As an exception in German: Unsichtbar

So viele Jahre ziehen sie schon durch meine Träume. Immer sind es dieselben Frauen oder jedenfalls ist es das was ich glaube. Ein langer Zug von Frauen. Alle in Schwarz. Hochgeschlossen ihre Kleider und ihre Gesichter nur Schatten, verborgen hinter geklöppelten Spitzen. Von fern könnte man meinen es sei eine schwarze Wolke die stetig näherrücke. Kommt man aber näher, so hört man die Frauen. Schreien und Weinen, Klagen und Schreien. Sie schlagen sich hart und unnachgiebig gegen die Brust und in einem seltsamen Rhytmus, den ich noch nie zu entziffern vermochte, schlagen sie sich die Fingernägel tief in die Gesichter, die dennoch schemenhaft- schwach hinter den schwarzen Schleiern verborgen bleiben. Verborgen auch vor mir. Aber mich sehe ich nie. Vielleicht gehe ich ja auch in ihrer Mitte, schreiend, klagend und weinend. Aber ich sehe mich nicht. Wann sieht man sich eigentlich? Hier jedenfalls in der Menge der schwarzen Frauen, der klagenden, schreienden, schmerzerrissenen Frauen sehe ich micht nicht. Etwas Warmes läuft an meinem Arm herunter. Blut denke ich zuerst, aber dann sehe ich es ist Gold, flüssiges Gold, das sich wie ein langer, ein seidiger Schal um mich legt, bald aber läuft es weiter und weiter, uneinholbar schnell bis es auch die anderen Frauen erreicht und ihre langen schwarzen Kleider nicht schmückt , sondern befleckt. Kalt wird es dann und die Stimmen der Frauen versiegen, kalt sehen sie mich an, obwohl ich mich doch nicht sehen kann, aber die anderen Frauen sehen: Gefahr. Leicht metallisch schmeckt die Luft und schwer wiegt das Gold auf meinen Armen, welches ich weder aufhalten noch anhalten kann und auf einmal riecht es nach rostigem Blut und Metall. Dann wache ich auf und lange muss ich die Stirn an die kühle Fensterscheibe drücken, bevor ich mich erinnere, dass dies doch nur ein kleines irisches Dorf ist, in dem niemand schreit oder klagt außer den Möwen und ich mich doch sehen kann, wenn auch nur als blassen Schatten hinter dem kühlen Glas.

12 Gedanken zu “As an exception in German: Unsichtbar

  1. Sind das die Frauen, die vor uns lebten,und in nicht endend wollenden Zügen durch unser Tiefen ziehen? Und Sie können sie sehen, manchmal. Das Bild mit Schwarz und Gold ist schön, und doch gefährlich.

    An Ostern war ich in Ihrer Nähe und habe an Sie gedacht, unter schwingenden Fahnen.

    • An soetwas musste ich auch denken: Menschen aus anderer Zeit. So etwas wie Klageweiber, die den Tod betrauern und Sie haben das goldene Leben an sich. Am Ende werden Sie dessen gewahr.
      Ein phantastischer Traum.

    • Ich glaube und fürchte: ja. Ja, ein gefährliches Bild und so verlockend wie dunkel, das Gold.

      Wie schade, Sie wären natürlich herzlich willkommen gewesen und sollten Sie noch einmal wiederkommen, ich freute mich sehr!

      • Ich hab mich ja nicht getraut. Ja, ein Freund lebt da, hatte ein Fest und volles Programm für uns alle. Ich hätte dieses Mal kaum Zeit gehabt. Aber ich komme wieder, und dann gucken wir, wo man vernünftig essen kann.

      • Leider verstehe ich die Sängerin gar nicht. Ich weiß, dass es in dem Ballett um die Verfolgung der Gitanos in Andalusien geht. Der Choreograph ist mein Tanzlehrer, aber im Moment kann ich nicht fragen, denn die Frau, der er seinerzeit das Stück gewidmet hat (die auf meinem Blog erwähnte „Emma“) ist ja, wie Sie wissen, verstorben, und er hat sich von allem zurückgezogen.

      • Das ist ja auch ein beklagenswertes Thema. Ich muss bei Gelegenheit den Text noch einmal lesen. Trauer ist ein starkes Gefühl und man sollte dabei wirklich nicht stören. Danke für die Erklärung.

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