As an exception in German:Das neue Russland und der K.

Freund K. ich kann es Ihnen vergewissern ist keine ängstliche Natur. Der K. ist vor Jahren schon, als noch kein Pauschalreiseveranstalter dafür munter Prospekte verteilte, auf windigen Jeeps durch Wüsten gerast und als die meisten Menschen, Sushi noch misstrauisch beäugten und am Seetang würgten, da aß der K,. schon vergnügt gegrillte Riesenschlangen. Der K., das kann man nicht anders sagen, hat ein abenteuerliches Herz. Vorvorgestern als ich den K. endlich auf der Konferenz erspähte, auf der wir beide zugegen waren, zuckte der K. nervös mit den Lidern. “Hey, K. sagte ich und winkte zu ihm herüber: da bist du ja endlich.” Am Abend zuvor hatte ich den K. nämlich nicht unter den Gästen entdecken können. “Oh, Read On, sagte der K. und zwei Minuten später krachten meine Rippen von der bärengleichen Umarmung, die der K. seinen Freunden zu Teil werden lässt.  “Wo wohnst Du denn, fragte mich der K. mit dem gleichen, nervösen Augenzucken. Bei L. sagte ich, die L. in die der B. einmal unsterblich verliebt war und so scheußliche Liebesbriefe verfasste, das die B. auf ewig alle Poesie aus den Bücherregalen verbannt hat. “Hast Du es gut, sagt der K. und seufzt und der K. hat Recht. “Und Du, K. sage ich, schläfst du im Hotel?” Der K. nickt und wieder zucken seine Augen nervös. “Ist es nicht gut”, frage ich und denke an zerlegene Matratzen oder Kleisterhonig zum Frühstück. “Nein, sagt der K. das sei es nicht.” Irgendetwas sei bei der Buchung schief gelaufen oder das Hotel sei ausgebucht gewesen, jedenfalls, teile er sich das Zimmer mit zwei Russen. Der K. sieht nervös über seine Schultern. “Sind Sie beim KGB?”, sage ich und lache. Aber der K. findet das nicht witzig und zieht mich in eine Ecke. “Irgendetwas stimmt mit den beiden nicht, sagt K. und sieht erneut über seine Schulter hinweg, ob die beiden Russen wohl auch mit uns im Foyer stehen und Kaffee trinken. Aber die beiden sind nirgendwo zu sehen. Gesehen aber habe ich die beiden Russen schon, gestern nämlich hielt der eine mir die Tür auf und am ersten Tag der Tagung, reichte mir der andere sehr eloquent den Arm, auf der rutschigen Treppe. Ich war sehr angetan, denn ich schätze Männer wie Frauen mit guten Manieren. Der K. atmet ein und beginnt: am ersten Abend, habe er den Russen ein alkoholisches Getränk angeboten, in der Hoffnung,dies würde die Stimmung im Hotelzimmer merklich aufmuntern, ja sozusagen als Eisbrecher zwischen den drei sich fremden Herren dienen können. Mit verächtlichem Schnauben aber, hätten die beiden Russen diesen Vorschlag zur Völkerverständigung abgelehnt. Und auch wenn der K. selbst kein Russisch könne, habe er  schon verstanden, dass die beiden Russen sich verächtlich über den trunksüchtigen Belgier, den K. also beschwerten mit denen sie nun im selben Zimmer zu nächtigen hätten. Der K. schüttelt den Kopf: “abstinente Russen”, sagt er, das “gibt es doch nicht” und er rudert einem Don Quijote nicht unähnlich mit den Armen, “das sei doch eine Anomalie.” “Ungewöhnlich sei es schon”, sage ich,”aber doch nicht besorgniserregend”. Aber der K. zieht mich weiter in die Ecke hinein. “Das sei noch nicht alles: jeden Morgen exakt um fünf Uhr früh, klingele der Wecker und die beiden stünden auf, um ihre Hemden zu bügeln. Das Bügeleisen hätten sie eigens zu diesem Behufe mitgebracht.” “Die Hemden, so der K. hätten einen derart steifen Kragen, das sie mehr einer Zwangsjacke als einem Hemd ähneln würden. Dies geschähe jedoch nicht in lautloser Stille und nur begleitet vom Dampfen des Bügeleisens, sondern mit dem Aufklappen des Bügelbrettes, stellten die beiden Russen, Marschmusik an. Keine russischen Märsche schepperten jedoch aus dem Laptop der beiden Herren, sondern vielmehr dieser  der schon lange untergegangen alten Donaumonarchie Österreich-Ungarn.” “Das sage ich, sei in der Tat ungewöhnlich.” Der K. aber fährt schon fort, denn das morgendliche Programm sei damit noch nicht beendet: im Anschluss an die Bügelei, wichsten die Russen ihre Schuhe mit einer stark-riechenden Paste, bis sich ihre Gesichter im Leder spiegeln würden, auch dies täten sie angefeuert durch die flotten Märsche des 20. Jahrhunderts. Der K. rauft sich die Haare. Ich versuche ein möglichst ernstes, der Situation angemessenes Gesicht zu machen. “Sie sind eben reinlich, die beiden Herren”, versuche ich den K. zu beruhigen, doch der K. winkt ab. Gestern Abend  sagt der K., er hätte es genau gesehen, hätten die beiden Russen seinen Koffer und seinen Nachttisch fotografiert: darauf befindlich: ein Glas Gin&Tonic, eine Zeitschrift die sich mit der Tauglichkeit von schnellen Automobilen befasst, eine Tafel Nussschokolade, zwei Paar Socken und  eine Flasche Parfüm. Nahaufnahmen hätten die beiden Russen von diesen, seinen doch allzu banalen Besitztümern geschossen. “Er vermute,” sagt der K. schaudernd, die beiden reisten natürlich im Auftrag der Regierung und hätten ihn als Beispiel des dekadenten Westler’s ausgewählt, schon bald also würden seine Socken und auch das Parfüm, nicht zu vergessen, das halbleere Glas, Teil eines Warnfilmes werden, der dann ausgestrahlt an allen russischen Schulen vom Ural bis zum Schwarzen Meer, mit ihm dem K. in der Hauptrolle des westlichen Schurken’s zur Abschreckung der unverdorbenen Jugend diente, die in ihren gestärkten Hemden ganz und gar über den Dingen stünde und in langen Aufsätzen, ihn den K. verdammen würde. Der K. schaudert und noch bevor ich ihm Beruhigendes sagen kann, nähern sich uns die beiden Russen, die sich artig vor mir verbeugen und sich wirklich und der K. kann es bezeugen aufs Artigste und Freundlichste mir vorstellen. Sie umgibt nicht der Geruch von Parfüm, sondern überdeutlich, während sie mir die Hand geben, umfängt mich der dezente und nicht unangenehme Geruch, gründlich gestärkter Hemden.

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