Things for weekends

I pull my knees high up under my chin. It is rather strange: I feel never dizzy or have weak knees after donating blood but I am always cold as an ice-block and thirsty as a camel. Otherwise there are no side-effects at all and I happily closed my  eyes for full ten minutes till the super-sweet nurse whispered in my ear that I am all sorted. The elderly ladies, who I know for years and who make their specialty tea ( black with loads of sugar and a bit of lemon juice and a secret only the ladies know) chat with me and feed me with Snicker’s bars. ( They really know me that well.) I had to pause for a few months after I returned from India but they are all excited to hear about news from Delhi. ( I am most happy to volunteer and drink more of the truly excellent tea, which accordingly to the sweet ladies increases your blood flow.) I smile silently. They are so sweet. If you always wanted to donate blood but have open questions I think the German Red Cross answers all of them.

I finally finished a pair of socks that will keep my feet warm: IMG_4065 (1)

More rainbow socks! And yes, I always liked Theodor Herzl.

Back in Ireland: Snow ( Ewww ). Perplexity in regard to the latest political developments. I open letters and read the newspaper. I prepare next week’s tutorials and re-read a thesis chapter.The grocer’s wife tells me the village news: ( surprise, there are none ) I buy milk, yoghurt, cottage cheese and oranges. The priest, my usual Sunday lunch guest, has asked me yesterday if we could have maccaroni and cheese. He has fond childhood memories of this particular dish. I am happy to obey:

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I would have sworn never to eat again after this mountain of cheese with cheese and more cheese ( but there was a green salad ) but then I remember that I had made a cake and a cake is an essential Sunday tool, n’est-ce pas? The priest happily takes the left overs with him and entertained me with tales of his past childhood. Of course his mother plays a main part in his tales and a splendid woman she must have been. I go for a long walk afterwards and resemble rather a rolling ball than a human being, but no one else is to be seen and the wind just howls as usual. But that’s alright. Now my sister wants a pair of rainbow socks as well and doesn’t want to listen to my explanation that a certain amount of wool rests is essential to knit them. But my sister insists. She truly would have made a tremendous lawyer. I clean the windows and before I will make tea I write a letter to D.

Soundtrack: The National and Schubert’s String Quartet in A minor Repeat. Repeat. Repeat.

Now you may yawn because you can hardly meet a more boring person than me.

As an exception in German: Vor dem Gesetz

Wir waren 18. Ich ein verlorenes Kind und E. war die Sonne. E. war ein strahlender, ein leuchtender Mensch und E. nahm mich mit ins Licht. E. konnte lachen, das Gläser zerbarsten und E. lachte oft. Wir tanzten über den Dächern von Jerusalem und die E. küsste nur die schönsten Männer, das war ja klar. Noch heute, in einer Berliner Wohnung mit trübem Märzhimmel, wird es heller, nur beim Denken an E. E. hatte feuerrot gefärbtes Haar und konnte telefonieren, sich die Fingernägel lackieren und einem zuhören, wie niemand sonst. Am besten verstand sie die Menschen, denen die Worte fehlten. Das war dann wohl ich. E. war streitlustig und fuhr freihändig Fahrrad. E. hielt immer an, sah sie ein verirrtes Kätzchen oder auch nur eine sich sonnende Blindschleiche. Nichts war ihr zu niedrig. E. hatte die längsten Beine der Welt und schlug sie ihre Beine übereinander hielten die Männer wie Frauen zwischen Jerusalem und Tel Aviv den Atem an. Wir tanzten wieder und wieder und Du musstest so lachen über meine Tollpatschigkeit und deine Nase kitzelte mich am Schlüsselbein: Du legtest deine Handflächen an meine Schläfen und küsstest mich auf den Hinterkopf. Schön, dass du  da bist, sagtest du und das war ein Satz, den ich vor dir E. nicht kannte. Ich sehe dich noch E. in deiner weißen Bluse, die mit Alpenveilchen bedruckt war und wärst du ein Buch, E. es würde überborden vor Liebe und Zärtlichkeit, denn das warst du. Ernsthaft war E. sie konnte über das Jahr 1948 so ernsthaft streiten wie über die Musik von Eric Satie. Manchmal denke ich, wenn du noch lebtest was du hättest werden können? Vielleicht würdest ein Theaterfestival in Toronto leiten oder du wärst vielleicht doch Meeresbiologin geworden, denn deine Achtsamkeit für alle Kreatur war so auffällig wie dein leuchtendes Haar. Vielleicht wärst du aber auch nach China gegangen und überall könnte man heute deine Tuschzeichnungen bewundern, denn während ich am Klavier nach Tönen suchte, saßt du am Tisch und sicher glitt dir die Feder über das Papier.Manchmal wenn wir auf dem Balkon saßen und rauchten, denn wir beide rauchten bis uns die Lungen knackten, da machtest du mit deiner Hand eine so zarte, vogelhaft, leichte Bewegung, in der sich die Zerbrechlichkeit der Welt selbst spiegelte. Es ist mir das letzte Bild von Dir geblieben E.

Wenige Wochen später rief Y. mich spätabends an. E. sagte er ist verletzt. Als wir im Krankenhaus ankamen, war E. nicht mehr am Leben.Später erfuhren wir dann, das der Fahrer Crystal Meth genommen hatte. Anders als E. die doch für eine Blindschleiche vom Rad sprang und acht gab, dass niemand zurückblieb, nicht einmal ich, hatte der Fahrer nicht einmal angehalten. Erst Stunden später hat man die E. und ihr Fahrrad gefunden. Erkannt habe ich sie nur an den roten, unverkennbar leuchtenden Haaren. Mehr ist von  E. nicht geblieben.

Monate später bin auch ich zum Prozess gegangen und aufspringen wollte ich, packen und schütteln, ihn den Fahrer, der dort saß anstelle der E. Ihn anschreien wollte ich und wieder und wieder ihm sagen, wie sehr ich die E. geliebt habe, die mir Schwester war und Geliebte. Aber schon damals habe ich mit dem Weinen nicht aufhören können, über das Loch und die Dunkelheit, die jetzt da ist, wo die E. war, die doch das Licht war und nicht der Schatten. Ich höre ihn noch mit seiner heiseren Stimme darüber berichten wie mit dem Konsum der Droge sich alles um ihn herum abnutzte Gegenstände wie Liebgewonnenes, Kleidung und Ideale, alles wird zu Grunde gerichtet bis es zerfällt. Ich wollte, dass er aufhört zu reden, denn mir war als zerschnitten seine Worte wie seine Reifen noch einmal die E., die liebte und lachte, die sich Sorgen machte und die sich immer noch einmal umsah, mit einem Lächeln in den Mundwinkeln bevor sie ging. 19 Jahre alt ist die E. geworden und in diesem Jahr ist sie 10 Jahre tot. 10 Jahre haben nichts vermocht gegen die entsetzliche Leere, die anstelle der E. über die Dächer und Häuser Jerusalems kam.

Und manchmal an Tagen wie diesen an denen einigen nichts anderes als das Beharren auf eine liberalere Drogenpolitik ( was immer das sein soll ) einfällt und andere glauben, Respekt müsse man sich nicht verdienen, da tauchen epigrammgleich die vergessenen Toten auf, die nur in der Erinnerung jener weiterleben, die noch immer die Fingerspitzen der E. auf den Schultern fühlen, aber auch ihr Erinnern ist nur ein flüchtiger Schatten, denn nichts und niemand, keine Entschuldigung, keine Reue, keine öffentlichen Bekenntnisse, kein Gericht und kein Amtsverzicht kann die E. und all die anderen wieder zum Leben erwecken.

As an exception in German: Verfallsdatum

Ziemlich hoch und sogar sehr unbequem ist der Barhocker auf dem ich sitze. Vor mir zieht die große Stadt vorbei. Mädchen mit Federohrringen kaufen scheußlich riechende Seifen und Badezusätze in einem Laden aus dem Musik knallt. Ein Obdachloser zählt Bierdeckel und er tut dies so konzentriert wie der nur wenig Meter neben ihm stehende Anzugträger, der vermutlich seine Sekretärin am Telefon niederbrüllt. Wahrscheinlich wäre der Obdachlose der konzentriertere ergo der bessere Chef. Tief hängen die Wolken, aber das hindert heute niemanden mehr daran sich eine möglichst großformatige Sonnenbrille aufzusetzen. Ich wippe mit den Füßen und sehe erst gar nicht auf die Uhr. Die B. ist immer zu spät, richtig besorgt wäre ich wohl erst käme sie einmal vor mir an. Neben mir an den langen Holztresen, die alle so individuell wie gleich langweilig sind sitzen zwei Frauen. Sie essen die ziemlich gute Miso Suppe und bestellen den gleichen, sehr dünn geschnittenen, rohen Thunfisch mit scharfem Wasabi, den auch ich gern essen würde, käme doch endlich die B. Mitte dreißig sind die beiden Frauen und ziemlich attraktiv, wenn auch nicht dem eigentlichen Sinne nach schön. Vielleicht verkaufen sie Immobilien oder arbeiten halbtags in einer der vielen Galerien, die in Berlin-Mitte ebenso schnell öffnen wie schliessen. Die eine der beiden Frauen, wippt nervös mit den Füßen und erzählt ihrer Freundin vom Unglück mit einem gewissen Florian. Erst sagt die Frau hätte es ganz gut ausgesehen. Besagter Florian hätte nicht nur Komplimente verteilt, sondern auch angenehme Gewohnheiten und sogar ein ganz komfortables Auto gehabt, noch wichtiger aber: er hätte sogar ein oder zweimal vage Andeutungen in Hinblick auf eine gemeinsame Wohnung gemacht. Die Freundin nickt. Aber in den letzten Wochen sei Florian seltsam distanziert gewesen, eigentlich kaum mehr wiederzukennen. Unnahbar und abweisend und ungern bereit sie mit dem Auto abzuholen. Wohlmöglich hätte dies mit dem Nachmittag zu tun, an dem sie bei einer Freundin lange mit deren Baby geschäkert hätte und nun fürchte der Florian wohl auch sie, sehne sich nach nichts anderem als einem Kind. Die Freundin sieht ernsthaft in ihre Suppe, wohl um der Gefahr zu entgehen, etwas Falsches zu sagen. Dann sagt sie es doch: jetzt nur nicht klammern. Ihre blonde Begleitung jedoch schüttelt den Kopf. Sie sei jetzt 35 und der Florian ihre letzte Chance. Es hätte doch keinen Sinn sich etwas vorzumachen: Frauen hätten eben ein Verfallsdatum und ihres sei ohnehin bald erreicht. Was ihre  Freundin aber antwortet, kann ich nicht mehr verstehen, denn inzwischen ist die B. angekommen und küsst mich zweimal links und zweimal rechts und will mir dringend das Neuste von ihrer Cousine der D. erzählen, die doch im Herbst aus Oldenburg nach Berlin gezogen sei. Ein Medizinstudium habe sie beginnen wollen, aber dann habe sie in der ersten Semesterwochen diesen Mann kennengelernt, der aus Tetrapack Kunstwerke modelliere und ginge ihm nun zur Hand. Nicht zu fassen, sagt die B. und lacht, wenn auch kopfschüttelnd: Sie sagt sie sei seine Muse und sie wolle ein Kind von ihm.