As an exception in German: Im Uhrzeigersinn

Vierzigmal sage ich: Ja, hallo, schön dich zu sehen. Eine Endlosschleife fröhlichen Begrüßungsunsinns. Schön, ja, hallo. Repeat. Repeat. Repeat. Nur nicht aufhören. Ja, schön. Hallo. Und alles gut? Nicken und mit den Achseln zucken, dann geht es schneller vorbei. Gut auch: immer wieder Atmen holen. Und bei dir? Busy, sagen mir alle und schwenken ihre Telephone als sei das ein Beweisverfahren. Wer weiß schon, vielleicht ist es ja tatsächlich eins. „Immer noch keinen Mann?“ fragen mich die anderen? Und wissen die Antwort schon selbst: Mensch der B. sucht doch auch. Ich suche nicht sage ich und denke: ich habe doch verloren. Ich lerne: Bret Easton Ellis ist auf Twitter. Das reicht eigentlich schon als Verbannungsgrund in die zweite Reihe des Bücherregals. Aber ich lerne noch mehr: Serien sind der neue Roman. Da muss ich lachen. Das irritiert natürlich Binge-Watcher, die mir den Sinn des Lebens oder noch schlimmer „die Politik“ mithilfe ziemlich braver Hausmannskost erklären wollen. Ich gähne. Das kann ich ziemlich gut. Die D. ärgert sich wie immer über mich: musst du immer alle irritieren? Ich küsse die D. so lange, sehr schnell hintereinander auf die Wangen bis sie lacht: „meine Haare“, sagt sie und sucht nach ihrem Freund. Der Freund ist Künstler und findet keineswegs, dass eine einzigeFreundin genug sei für so eine sensible Künstlerseele wie die Seine. Die Sonne geht unter und für einen Moment tritt die Welt zurück und man weiß nicht ist es schön oder nur banal oder doch nur der lange Winter?  Mit dem Frühling kommt die Selbsttäuschung, immer aufs Neue glaubt man, dieses Jahr wird der Sommer besonders und groß. Noch einmal glaubt man kommen warme Arme und tiefe Wunden, die doch dazugehören zur Liebe, von der wir immer noch glauben, sie käme auch zu uns, obwohl das nicht stimmt. Besonders nicht für mich. Am Ende bleibt doch nur ein bitterer Zug in der Luft und wie wir verschwimmen auch die Jahre. Am Ende ist die Spree auch nie so blau gewesen wie deine Augen oder andersherum. Die Spree sehe ich nicht mehr gern, deinen Augen zum Trotz. Hier glitzert sie noch einmal, als sei sie kein Brackwasser, sondern ein Fluss  aber ich schließe die Augen und bald darauf winke ich noch einmal in die Runde: Auf bald, ja, schön, schön, klar doch, meld dich doch mal, und schön, ja, schön, freut mich, auf bald und sicher, ruf doch einfach an, schlimmer noch: Alles Gute, man sieht sich und am schlimmsten: Ciao. Alles im Uhrzeigersinn wieder und wieder, schneller und lauter, und stets auf heiter gestellt, bis mich dann doch die Straße und der Weg zurück nach Haus wieder hat.

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