As an exception in German-Berliner Geschichten I

Früh ist es und kalt. Wirklich sehr kalt. Zur Katze sage ich, sie möge sich bitte benehmen. Die Katze liegt auf dem roten Kissen. Die Katze schläft unter einer weichen Decke. Die Katze rührt sich nicht. Katze sage ich, hör zu, morgen früh kommt die Nachbarin und morgen Abend noch einmal, dann bin ich zurück. Die Katze bewegt nicht einmal ihre langen Schnurrharre. Es ist fünf Uhr. Um sieben Uhr sitze ich im Flugzeug und um 11 Uhr bin ich in Berlin. Es ist kalt und der Regen ist grau und schwer. Der Bahnsteig in Adlershof ist leer. Überall hängen Plakate die eine Zukunft preisen, auf die wohl alle warten und die nicht kommen will. Jedenfalls nicht heute, nicht an diesem grauen Morgen. In der einzigen Bäckerei die ich finde und die gleichzeitig auch eine Spielhalle und Trinkstube ist, kaufe ich zwei Croissants. Alle anderen im Geschäft kaufen Bier und öffnen die Flaschen mit einem Öffner, der an einer langen Schnur neben dem Tresen baumelt. Plopp, machen die Flaschen und die Deckel fallen auf den Boden. Da liegen sie dann. eine ganze Weile laufe ich die Straße herunter, halte Ausschau nach einem Schild, das nicht kommt, frage zwei Männer, nach dem Weg, auch sie Bierflaschen in der einen und Zigaretten in der anderen Hand. Sie wissen den Weg nicht, ich ihn auch nicht und so laufe ich weiter. Ockerfarben sind die Häuser hier, gebaut in 1920er Jahren für Industriearbeiterfamilien, die es schon lange nicht mehr gibt. Dann finde ich den Weg doch. Wenig später sitze ich in der Küche von Anna Seghers. Wir trinken Kaffee, ich kaue auf dem Croissant und schwer ist es wirklich nicht, sich vorzustellen, gleich käme Anna Seghers zur Tür herein, und hieße uns aufstehen, scharf fragte sie sicherlich, was wir denn eigentlich in ihrer Wohnung wollten. Auf dem Tisch steht die Reiseschreibmaschine, Modell Remington, daneben die Brille, ja sogar ein Stapel voll Papier, liegt dort. Eine schmucklose Wohnung, herb soagr, herb wie vielleicht die Seghers selbst. Nur Transit eigentlich, nicht zuletzt wegen jener Szene in der sie als eine der wenigen Abschied nimmt von Ernst Weiß, der noch vergessener ist als die vielen Vergessenen. Nein, ich habe ihre Romane bis auf diesen nie gemocht, bin nie den Figuren verfallen, fand oft die Handlung zäh und doch, jetzt in ihrer Küche, im Wohnzimmer die Muscheln aus Mexico und das ewig spießige, kleinbürgerliche, das die DDR als intellektuell verstand, im Flur, Reproduktionen von Diego Rivera, was fehlt der Heine-Briefe, das letzte Geschenk ihres Vaters, der wohl ahnte das die Tochter ihn brauchen könnte, sie die ihn verschenkte, ich weiß längst nicht mehr wem. Eine andere Zeit ist es in die man gerät, kopfschüttelnd steht man vor den Trümmern der sozialistischen Utopie, die längst keine mehr ist, nie wieder eine sein kann, denn das 20. Jahrhundert hat sie verschlungen, wie sie auch das Feenhafte, den Charme und die Leichtigkeit der Menschen verschluckte, die für ihn nach Sätzen suchten und sich verbiegen, bis auch sie eibrachen, auf dem glatten und trügerisch- tiefem Eis. Zurück durch den Regen, vorbei an den Trinkern, vorbei an den Plakaten, die für eine Zukunft werben, die wohl nicht kommen wird, nicht huete. nicht morgen und die auch nicht kam für Anna Seghers die aus Mexiko zurückkehrte, 1947, vor so vielen Jahren, vor so kurzer Zeit.

Anna-Seghers Gedenkstätte, Anna Seghers Strasse 81, 12489, Berlin-Adlershof,

Anna Seghers Gedenkstätte

Beef

The peppered beef looks not too bad I think and order a plate. B. takes the same. We struggle a while before we finally find a free table. Sometimes it seems the whole university gathers at this tiny place that is rather euphemistically called “The Buttery.” The beef smells not too tempting. Something is wrong with the smell I think, but am not quite able to define what it could be. B. asks and she does so while already wolfing down big pieces of the beef stir: How was India, by the way? Intense I say and she nods. “All the colors”, she says and of” course the glorious food.” I pick up a piece of carrot and don’t say that during these long days I spent in the slum, food only came into my mind as a consistent missing factor. I never count calories, but in the slum I do: “How many calories more do we need” is a consistently ringing question at the back of my mind. B. however, praises an Indian place where she once had orgasm-like buttered chicken. I am not quite sure if I want to find out anything about the nature of B.’s orgasms, but they don’t seem to be too tempting for me. The beef tastes lousy and dry but the rice is okay. It would be as average as canteen food normally is, if not for the smell. B. looks at me and is clearly disappointed. I know that I fail in entertaining people with adventurous stories from India, but I don’t have any to tell. B. in opposite has many stories to tell. She shows me youtube videos of cats doing funny things and I try hard to stifle a yawn. I couldn’t care less and I am always astonished how amused people can get about dancing cats. And this irritating smell that makes me feel nauseous. I sniff at the green beans and the rice but they smell of nothing, I wonder if maybe my nose is playing awful tricks or I am just loosing my mind on a rainy day at the beginning of October. B. talks about a splendid wedding in Scotland that included a free bar and mountains of lobsters. Quite vividly she explains me, using her fork and knife how she cracks open such an animal. Lobster I think and try not too offensively sniff again at the beef, trying to identify the herbs that stick all over the meat. Lobster, I think again and see again the girl, who was maybe fourteen years old, pregnant, being a tiny child herself. ” We cracked her open like I lobster I think” and now definitely feel sick. Impossible it has become to eat a single bit more. Sick, I feel, sick to the bones and throw out the food. Lemongrass, I think, it was lemongrass while scraping clean my plate, lemongrass boiled for hours, with its penetrant, repugnant, perfume-like smell and I try not too look into the waste bin. B. hasn’t interrupted yet and luckily did not even recognize that I wasn’t even listening and so I nod to her tale of that ‘hell of a wedding’. ( I totally agree to the hell part) and try to breathe in and out. In and out.