As an exception in German: Ein Stöckchen! Ein Stöckchen!

Als ich zur Schule ging, war ich das Mädchen in der letzten Bankreihe, weder war ich so hübsch angezogen wie die elegante I noch hatte ich eine hübsche Schreibschrift wie die C. und auch die elfenhafte Schönheit der K. konnte ich nie erreichen. Auf Geburtstagsfeiern wurde ich grundsätzlich nie eingeladen und gute Schultage waren solche an denen mir niemand ein Bein stellte. An den Kettenbriefen, die durch die Bankreihen gingen war ich selbstredend nie beteiligt. Heute aber, so viele Jahre später erreichte mich ein echter, wunderschöner Kettenbrief, der reizenden und bezaubernden Frau Croco, mit der ich gern einmal im Sonnenuntergang auf den Nil sehen würde. 11 Fragen soll ich beantworten und das tue ich sogleich und sehr gern:

1 Eine Abenteuerreise wartet auf Sie. Was wäre für Sie das absolute Abenteuer?

Oh, mein Schwesterchen hat heute noch heute Alpträume von meinem letzten Einsatz in Kabul und so träume ich nicht vom Dschungel oder vom Kilimanjaro, sondern ich käme gern einmal nach Hause, nur leider weiß ich nicht wo das sein könnte, dort anzukommen stelle ich mir als ein großes, das größte Abenteuer vor.

2 Sie dürften bestimmen, wer eine Spende von 10000 € bekommt. Wer wäre das und warum?

Das ist eine so schöne, wie schwer zu beantwortende Frage. Eine der großartigsten und inspirierendsten Frauen, die ich in Indien kennenlernen durfte, ist Sangamithra Bose, eine der unermüdlichsten Kämpferinnen für die Rechte von im Slum lebenden Kindern auf Bildung, aber noch mehr für das Recht auf eine Kindheit. Das scheint mir ein sehr unterstützenswerter Traum. Hier erzählt sie von Ihrer Vision.

3.Für einen Tag dürften Sie in die Haut eines anderen Menschen schlüpfen. Von wem wüssten sie gerne, wie sich sein Leben anfühlt?

Uff. Mir ist die eigene Haut schon schwierig genug. Näherungsweise. Ich wünschte ich könnte einmal mit Karl Kraus eine Zugfahrt von Wien nach Vrchotovy Janovice machen. Nach einer halben Stunde wären wir furchtbar verkracht, vor allem über sein Heine-Buch und ich würde ihn vorsichtig, aber doch nach seiner Liebe zu Sidonie Nádherná fragen. Seine große Liebe. Eine große Liebe.

4.Und welches Tier wären Sie gerne, wenn das möglich wäre?

Ich wäre gern Mops am Hofe Louis XIV und hätte auf dem Schoße des Mächtigen sitzend, die Intrigen unter den Ministern, die Streitigkeiten mit Mazarin, den Ärger mit faulen Dienern, den leidigen Briefen der Königinmutter und all den Frauen belauscht und dann und wann freundlich bekläfft.

5. Hat schon mal ein Traum Ihr Leben beeinflusst?

Ja, aber das Thema dieses Traumes gehört hier nicht her.

6. Lieblingsbücher liest man gerne mehrfach. Welches haben Sie am häufigsten gelesen?

Jedes Jahr mindestens einmal: Thomas Mann’s Joseph und seine Brüder und jedes Mal wieder schlägt mein Herz schneller über Mut-em-enet, auch Eni oder Eni geheißen, die sich auf die Zunge beißt, ärgere und amüsiere ich mich über Joseph den Träumer und Traumdeuter, und mit kaum jemanden habe ich so gelitten wie mit Jaakob und Rachel und schon oft habe ich an der Straße nach Schekem angehalten und ihrer gedacht. Vielleicht ist dieser Roman nicht Thomas Mann’s wichtigster, sein schönster aber ist es wohl doch.

7. Wenn Sie in ein anderes Land fliehen müssten, dessen Sprache sie nicht sprächen und wo Ihre Berufsausbildung nicht anerkannt würde, mit welchen Fähigkeiten könnte sie sich den Lebensunterhalt verdienen?

Ich hoffe sehr, dass dieser Ernstfall nicht eintreten wird, man sagt mir aber eine chamäleongleiche Anspassungsfähigkeit nach, ich hoffe diese brächte mich durch.

8. Verraten Sie uns ihr Lieblingskuchenrezept?

Oh ja! Meine Großmutter machte den besten Zitronenkuchen der Welt. Sie backte nur nie nach Rezept, sondern nahm Eier, Mehl,Backpulver, viel, sehr viel Zucker, presste Zitronen, gab einen guten Schuss Rum in den Teig, hieß mich die Eieruhr auf 65 Minuten stellen und rührte dickflüssigen Puderzucker für den Guss an, während ich die Schüssel ausleckte.

9. Unter Ihrem Balkon soll jemand ein Ständchen singen. Sie dürfen sich Sänger und Lied wünschen. Also, wer und was wünschen Sie sich?

Ich wünschte mir die überirdische Elisabeth Schwarzkopf unter meinen Balkon und ich schlösse die Augen dazu , denn sie sänge dieses dieses Lied von Erich Korngold.

10. Auf welche fünf Lebensmittel können Sie nicht verzichten?

Sehr ungern lebte ich ohne Milch, saure Äpfel, salzige Butter, ofenfrisches Brot und leider, leider, leider Snickers-Riegel.

11. Die Elf ist die Zahl des Narren. Wenn Sie sich denn verkleiden würden, als was würden Sie zum Karneval gehen?

Ich würde niemals , nie zum Karneval gehen. Müsste ich doch, ich verkleidete mich als Rumpel aus der Sesamstrasse und würde mich übel grummelnd in der Mülltonne verbergen bis der Spuk vorüber ist.

Wer geantwortet hat, der darf auch fragen.

1. Käme heute Nacht eine Fee zu Ihnen ans Bett, welchen erfüllten Wunsch gäben Sie zurück?

2. Welches Buch liegt auf Ihrem Nachtschrank?

3. Welcher Geruch lässt sie schaudern?

4. Was haben Sie zuletzt verloren?

5. Sind Sie glücklich?

6. Zöge Alice sie mit ins Kaninchenloch, in welcher Welt wachten Sie gerne auf?

7. Lesen Sie Gedichte? Wenn ja welche, wenn nein, warum nicht?

8. Sie stehen ohne Kompass, Stadtplan und Smartphone im Wald. Wie kommen Sie zurück in die Stadt?

9. Worüber haben Sie zuletzt gelacht?

10. Welche drei Dinge, die sie nicht haben hätten Sie gern?

11. Wofür haben Sie sich zuletzt ausgiebig Zeit genommen?

Wissen würde ich dies alles ( und noch viel mehr ) von Frau Arboretum, mit der ich gern einmal in einem alten und verwucherten Garten Tee trinken würde, von der Trippmadam, die tanzen kann, was ich aus der Ferne sehr bewundere, von der wunderbaren Signora Casino und so Sie nicht gerade Saurier birgt von Madame Modeste

Aber jeder der mag, soll gerne antworten und fragen, wieder und wieder und so weit das Internet reicht.

 

 

 

18 thoughts on “As an exception in German: Ein Stöckchen! Ein Stöckchen!

  1. Sagen Sie doch nicht immer, ich könnte tanzen. Ich versuche es, mehr kann man nicht tun, wenn man keine wirklich geregelte Tanzausbildung genossen hat und sich sein bisschen Können hier und dort zusammensuchen muss(te). Ihr “Ständchen” ist wirklich schön.

  2. Talent soll man preisen, wo immer es auftaucht. Ich bin doch sehr fest von dem Ihren überzeugt. Zudem Sie haben mich noch nie tanzen sehen. Elisabeth Schwarzkopf und Erwin Korngold sind meinem Herzen sehr nah.

  3. Pingback: Stöckchen / cuestionario – Geschichten und Meer

  4. Das sind sehr schöne Fragen.
    Die erste gefällt mir besonders, da sie mich sehr betrifft.
    Ich habe mir mal gewünscht, ein ganzen Jahr nicht arbeiten gehen zu müssen.
    Der Wunsch ist in Erfüllung gegangen, aber ganz anders als ich es dachte. Nun denn…

  5. Ich fürchte, bis ich die Fragen beantwortet habe, wird der Tee sehr kalt geworden sein. Ich habe nämlich immer noch nicht die Fragen von Felis major und Frau casino beantwortet, obwohl ich das versprochen habe. Soll heißen: Es wird dauern. Ich bitte um Geduld.

  6. Ein grandioses Stöckchen. Ich lehnte solche stets ab mit dem Verweis, ich sei schließlich kein Hund, der schwanzwedelnd apportiere. Aber das revidiere ich. Wenn man, so wie ich, jetzt, neu auf einen Blog kommt und die Aufnahme eines derartigen Stöckchens lesen darf, erhält man einen wundervollen und vielschichtigen Einblick in den/ die Fremden, der/ die einem gleich vertraut wird.

    Herzlichen Dank also an Sie für das mitTeilen der Antworten!

    Zufällig bei Ihnen vorbei gestolpert und begeistert hängen_geblieben 😉

    Lieben Gruß,
    Nana

    • Oh, ich werde ganz verlegen. Haben Sie besten Dank für ihren freundlichen Kommentar und seien Sie herzlich willkommen. Nehmen Sie sich Tee und Kekse, hier leben nur eine faule Katze und ich, niemand muss etwas apportieren….Manche Fragen sind ja auch Antworten und neue Antworten auf alte und neue Fragen zu suchen, scheint mir keine allzu schlechte Idee. Herzliche Grüße an ihren See!

  7. Vielen Dank! Ich verdanke Sangamithra Bose sehr viel. Wann immer mich die Verzweiflung packt, ist ihr kluger Rat mein Horizont gewesen. Es gibt sehr viele, sehr, sehr beeindruckende, wenn auch in Europa leider völlig unbekannte Frauen in Indien. Sie zu kennen ist ein Geschenk.

  8. oh, wie konnte ich das nur übersehen? da setz ich mich gleich dran. mit den fragen kann man ja einen ganzen abend füllen!

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