As an exception in German: Berliner Geschichten III

Hier leben keine hippen Mitteschnitten und die Männer sind alle eher graumeliert als dreifach gepierct. Es sind die zweiten Versuche und dritten  Ehen, die sich hier im Südwesten Berlins im Bioladen treffen. Ihre Autos sind nicht mehr schnell, sondern gediegen. Die Männer sind Anwälte oder Verwaltungsbeamtete, die ersten Ehefrauen nur noch eine Kontonummer, die neuen Frauen, haben Ansprüche und morgens um halb Zehn, Yoga. Sie sind alle blond und sagen ganz unironisch fragt man sie nach ihrem Beruf: Supermommy.                                                                                                                Ihre Kinder heißen: FriedrichWilhelmLuisKarlHeleneWilhelmine, so als sei es in Preußen doch eigentlich am Schönsten gewesen. FriedrichWilhelmLuisKarlHeleneWilhelmine dürfen keine Gelbwurst von der netten Frau an der Fleischtheke haben, denn die Mütter erziehen die Kinder selbstbestimmt und natürlich vegan. FriedrichWilhelmLuisKarlHeleneWilhelmine finden das eher nicht so gut und werfen sich vor dem Joghurtregal auf die Erde. Das ist nicht so gut für die teuren Wollwalkjacken, die sie alle tragen und auch nicht gut für die Nerven der alternden Väter, die es doch besser machen wollten, jetzt beim zweiten oder dritten Versuch. In den Einkaufswagen liegt Sojageschnetzeltes und Sojajoghurt, aber mehr und mehr sieht man auch Reismilch. Ich kaufe Camembert und fetten Gouda natürlich, Vollmilch  und Brot. Ich kaufe Kartoffeln und Kakis für den Feldsalat und halte nicht viel von Quinoa und Chia-Samen, vor allem weil ich die Kilopreise in den Herkunftsländern kenne.  Aber FriedrichWilhelmLuisKarlHeleneWilhelmine sollen doch dem Papa nicht mit dem Wagen über die Zehen fahren und auch nicht die Dominosteine von den Regalen reißen, sondern selbstbestimmt einsehen, dass Mami das nicht schön findet. FriedrichWilhelmLuisKarlHeleneWilhelmine,kümmert das wenig. Die Väter indes zahlen die Dritte-Welt-Produkte, die die Erste Welt fancy findet und sagen: Ja, Liebling, wie du möchtest und dann rufen sie nach FriedrichWilhelmLuisKarlHeleneWilhelmine, die doch bitte warten möchten, doch FriedrichWilhelmLuisKarlHeleneWilhelmine stürmen davon und die Väter wissen auch nicht so recht, warum das nichts wird mit dem schönen und neuen Leben, obwohl ihre Ehefrauen doch alle die gleichen Nikeleggins tragen, die halb traurig, halb komisch behaupten: YOU CAN DO IT. Ich aber fahre nach Haus und im warmen Sonnenschein sitzend, esse ich erst einen Schokoladennikolaus und dann ein Käsebrot.

3 Gedanken zu “As an exception in German: Berliner Geschichten III

  1. Meiner boshaften Schwester fiel kürzlich auf, dass die Kinder nicht mehr Sören-Elias heißen. Es gab vor einiger Zeit eine allgemeine Vorliebe für die nordisch/biblische Kombination. Namen sind so eine Sache: sie drücken Wünsche und Träume der Eltern aus und die Kinder müssen dann damit herumlaufen bis an ihr Lebensende. Da bin ich eher froh, dass meine Eltern nicht sehr fantasievoll waren.

  2. Oj, Sören-Elias ist wirklich eine Klasse für sich. Hier ist ist alles streng preußisch und die Erwartungen der Eltern scheinen mir im Allgemeinen sehr hoch, denn Sören-Elias und Wilhelmine-Friederike sollen ja eher nicht Schreiner und Mechanikerin werden, sondern es mindestens zum Studienrat bringen.

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