagen sie in den Hörer. Sie sagen es beschwörend, fast schon verzweifelt, ja bestimmt wollten sie Ergebnisse liefern und hoffen die Zentrale, dieser ferne, und doch allmächtige Ort ließe noch einmal Gnade vor Recht ergehen. Fast hat man Mitleid mit den Handlungsreisenden, die dann auch aufspringen und eilenden Schrittes die Reihe nach Bukarest anführen. Ergebnisse liefern, meint man sie beständig flüstern zu hören, Ergebnisse liefern, so als glaubten sie sich am Ende noch selbst. Die Zeitungen sind inzwischen ausgelesen, die Lage am Gate unverändert. Die beiden Rentner zu meiner Linken erzählen sich Blondinenwitze. Bis heute morgen hatte ich angenommen, dieses Genre hätte sich irgendwie von selbst aufgelöst, aber da lag ich wohl falsch. Kennste den, der geht so. Immer so weiter. Dann endlich bewegt sich die Schlange, aber agilere Rentner als das Ehepaar, waren schneller und wieder sind sie die Verlierer. Fast als Letzte steigen sie ein, da sind die beiden Geschäftsreisenden schon längst in der Luft: Ergebnisse liefern. Im Rücken immer die Zentrale. Die Rentner haben im Rücken nur Schmerzen vom ewigen Sitzen ,der Langeweile und dem Gegensatz ihrer Ideen zu denen der übrigen Welt. Jetzt aber auf ein Neues. All-Inclusive. Irgendwann sitze ich dann auch im Flugzeug. In der Luft hängen, mehr ist es nicht und das schon seit so vielen Jahren, wenn nicht schon immer, mein Lebensmotto. Kein Gutes, also, sollten sie sich das fragen.

7 Gedanken zu “As an exception in German: Transitraum

  1. Ich fand oft den Wechsel von Schottland nach Deutschland extrem. Irgendwie erschiem mir Schottländ bis hin zur Haarfarbe der Rentnerinnen individueller.

  2. Als ich mich an den Gedanken gewöhnt hatte, keine Wurzeln zu haben, immer auf der Durchreise zu sein, habe ich mich frei gefühlt. Der freie Vogel.

    Dass Deutschland seltsame Rentner hat, fällt mir immer anderswo auf. Sie sind bunter und fröhlicher in Spanien und Irland, in Frankreich und Italien.
    Die Gesichter hier sind, so kommt es mir vor, schon auf Beschwerde eingestellt.
    Heute wird in der Tageszeitung den älteren Leuten empfohlen, doch mal einen farbigen Schal zu tragen. Beige sei nicht alles. Ob es hilft?

    • Frei bin ich eher selten gewesen. Zu oft eher der gebrochene Flügel und trotzdem fliegen.
      Beige sei nicht alles- ein schöner, ein wunderbarer Satz. Den muss ich mir merken. Die Gesichter machen wenig Lust auf mehr.

      • Vermutlich ist es das “ Trotzdemfliegen“, lieber ein zerzauster Vogel sein als ein glänzendes Würmchen.
        Haben Sie mal Sturmtaucher an einer Felsenküste gesehen? Wie sie es gegen alle Erwartungen schaffen, nicht gegen die Wand geklatscht zu werden? So ist für manche Menschen das Leben, und es ist nicht das schlechteste.

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